Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1847)
- Date
- 1847-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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e fränkischen Gemeinden wurden abgetrennt und werden fetzt von besonder» Herrschern i. e. Nabbinrm regiert; zwei Gemeinden bilden das Nabbinat Schopfloch, 8 das Rabbinat Ansbach, ein Bröckelein ward dem Rabbinate Wassertrüdingen zugeworfen und einige andere kleine Gemeinden bilden das obenbenannte Rabbinat Welbhausen. Von daher datirt seine Geschichte, denn eine Kette von Wablumtricben, Bestechungen begann hier, wie sie die Geschichte der Rabbinerwahl noch nicht kennt, aber wahrscheinlich für die Folge in gesteigertem Grade kennen lernen wird. Beispiele bilden. — Zuerst traten zwei Bewerber auf einmal auf, die HH. Oberndorfer, dazumal von der Hyper - Orthodoxie protegirtcr Rabbinatsverweser in Ansbach, und Rabbinatskandidat vr. Ein. Horn. Nach erfolgter Wahl, bei der letzteren den Sieg davon getragen hatte, traten beide Bewerber mit der Klage der Be. stechung re. rc. gegen einander auf. Die Sache schwebte lange bei den Gerichten. Inzwischen erhielt Dr. Einhorn zu seinem Glücke das Landrabbinat in Birkenfeld, und Oberndorfer kam zu unserm Glück, weil bei der Wahl in Ansbach durchgefallen — als Lehrer — Oberlehrer nennen sie's — nach Altona. Böse Leute sahen dies als eine Strafe Gottes, der ja immer mo "U» mD strafe an, „denn er hatte als Rabbinatsverweser gar manchem seiner Lehrer bittere Stunden bereitet, ja ihnen sogar mit der Einführung des Monstruns von „Schwabacher Lehrplan" gedroht. Er mag es nun fühlen, wie kränkend es ist, Leute ohne pädagogische Bildung als Vorgesetzte zu haben. Mit diesem schließt die erste Periode nämlich von der Theilung des Reichs bis zur Regierung — des Geldes. Von 1835 — 1841. Diese dauert fort und befestigt sich immer mehr, denn, als eine allerhöchste Enischließung die Wahl annullirte und eine neue ordnete, da erschien ihr leib. Hafter Repräsentant in der Person eines gar frommen und reichen Kandidaten, Doctor und Apotheker zugleich und wollte den Thron eiunehmen, denn ob er schon anderwärts gegründete Aussicht auf Thron und Braut hatte, so wollte er doch erster» durch eine schnelle Wahl und die zweite durch eigne Wahl sich erwerben. Zum Unstern trat aber ein Gegcnbewerber auf, der wohl nicht hatte, wohin er sein Haupt lege, der aber durch seine gediegnen Kenntnisse und sein Rednertalent, vielleicht auch durch eine gewisse ihm eigne Akkomodation an die Denk und Redeweise jüdischer Landsleute — Bierheim war sein Name — den frommen Doctor ausstach. Dieser mußte nun wieder zu seinem Patron und seiner präsumtiven Braut zurückkehren und zu warten bis der alte Herr sterben würde, denn als dieser seine Gemeinde anging, ihm den Doctor bei Lebzeiten zum Nachfolger zu geben, erklärten die när. rischen Leute, er solle nur erst sterben, das Weitere werde sich denn schon geben. Bierheim wurde als Rabbiner eingesetzt. Zweite Periode: von der Regierung des Geldes bis zu Bierheim dem I. denn dies war der erste wirkliche Rabbrner deS Dorfes Welbhan« sen lammt Zubehör, oder von 1941 — 1943. — Seine Herrschaft währte leider nicht lange, renn der Mann war schon lange kränk« lich, die wenigen Anstrengungen eines bayer'schcn Rabbinats bewirkten bei ihm den Blutsturz; er starb schon nach einem Jahr. Das Reich wird durch Herrn Rabbiner Grünbaum in Ansbach verwest. Die Verwesung zieht sich, weil Verweser uev Verwesung beliebt waren, in die Länge.. Endlich werden die Hustings wieder aufgerichtet. Der Doctor erscheint wieder. Gleich einem Peter von Amiens durchzieht er das schöne Frankenland, abet nicht im Bettlergewanv auf einem Esel reitend, sondern mit gespickten Beutel, nicht Ablaßaber Schuldbriefe ertheilend. Und eines schönen Tages, nachdem sie vorher die Schule besucht hat. ten — die guten Leutchen gehen schon so lange in die Schule und haben doch noch nichts gelernt — macht sich ein Trupp zusammen und begeistert und begeisternd rufen sie: Auf! nach — Uffenheim; und sie kommen an in Masse und sie thun sich zusammen und wählen — den frommen Dr. Frankel zum Rabbiner, zum Rabbiner von Welbhausen und Zubehör. Der glückliche Mann! er eilt fort und ruhet nimmer bis er Oettingen erreicht und der Nachfolge und der Braut Valet gesagt hat. Es triumphiren unsere Frommen, sie haben wieder eine Säule gewonnen, und es seufzen die Fortgeschrittenen, sie wissen, was man von dem jetzige» Modeartikel „ftomni'' zu fürchten hat. Dritte Periode: Vom Tode Bierheims I. bis zu Peter I. Doch auch seine Herrschaft währt nicht lange, denn durch die Erfahrung gewitzigt und fürchtend jeden Frühling eine Rabbinerwahl für Welbhausen leiten zu müssen, hatte der Wahlcommissär gleich wie bei einer Ständewahl, einen Ersatz wählen lassen. Wie es denn nun zu geschehen pflegt, der eventuelle Thronfolger steht gemeiniglich nicht auf gutem Fuß mit dem Regenten. Der Ersatzmann Heymann warf sich zum Prätendent auf und brachte so viele Beweise der ange. wandten Bestechung rc. an, daß die k. Regierung nach erfolgter strenger Untersuchung, den Gewählten in Strafe nahm, ihn von jeder zukünftigen Wahl ausschloß und den Ersatzmann als Rabbiner angesehen wissen wellte. Ein Rekurs an die allerhöchste Stelle hatte die natürliche Folge, daß der ganze Wahlakt annullirt und eine neue Wahl angeordnet wurde, bei welcher am ersten November d. I. der würdige Kandidat Herr Weinmann auS Treuchtlingen mit der majora von 78 Stimmen gewählt wurde. Der Ersatzmann Heymann konnte wieder nur 55 Stimmen erlangen. So weit ist diese saubere Geschichte bis jetzt gediehen und die vierte Periode von 1845 bis auf unsere Zeit wäre geschloffen. Geschloffen? o «ein, denn bestätigt sich ein Gerücht, so wird auch