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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-04 · Heft 1 (4.1.1846) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 1 (4.1.1846)
Date
1846-01-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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3 einem abgerundeten Ganzen zu thun, wenn auch eine und dieselbe Gesinnung das Buch durchwebt, sondern es find einzelne größere Abhandlungen, von denen einige allerdings vortreffliche Monographieen find. Während in den „gottesdienstlichen Vorträgen" ein, wenn auch nicht selten loser, Faden durch das ganze Werk ging und wir an der Hand der Geschichte den großen Zeitraum fast von dem ersten Auftreten des Zudenthums bis zur Gegenwart durchschritten, während wir dort überall die Producte des Geistes in neuer Beleuchtung und Bestimmung erblickten, uns zum Verständnisse des verschiedenartigsten Charakters der Zeiten lehrreiche Winke gegeben wurden, wenn auch vielleicht für den Wunsch Mancher gerade die Charakteristik hinter die Bibliographie zu oft zurücktrat: so sind die vorliegenden Abhandlungen ganz von einander getrennt, wir gewinnen weniger ein neues Bild geschichtlicher Entwickelung, mehr eine, allerdings massenhafte, Bereicherung des Stoffes für einzelne geschichtliche Partieen, die wohl verarbeitet wird, aber doch hier mit einer noch weit mehr überwiegenden Berücksichtigung des Bibliographischen vor der eigentlichen Darstellung des die Zeiten Charakterisirenden, innerlich durchdringenden. Der erste Aufsatz r „die jüdische Literatur" (S. 1—21) hat gewissermaßen die Aufgabe, einleitend das Recht für dieselbe zu erkämpfen, ihr die Stellung anzuweisen, welche sie in derGHnnmtliteratur einnimmt und einnehmen soll, wie sie „einer von Jen Strömen ist, welche dem Meere der gesammten geistigen Betriebsamkeit tfaS Wasser zuführen," daß daher ihr Gebiet nicht einer einzigen, etwa der theologischen, Geisiesrichtung zugcwiesen, da sie vielmehr sich nach allen menschlichen Beziehungen hin ausbreitet, in ihr nicht nach etwas Fertigem, das man alsbald für andere Zwecke benütze, gesucht werden dürfe, da vielmehr die unbekannten Strecken erst genau untersucht werden müßten, — falsche Bestrebungen, die, gepaart mit Dünkel, endlich zur gänzlichen geflissentlichen Meidung des ganzen Gebietes geführt hätten. Es sei allerdings ein Mißgeschick, das auf dieser Literatur ruhe, daß sie durch die ungünstigen Verhältnisse ihrer Träger zu sehr außer Berührung mit der übrigen Menschheit geblieben sei, und nur eine Zeit lang die überwiegende Herrschaft des Griechischen und Arabischen für die Gegenden, in welchen neben diesen Sprachen auch zugleich ein gebildeter Sinn herrschte, eine Vereinigung aller Bewohner in Gesittung und Wissenschaft bewirkte und daher auch die Juden ebenso gaben wie empfingen. Was später an den Juden interesfirte, war lediglich das Religiöse, und dieses vorzüglich ward daher mit dem Aufblühen der Wissenschaften, aber dieses auch sehr fleißig, beachtet; von hebräischer Grammatik und Bibeleregese ausgehend, in welchen man der jüdischen Werke als Führer bedurfte, wandte man seine Aufmerksamkeit diesen Werken im Allgemeinen zu, und lenkte dieselbe nach den verschiedensten Gebieten. Als aber nicht mehr blos das Thatsächliche und Vorhandene genügte, als man die Grammatik mehr auf eigner Beobachtung und Forschung zu erbauen, die Eregese mehr selbstständig aufzustellen begann und die Kritik neue Gedanken und Anschauungen brachte, da trat der wesentliche Zweck, weßwegen man die jüdischen Werke studirte, in den Hintergrund, und blos einige Liebhaber blieben für ein Studium, das nun als ein selbstständiges hätte betrachtet werden müssen. Die ungünstige Ansicht, welche sich nun allmälig über die jüdische Literatur bildete, hatte ihre Vertreter selbst unter den Zuven. „Die vor etwa 70 Zähren aus langer Vernachlässigung Emporgehobenen fanden Vieles nachzuholen, Manches auszugleichen, und schienen der Philosophie, die ihre Fesseln gesprengt, ihre Religion, der Cultur, die ihnen hülfreich entgegengekommen, ihre Literatur opfern zu wollen; wenn aber die Juden selber die Grundlage ihres geschichtlichen Seins verachteten, selber ihr Alterthum für die Emancipation feilboten, konnte es nicht befremden, daß christliche Gottesgelehrte sich des Zusammenhanges mit dem Judenthum schämten, und so die eigentliche Wissenschaft verlassen blieb." Daher Unwissenheit und Vorurtyeil, so oft ein Blick dorthin gerichtet wird. Von diesem Wege muß umgelenkt werden; „man erkenne und ehre in der jüdischen Literatur eine organische und geistige Thätigkeit, die den Weltrichtungen folgend auch dem Gesammtinteresse dient, die vorzugsweise sittlich und ernst auch durch ihr Ringen Theilnahme einflößt." „Die Gleichstellung der Juden in Sitte und Leben wird aus der Gleichstellung der Wissenschaft des Judenthums hervorgehn." Wir haben hier ein gewichtiges Bekenntniß vor uns über eine Richtung von einem Manne, welcher dieselbe mit hingebender Liebe pflegt, von einem Manne wie Zunz, und dieses Bekenntniß ist für uns von um so größerer Bedeutung, als Zunz mit seinen Bekenntnissen sehr karg ist, als uns dieses auch zugleich einen Maßstab zur Beurtheilung und eine Erklärung seiner geistigen Thätigkeit an die Hand giebt. Und dieses Bekenntniß ist zugleich durch gelehrten Nachweis lehrreich, durch die Wärme der Darstellung und durch den kernigen Styl, welcher Zunz' Arbeiten immer auszeichnet , höchst anziehend. Es liegt in dieser Auffassung, soweit sie geschichtlich darstellt und erklärt, volle Wahrheit, aber — wir bedauern es hinzufügen zu müssen — sobald sie den Boden der Thatsachen verläßt und ihre Forderungen hinstellt (die Begründung ist nur eine flüchtige), sehr viel Schiefes und Ungerechtes. Es scheint mir zunächst ein Grundfehler in dieser Betrachtungsweise zu liegen daß der Hr. Verf. die jüdische Literatur nicht als eine religiöse, sondern als eine Volksliteratur aufgefaßt wissen will, daher der Anspruch, sie solle in allen Gebieten eine ernstliche Berücksichtigung finden, daher sein Unwille über die Bezeichnung: „rabbinische

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