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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-04 · Heft 1 (4.1.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 1 (4.1.1846)
Date
1846-01-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sache erwarten, daß alle diejenigen, welche sich hierzu berufen fühlen, auch ohne namentliche Aufforderung, uns durch Beiträge (bei welchen sie sich der Fahrpost bedienen wollen) unterstützen werden. Recenfion, von Vabbinrr Pr. Geiger. Zur Geschichte und Literatur. Von vr. Zunz. Erster Band. Berlin, Veit & Comp. 1845. vm. u. 607 S. gr. 8. Erster Artikel. Seit einem Decennium und etwas darüber ist das Studium der jüdischen Literaturgeschichte sehr lebendig geworden, und als den ersten Anreger zu einer gründlichen Bearbeitung dieses früher so vernachläsfigten Zweiges, zugleich aber als einen der umfassendsten und geistvollsten Forscher auf diesem Gebiete dürfen wir unbedenklich Zunz anerkennen, dessen Nus ein festbegründeter geworden, dessen Gelehrsamkeit und treuredliche Forschung wie dessen unbefangene Prüfung und scharffinnige Combination die unwegsamsten Striche geebnet, die dunkelsten Zeiträume beleuchtet hat. Wenn sein „Etwas zur rabbinischen Literatur" schon im Keime den umfassendsten Forscher ahnen ließ und die liebende Hingebung bekundete, so hatten seine Biographie Raschi's und seine Erklärung der spanischen und portugiefischen Ortsnamen den bereits vollendeten Gelehrten erblicken lassen, welchem das Kleinste nicht zu geringe ist, um ihm nachzuspähen, der es aber auch versteht, es in den großen Ueberblick über die Gesammtentwickelung des jüdischen Geistes am rechten Orte einzufügen, wo es zum klaren Verständniß nothwendig ist. Jedoch war damals die Zeit noch nicht gekommen, welche diese Bestrebungen in ihrer vollen Bedeutung würdigen konnte. .Es mußte zuvörderst wieder Interesse für das Judenthum selbst erweckt, das Streben nach einer weitern lebendigen Entwickelung desselben angeregt werden, d. h. es mußte das Bedürfniß uach einer religiösen Belebung und daher nach der nothwendigen Umgestaltung, nach R e f o r m des Judenthums erwacht sein, bevor man sein geschichtliches Werden mit Theilnahme zu verfolgen sich angetrieben fühlen konnte. Erst seit 1830 ward der Sinn mit Entschiedenheit nach den reformatorischen Richtungen hingelenkt, und so wurden auch Zunz' „gottesdienstliche Vorträge" mit Jubel begrüßt, sowie cr selbst den schwierigsten Studien, den scheinbar entlegensten Untersuchungen außer ihrer Befruchtung der historisch-wissenschaftlichen Erkenntniß zugleich ihren Ausgangspunkt in dem Nachweise für die Berechtigung reformatorisch-belebender Umbildungen und neuer im lebendigen Geiste wurzelnder, wenn auch in der Form von den älteren Gestaltungen abweichender Schöpfungen anwies. Auch seine „Namen der Juden" hatten zugleich den Zweck, eine damalige Lebensftage zu erledigen, die der Jsolirung der Juden auch durch äußere Kennzeichen. Spätere Arbeiten, wie seine „Analekten", seine Zusätze zum Cataloge der Leipziger Stadtbibliothek, seine Anmerkungen und geographischen Beilagen zu der neuen Ausgabe von Benjamin's von Tudela Reisebeschreibung blieben mehr auf dem spcciellen literar-historischen Gebiete, und wenn fie dem Freunde dieser Studien die dankenswertheste Belehrung boten, so gaben fie doch keine neuen Gefichtspunkte zur Beurtheilung der vergangenen Jahrhunderte, und der größeren Anzahl der Gebildeten, ja selbst der Gelehrten, welche jedoch für einzelne Thatsachen der Bergangenheit nur dann fich interesfiren, wenn neue Anschauungen daraus gewonnen werden und die Geschichte des Judenthums im Großen dadurch aufgeklärt wird, konnten fie natürlich eine besondere Theilnahme nicht abgewinnen. Unterdessen fanden sich mehrere eifrige Mitarbeiter auf diesem Boden ein. Aus reichen Schätzen Andern unzugänglicher Bibliotheken theilten Dernburg, Luzzatto und Munk Vieles mit, was auf viele und wichtige Partieen der Geschichte ein ganz neues Licht warf, und die gründliche Kenntniß dieser Männer befruchtete den -von ihnen dargereichten Stoff zu wahrhaftem Leben; in desultorischer Weise, zuweilen flüchtig, zuweilen geistreich, immer'aber in Fülle darbictend, bewegte fich Dukes auf den verschiedensten Gebieten und trug mit Bienen-Emfigkeit zusammen, nicht selten auch gleich der Biene den Blüthenstaub zum Honige verarbeitend; in zweideutiger Weise lehrte Carmoly, Ungeahntes vorbringend, sich auf Handschriften berufend, ohne daß man fich des Verdachtes erwehren konnte, diese seien theils erdichtet, theils entstellt, und es bedurfte für seine Bürgschaft immer einer neuen Bürgschaft, ehe man mit voller Sicherheit sich, seinen Angaben anzuvertrauen wagte; mit kühnen, oft glücklichen, nicht selten auch halsbrecherischen Combinationen schritt Rappoport voran, auf alten allerdings wohlbegründeten Ruhm pochend. Auch außerdem war eine vielgeschäftige Regsamkeit auf diesem Gebiete eingetreten, und auch der Schreiber Dieses ist mit Liebe auf demselben gewandelt; soweit seine Mittel reichten, versuchte er es, den die Erscheinungen durchdringenden Geist anschaulich zu machen, den Zusammenhang unter ihnen aus seiner Verborgenheit zu ziehen, nachzuweisen, wie der geistige Odem überall wehte, ihn aus seinen Grabesbanden zu befreien und mit frischem Hauche über die erstarrten Glieder wehen zu lassen. In diese vielgestaltige und rüstige Thätigkeit tritt nun Zun; wieder hinein mit seinem neusten Werke, dessen Betrachtung wir uns hier zur Aufgabe gesetzt haben. Wir haben es hier nicht mit

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