Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1846)
- Date
- 1846-01-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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K Originalität adgcht. Das „Volksbewußtsein" will nichts Neues, d. h., was neu in seinem Lorstellungs - und Ehrfahrungskreise ist. Mw dieses „Volksbewußtsein," — der Niederschlag der Jahrhunverte in seinen untersten Schichten, welchem auch die Gesänge gehören, will nun einmal auch eine separate Synagogen - Aesthetjk, welche nach seiner Meinung in den Tempel Davids seine Wurzeln schlägt. Obwohl wir uns nur wenig direkt Ersprießliches für eine wahrhafte Regeneration des so weit herabgckommenen jüdischen öffentlichen Gottesdienstes davon versprechen, ob Ein Chasan,oder ein Haufe Chasanim den L'cho dodi fingen; ob der ft'l- ’tw Einodcr zweistimmig geleiert wird, so sei uns das Werkchen, willkommen. Es bahnt doch den Roten den Weg in die Synagoge, und macht einige Ordnung möglich. Es macht den Sängern Freude, und die ist auch etwas werth. Ob aber der Verfasser nicht wohl gerhan hätte vermittelst seines populären Merkchens, durch die Aufnahme einiger deutschen Gesänge wie, „Was ist der Mensch o Ewiger?" rc. bei der Todtenfeier, ,.O, Tag des Herrn" rc. von Stein, für Col-Nidre, die durch ihre herrlichen angemessenen Melodien, und ihren tiefen religiösen Inhalt, gewiß auch von vielen Orthodoxen gerne gehört worden wären — dem deutschen, vaterländischen Element beim jüdischen Gottesdienste Credit^zo -verschaffen, wird nicht wohl'qbgesprochen werden können. Möchte diese bei einer weitem Ausgabe, wenn sie sich nöthig machen sollte,^ Berücksichtigung finden!. Die äußere Ausstattung ist übrigens ganz vortrefflich, und der Preis verhältnißmäßig sehr niedrig. Liebmann Adler. Miseellen. Zu einer solchen Virtuosität wie die Fürth er haben es doch nirgends die talmudisch-frommen gebracht. Nicht zufrieden, daß der himmlische Thau der Zionswächtcr ihnen in 17 Exemplaren zuströmt, sollesie auch auf das Verbot der anderen jüdischen Zertschristen bei der Regierung Mittelftankens angetragen haben, weil sie, wie sie angeben und nachweifen (!) wollen, zur Unzufriedenheit gegen den König und seine ^rordnungen aufrciztcn. Briefe aus Westphalcn sich mit einem wahrhaften Enthusiasmus über den Obervorße-«Wxllwitz in Soest. Sie nennen ihn ihren Jacobsohn, weil er a» Wchlthätigkeit demselben nicht nachstehe. Keine Woche vergehe, wo er nicht für irgend einen dem religiösen Fortschritt oder der Anerkennung der Juden gewidmeten Zwecke in Anspruch genommen werde und immer reichlich dafür spendet, und eben so groß seien die Verdienste, welche er sich um das Gemeindewesen in dem Bezirke seines Obervorsteher-Amtes und mittelbar von ganz Westphalen erworben habe. Geiger hält in diesem Winter vor einem Kreise von Studirenden Vorlesungen über die Mischnah, in welchen er dieselbe als ein ohne Bezugnahme auf den Talmud für sich bestehendes Werk betrachtet. Sie sollen mit großem Interesse angehört werden. Man schreibt aus London: Es werden hier Versuche gemacht, die Burton Street Synagogue, welche in Folge ihrer liturgischen und rituellen Reformen schon vor mehreren Jahren sich von der alten Gemeinde getrennt hat, wieder mit dieser zu vereinen, wobei man aber an sie die intolerante Forderung stellt, daß sie sich den Pastoral-Verordnungcn des angekömmenen Rabbi blindlings unterwerfe: Es ist zu diesem Behufe hör Kurzem an gen. Synagoge eine Adresse abgegangen, in welcher ihr solche Anträge gemacht werden, allein sie scheint nicht gewillt zu sein, darauf einzugehcn. Es ist den deutschen Juden hier, die es mit vrl Adler Halten, selbst noch nicht einmal gelungen, die portugiesische Gemeinde für ihren Hirten zu gewinnen. — Nach Berichten eines ftanzösischen Attache in China haben Zwei Juden dieses Reichs die ftanzösischen und englischen Gesandten ersucht, es ihnen möglich zu machen, ihre resp. Länder zu besuchen, um mit den politischen und religiösen Zuständen ihrer europäischen Glaubensgenossen sich bekannt zu machen. Eine siebenmalige Taufe in Rom. Bekanntlich muß in Rom alljährlich ein Jude getauft werden. Da nun aber unter den Sonnenstrahlen der Duldung, welche in neuerer Zeit auch Rom berührt, obgleich nicht durchglüht, eine gewaltsame Tauft nicht stattfinden kann, so wurde, nach der Krza'hlung des englischen Reisenden Whyte, der diesjährige Conversionsact an einem Individuum jüdischer Herkunft vorgenommen, welches schon siebenmal getauft war. Die Ceremonie wurde, Whyte zufolge, iy einer der prachtvollsten Kirchen der Weltstadt von einem Bischof vor einer großen Versammlung verrichtet, und nach Vollendung desselben bekam der Getaufte aus dem Budget des heiligen Vaters eine bedeutende Geldsumme eingehändigt. Verlag derU C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.