Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-04 · Heft 1 (4.1.1846) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 1 (4.1.1846)
Date
1846-01-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2567017-2567019--1781-2569592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

6 und er das Ganze für einen Streich anfehen müsse. Man belehrte ihn über den Autor und die Sache, worum es sich handelt, und gab ihm Schriften ähnlicher Natur zum Durchlefen, und im Falle, daß er sie für geeignet findet, zur Ueberweisung an seinen Monarchen. Dieses hat er auch gethan und ist jetzt selbst ein Zuhörer von Stern's Vorlesungen. Zustände in Baiern. (Aus Bayern im Dee.) — Der Wicderzusammentritt der Stände unseres Reichs erfüllt uns bayer'sche Israeliten mit neuen Hoffnungen, aber auch mit neuen Befiirchtungen. Mit Hoffnungen auf Abänderungen der beschränkenden Bestimmungen des Ediets vom 10. Zuni 1813 und mit Befürchtungen, weil Alles darauf hindeutet, wie wenig man von oben herab geneigt ist, unfern gerechten Klagen Abhülfe zu gewähren. Sehen wir doch, wie fast täglich die Erwerbsquellen dem Israeliten immer mehr verstopft, wie die zweifelhaften Gesetzesstellen im beschränkenden Sinn interpretirt, der studirten Zugend auch die gesetzlich zulässigen Branchen im öffentlichen Dienste z. B. die Advokatur rc. versperrt, und wie den Offizieren, jüdischer Confession beim Bürgermilitair das Borrücken zu höhern Chargen gewehrt wird u. dergl. F3as können wir uns da von'einer neuen Regelung unserer Verhältnisse versprechen? Wir könntei^vom Regen in die Traufe kommen?—> Wehe aber erst, wenn tzwmalen unsere kirchlichen und Schulverhältnisse geordnet würden. Da könnte es geschehen, daß wir einen Rabbiner Wechsler aus Schwabach oder einen dito Bamberger aus Würzburg zum Präsidenten eines Oberrabbinats bekämen, und dann Valet jedem Fortschritt auf diesem Gebiete! Ist doch bereits jetzt jeder Reform Thür und Thor verschlossen und unser Schulwesen dmch die häufig wiederkehrende Dispensation vom Besuche eines Seminars mit Rückgang bedroht. Allein Alles scheint anzudeuten, daß von Seiten der Staatsrcgierung ein Gesetzentwurf über untere Verhältnisse den Ständen nicht vorgelegt werden wird. Die vorlMende Thronrede schweigt darüber, bei dLr^K. Regierung von Mittelfrankeu^ welche gewiß zu gutachtlichen Berichten ausgefordert worden wäre, weiß man nichts davon, und die den Landgerichten abverlangten Berichte über unsere Rechtsverhältnisse scheinen von der Gesetzgebungs-Commission, welche zur Abfassung neuer Civllgesetzbücher eingesetzt ward und welche ihre Arbetten jpdj lange nicht beendet haben wird, gefordert worden zu sein. Äeßwegen erweisen sich aber die von Unterfranken ausgegangenen' Md überall in Stadt und Land ' freudig aufgegriffenen Anregungen.^«? Einreichung zahlreicher Petitionen bei den Ständen gar nicht als überflüssig. Man würde sonst unser Schweigen zu unserm noch größern Nachtheil deuten. Sonst giebt es wenig Interessantes aus unserm Bayerland zu berichten; denn daß das Ravöinat Wallhausen schon seit' einiger Zeit der Schauplatz schändlicher Wählumtriebe ist, daß die Reihe der Rabbinen nach altem Schnitt durch den Tod des Gunzenhauser um ein Glied gelichtet worden, und daß in das Nest Burgpreppach, welches der alte Adler verlassen, sich schon ein junger gesetzt hat, der auch nichts von dem majestätischen Flug, wohl aber desto mehr von der sonstigen Natur dieses Raubvogels an sich hat, sind Dinge, die wohl kaum ein allgemeines Interesse ansprechen können. Einiges Interesse, weil bezeichnend für die Richtung jener Partei, möchte noch allenfalls die Mittheilung haben, daß die Starrorthodoren in Fürth fortwährend bemüht sind, den ihnen gestatteten Gegen-Rabbiner aufzustellen, jedoch, da der Eifer dieser.Lenker nur bis an die Tasche geht, den Gehalt für einen solchen nicht aufzubringen vermögen. Sonst herrscht in unserm Synagogenleben Ruhe, die Ruhe des Grabes. — Emancipation in Würtomberg. 'Hs' (Stuttgart im Dec.) — Das Ministerium des Innern Hai durch Vermittelung der israel. Oberkirchenbehörde neuerdings den ifrael. Kirchenvorsteher-Aemtern aufgegcben, über die Berufsarten, welche die Juden des Königreichs gegenwärtig betreiben, oder denen sie noch nicht selbstständig sich gewidmet haben, statistische Uebersichtstabellen aufzunehmen und ungesäumt vorzulegen. Diese Maßregel trifft unsere humane Regierung deßhalb so unverzogen, weil sie in der nächsten Ständeversammlung den Entwurf eines vollständigen Emancipationsgesetzes.einzubringen entschlossen ist. Auch will sie zugleich die Resultate erfahren, welche aus dem die öffentlichen Verhältnisse der Juden betreffenden Gesetze vom 25. Dec. 1825 geflossen' sind, um eben hierdurch die Fähigkeit der diesseitigen Juden zur völligen Emaneipation vor aller Welt, zunächst aber ^Ständeversammlung darzuthun. Tod des Landrabbinen Hofmann. (Waldorf bei Meiningen im Nov.) — *) Die Gemeinden des Herzogthums Meiningen sind in tiefe Trauer versetzt, *) Durch Zufall verspätet. Die Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.