Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1846)
- Date
- 1846-01-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5 vorige Mal hatte untflw? glaube, daß dies nicht sowohl am Redner, als vielmehr am Publikum, und zwar aus bereits angegebenen Gründen, liegt. Es läßt sich sogar voraussetzen, daß die dieswinterlichen Vorlesungen um so viel besser sein werden, als im vorigen Jahr, da der Vorleser in dem Zwischenjahff das Judenthum hat durch Studien besser kennen lernen. Es mag auch sein, daß die etwas mehr theoretische Natur der diesmaligen Vorträge Manchen vom Besuche derselben abhalten mag. Kurz, sie werden diesmal nicht ein Ereigniß, sondern nicht viel mehr als eine Tagesbegebenheit bilden. — Der Inhalt der 8 Vorlesungen ist: „1) die Religion und das Religionsbedürfniß des Menschen; 2) die Religionen in ihrer geschichtlichen Entwicklung und die Offenbarung; 3) Standpunkt des Judenthums: die Gottesidee; 4) die Sittlichkeitsivee und das Sittengesetz; 5) die Mesfiaslehre und Unsterblichkeit; M das Ceremonialgesetz; 7) Gebet, und Cultus, Sabbath und' Festtage; 8) die Zukunft des Judenthums." Die erste Vorlesung ist bereits gehalten, und hat dem leider nur aus einer sehr ^geringen Anzahl bestehenden Publikum gefallen. Und was Wunders es hörte Ideen, von welchen ihnen bis jetzt noch nichts geträumt hat, und die Erfindung derselben lediglich dem Vortragenden zuschrieb. Der Redner nämlich, welcher die Gottes« ivee Nachweisen wollte, hat die bekannten Kant'schen Antinomieew; ergriffen und deren eine Seite populär entwickelt. Die Gebilden haben sich zwar bei der Rede gelangweilt, da sie eigentlich niMs Neues erfahren; allein das Verdienst des Hrn. vr. St. ist. Harum nichts desto weniger groß, indem er ein höheres Wissen in das große Publikum, für welches seine Vorlesungen bestimmt find, einführt. Vielleicht mag auch die geringe Theilnahme, die vr. Stern's zeitlichen Bemühungen leider diesmal gewidmet wird, den Vorlesungen zugeschrieben werden, welche vr. Michael Sachs, unser dritter Rabbinatsaffessor, dieser Tage eröffnet. Dieser zählt unter seinen vielen Widersachern im Verborgenen doch wohl noch manchen, welcher Hrn. S., als dem Mann von gutem Wissen und tiefer Anschauung, gerade auf dem Gebiete der Belehrung und Theorie vor Hrn. vr. M. den Vorzug geben mag, so sehr er auch auf dem Felde der Umsch^ffung des alten religiösen Bedürfnisses zuerst letzteren und dann ersteren anerkennen wird. — vr. S. will sich streng auf dem theoretischen Gebieke halten; er will über Literatur und Culturgeschichte der Juden lesen. Er hat zu diesem Behufe einen Prospectus austheilen lassen, an dem man fich bei seinen Vorträgen orientiren soll. Ich theile denselben Ihnen mit. Er lautet: „Einleitendes über die Bedeutung der jüdischen Literatur für das geistige und religiöse Leben der Juden. — Die Form, in welcher die jüdische Literatur vorliegt, di^nothwendigen Gesichtspunkte zu ihrer Würdigung. Hilfsmittel derselben, alte unv neue. — Die ältesten Denkmäler aus der Zeit nach dem Untergänge der jüdischen Selbstständigkeit. Talmud und Midrasch. Inhalt, Form, Sprache dieser Werke. — Die Schulen. Die Sitze der Gelehrsamkeit in Babylon. — Das Eindringen arabischer Bildungselemente. Süd-Italien. Spanien. Der Anbau der Wissenschaften. — Verfall der Culturstätten in Asien. Philosophie, Dichtkunst, Sprachwissenschaft, Bibel-Erklärung, und anderweitige wissenschaftliche Thätigkeit. Europa als Mittelpunkt jüdischer Wissenschaft. — Das geistige Leben der Juden in Deutschland, Frankreich, Italien, Provence. — Die sinkende Cultur in Spanien. Ihre Colonieen in Afrika. Vertreibung der Juden aus der pyrenäischen Halbinsel. Die Uebersievelung der Reste spanischer Cultur in andere Länder — Deutschland, Polen, der Orient, in den beiden nachfolgenden Jahrhunderten.- Das 18. Jahrhundert mit den Anfängen der Einbürgerung der Juden in deutsches Leben. — Die Gegenwart." Dies ist der Stoff — ein ungeheurer — den Herr S. in einem öffentlichen Local vor einem aus verschiedenen Confessio - wellen bestehenden Publikum behandeln will. Auch dies ist in Berlin kein Ereigniß und, bei den vielen Vorlesungen, die hier über fast alle Gebiete des Wissens öffentlich diesen Winter gehalten werden, kann es auch für nicht mehrmals eine Tagesbegebenheit angesehen werden. Nur wird es eine sein, von ver, /wete will, etwas lernen kann. So oft man an vr. Sachs denkt, kpird die Reflexion auch zugleich auf alle die geführt, welche der hiesigen Reform in den Weg treten. So muß ich Ihnen erzählen, daß der Schneider Zeller, welcher vor kurzem ein närrisches Pamphlet gegen die Reform als Druckfehler in die Welt geschickt hat, derselbeist, welcher durch sein fanatisches Losstürmen bei der Regierung, diese 1823 veranlaßt, .Ha fast gezwungen Hai, den Beer'fchen Tempel schließen zu lassen. ..Jetzt schickt er sein Druckzeug an jegliches Mitglied des Hofes, an den König, an alle Gesandten, kurz an die ganze diplomatische Welt. Wer eS von dieser liest, kann zwar der BerläunH^yg kein Gehör geben, muß aber einen schlechten Begriff.'bon 4>er. Logischen und sprachlichen Schreibekunst der Juden, bekomm^ Jehoch hat man dem schon bei mehreren Diplomaten vorgebeugt; bei einem geschah es zufällig. Es kam nämlich von kurzem der holländische Gesandte zu den niederländischen Hofbankiers, Gebrüder Arons, mit dem Zellerschen Pamphlet in der Hand, und beklagte sich darüber, daß er dem Wunsche des Verfassers, der es ihm mit der Bitte zugefchickt, dasselbe seinem Monarchen vorzulegen, nicht Nachkommen könne, indem es ganz unv gar ihm unverständlich geblieben.