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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-04 · Heft 1 (4.1.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 1 (4.1.1846)
Date
1846-01-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 schlimmer, zu feig, zu gefallsüchtig waren, dem der unerleuchteten Menge entgegenzutreten. Ihr macht, und nicht mit Unrecht, großes Aufhebens davon, daß ein königlich preußischer Polizeibeamter zwei von euch , entweder weil er sie nicht mochte, oder, was wahrscheinlicher, weil er meinte, sich dadurch in der Gunst seiner Oberen zu befestigen, ohne Umstände aus dem Lande geschafft, und vergeßt, daß ihr einer Anzahl Mitbürger selbst ihr Vaterland bestreitet, weil sie euch nicht zusagen, oder weil ihr meint, euch dadurch in der Gunst der Menge zu befestigen; bedenkt, zwei gegen Tausende eurer Mitbürger, Aufenthalts - Verweigerung im Königreiche Preußen und Vorenthalten des Vaterlandes! An euch, ihr Freisinnigen pur excelence, an euch war und ist es aber, Vorurtheile zu bekämpfen, nicht ihnen zu dienen oder nachzugeben; seht die Staatsmänner und öffentlichen Charaktere anderer Völker, seht, wann und wo sie ihre leitenden Grundsätze verläugnen; sie würden sich des nicht nur, wie der edle Antragsteller, schämen, sie würden eine solche Selbstverleugnung, (und sie wäre groß in - jenen Ländern, wo öffentliches Leben nicht erst noch in Treibhäusern gezogen wird,) niemalsüber sich gewinnen können. Allein nicht blos die zweite badische Kammer, das ganze deutsche Va- < terlaud kann an diesem Beispiele lernen, daß cs nicht gut gethan war, irgend einen Gewiffenszwang, gleichsam als Bodensatz früherer Zustände, fortbestehen zu lassen. Wie ganz anderswürde es um die Sache, welcher der Antrag zur Stütze und Aufhülfe gereichen soll, stehen, wenn der Art. 16 der deutschen BundeSr Acte das unbeschränkte kirchliche Associationsrccht für ganz Deutsch, land festgestellt hätte, das dun in einem einzelnen deutschen Landestheile erst erstrebt wird, was vielleicht in jener erregteren Zeit, hätte man nicht gedacht hinsichtlich der „Bekenner des jüdischen Glaubens" eine Einschränkung hinzufügen zu müssen, geschehen wäre; wie viel freier würden Hunderttausende unserer Landsleute, die sich der Bewegung in der katholischey^Kirche. angeschloffen, athmen; wie würde jeder nach Gefallen dem Lichte im Glauben auf feine Weife Freund seyn dürfen, denn alle streben wir nach diesem Lichte, nur dqß unsere blöden Augen es blos in einzelnen Strahlen gebrochen, daher ^chiMky gefärbt, aufzufassen vermögen; wie würden sich in den: seitdem verflossenen dreißig Jahren die Glaubensmernungen 'gegenMig ertragen gelernt haben. Wie viele von jenen Hunderttausenden haben wohl vor nochnicht langer Zeit mindestens mit Gleichg^gkeit auf die bürger-'-. liche Zurücksetzung ihrer jüdischen Landsleute des Glaubens wegen gesehen, haben vielleicht selbst dafür Beschönigungsgründe gesunden , oder vergleichen doch, (wie selbst der Antragsteller, um es mit einem Theile selbst.seiner fteifinnigen Collegen nicht zu verderben,) gellen lassen; sie werden nun zu einer andern und bessem Ueberzeugung gekommen sein. Mögen sie ihr treu bleiben unter allen Umständen, auch wann sie zur vollen Anerkennung gelangt sein werden; die Unfreiheit des Nachbars ist nicht Zeichen unsrer eigenen Freiheit, so wenig wir deshalb gesund, weil andre krank, darum glücklich, weil andre unglücklich, und dadurch zuftieden, daß ändere unzufrieden sind. Der Gewissenszwang ist ein Riß im Fundamente des Staatsgebäudes, der früher oder später, mehr oder minder nachtheilige Folgen äußern muß, oder er ist dem Schwamme zu vergleichen, der nicht schnell genug beseitigt werden kann, wenn er nicht im Gebäude unabsehbare Verwüstungen anrichten soll. Wir brauchen nicht zu sagen, daß unsere Sympathien für den Antrag find; in seiner Gesammtheit versteht sich dieses'von selbst. Allein wir wünschen ihm auch in seiner eventuellen Fassung den besten Erfolg, nicht weil wir der einen christkirchlichen Gemeinschaft mehr als der^andern zugethan sind, sondern derselbe Beweggrund, welcher uns in England seiner Zeit für die Emancipation der Katholiken sein-ließ, stimmt uns in Deutschland nun für die Neukatholiken; wir können den Gewissenszwang nicht gut heißen, von wem, gegen wen und aus welchen Gründen er ausgeübt werden will; immer wird dadurch dersittengesetzliche und naturrechtliche Zustand verletzt, und inuß es uns zA Freude gereichen, wenn auch vorerst nur theilweise, diesen wieW hergestellt, den von so vielen getheilten Wunsch des deutschchriDichen Sonurttisten *) in Erfüllung gehn zu sehen, ■ „Zm Vaterlande Freiheit der Gewissen!" Die Vorlesungen von Stern nnd Sachs; der Schneider Zeller. * Berlin im Dec.) — Ich erfülle mein Versprechen **), indem ich Ihyerz. heute einige weniger bedeutende Tageserscheinungen mittheile. Für eine solche halte ich den Umstand, daß vi-.Stexn vor ungefähr acht Tagen wieder jüdische Vorlesungen begonnen. Ich'will nicht damit gesagt haben, als halte ich nichts von Form und Inhalt der Stern'schen Vorträge. Hierüber läßt sich vorläufig noch nichts Bestimmtes sagen, da die Zeit der Welligen Vorlesungen erst begonnen; ich wollte vielmehr blos diosW^nit gesagt haben, daß ich ihnen diesmal nicht die Frequenz und di^toechhaltige Wirkung prognostiziren, deren sich die vorjährigen zu erfreuen hatten. In Berlin thut Alles der Reiz der Neuhsit, hat sich dieser verloren, so tritt im Publikum eine Abspannung ein. Und wirklich hat sich das in unserem Falle schon so herausgestellt. Stern hat'diesmal vorläufig noch nicht einmal den dritten Theil der Zuhörer, die er das *) Deutsch - christliche Sonnette von F. M. Hessemer. Frankfurt a. M. Literarische Anstalt (I. Rütten) 1845. **) S. den Artikel: Berlin, in der Nummer vom 28. Dee.

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