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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-04 · Heft 1 (4.1.1846) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 1 (4.1.1846)
Date
1846-01-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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s Brüten über dem-starren, unbeweglichen Gesetz und die gläubige Unterwerfung unter dasselbe und die Gleichförmigkeit der Ansichten, der schöpferischen Thätigkeit des Geistes, der Erneuerung unserer Lehre in Gesinnung und That und den Bestrebungen und Kämpfen um dieselbe gewichen ist, blieb es Vorbehalten, eine jüdisch-journalistische Presse zu schaffen, und ihr den Beruf zu übertragen, was das wieder gewonnene religiöse Selbstbewußtsein der Zeit schafft und schöpfet, aus der Urquelle unserer Lehre zu sammeln, zu prüfen, zu erörtern, zu entwickeln, und es durch ihr geflügeltes Wort nach allen Seiten hin zu tragen und zu verbreiten. Tiefen ihren heiligen Beruf wird die jüdische Presse am leichtesten und .liebsten gegen die erfüllen, welche die Unhalrbarkeit des Ueberkommenen und das Bedürfniß einer Erneuerung klar und in seinem ganzen Umfange empfinden; sie wird da nur zu Hülfe zu kommen haben durch klare Bezeichnung dessen, was das Unterscheidende und Wesentliche den specifischen Inhalt des Ju.denthums bildet und ihr dieses nicht schwer halten, wenn sie. dabei von dem Grundgedanken, von der ewigen und uverschütterlichen Basis desselben ausgeht, von seinem Glauben an einen geistigen und einigen Gott, der als solcher auch nicht um vielerlei todter^Zeremonien willen, oder seine Verehrung auf den sinnlichen Ausdruck einer bestimmten Zeit beschränken kanrks sondern durch das eine und höchste Gesetz seines Willens, das des Rechtes und de/Tugend, das Leben geeinigt und geheiligt, und diejenige Form seiner Verehrung als die ihm wohlgefällige betrachtet haben will, in welcher der ihm nachstrebende und stets fortschreitende Geist des Menschen sein innerstes Leben offenbart. — Schwerer wird schon der jüdischen Presse ihre Pflicht gegetz'die werden, die noch nicht zur Klarheit und. EntHjedenheit der Ueberzeugung gekommendie da zaudern und schwanken zwischen dem Alten und dem Nezren, zwischen dem was der Geist einer frübern Zeit gefücft^ntE^rvaS^ie Gegenwart verlangt, zwischen dem Zudefitih^m in seiner Idee, und zwischen dem Zudenthum in. Wer geschichtlicheu Gestaltung. Hier muß von Seiten der Presse mehr Ma- 5 rcrial berbeigeschafft, an vielen sprechmden Beispielen die mangelnde Begründung des Alten und das höhere Recht des Reuen nachgewiesen werden. Am schwierigsten wird aber der jüdischen Presse ihr Beruf da werden, wo sie sich in einen Kampfe mss denen einlassen muß, welche, die Vergangenheit überschätzend, dH Gegenwart nur eine geringe Abweichung von ihr, nur eisten sehr geschränkten Kreis für ihre Gestaltungen gestatten. Hier muß si dem Gegner auf allen seinen Windungen folgen, bis zu dem äußersten Punkt, von dem er ausgegangcn, dringen, um so das völlig Falsche seines Weges zu erkennen und in überzeugender Weise darzustellen. In allem Diesem ist die reine Idee des Judenthums das Leitende und Bestimmende für die Presse; von ihr gebt sie aus, mir ihr leuchtet sie voran, nach ihr entscheidet und richtet sie das, was in dem Gedankenreiche der Gegenwart vorgeht, mit der ganzen Schärfe der Idee, mit der ganzen Strenge der Wahrheit- Anders wäre es aber, milder^und liebevoller ürtheilt die Presse, wenn sie das Leben schildert, wenn sie über die Erscheinungen auf seinem GeW^ berichtet, da freut'sie sich wohl und berichtetes mit A^chgefühl, wenn, wie es bei den größeren R?formbewegüstgen. in Frankfurt a. M. der Fall war, die Erscheinichgen der Idee ziemlich nabe kommen, aber sie erkennt auch den Fortschritt liebevoll an und berichtet freudig über ibn, der ^nicht jene Höhe erlangt, aber im Verbältniß zu detz^Zagewesenen immer eine Weiterführung des jüdisches LebenS bildet,. eine Annäherung zn jener heiligen IM; ja durchdrungen von der großen Lehre der Ge- ^sHchte, daß derjenige Fortschritt, welcher wahrhaft in's Leben dringen will, auch im Leben, in dem Wirklichen und Bestehenden seinen Ausgang nehmen mußte, empfiehlt die Presse einen solchen, verabscheut sie jede Gewalt, jeden Zwang der Gewissen, und spricht nur da ihren gerechten Tadel aus, wo man die Wahrheit geflissentlich geringschätzt, verachtet, oder -aus schnödem Eigennutz ihr entsagt, wo Lauheit, Trägheit und Heuchelei ihre schmähliche Herrschaft üben. — Eines noch bleibt zu erörtern übrig:DlLie hat sich die jüdische Presse in Beziehung auf die äußere Stellung unserer Glaubensbrüder, auf ihre. Rechtsansprüche an den Staat und die bürgerliche Gesellschaft zu verhalten? — Gottlob! daß hier, unsere Antwort eine freudige sein kann, daß in dieser Beziehung der jüdischen Presse eine mühevolle Arbeit abgenommen, daß cs die deutsche Presse übernommen, für uns in die Schranken zu treten j -daß Männer des deutschen Volkes cs immer mehr als Sache der Ehre, als Forderung der Menschlichkeit, ja als den Ruhm ächter deutscher Ratio-

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