Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1845)
- Date
- 1845-12-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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43 3 Erbauung eines Tempels deßhalb für dieselbe von großer Bedeutung ist, weil sie hierdurch stillschweigend als moralische Person anerkannt wird, und bitte um die Erlaubniß, Ihnen mit meinem Nächsten einige weniger bedeutende aber darum doch der Veröffentlichung werthe Tageserscheinungen mittheilen zu dürfen. Literarisches. Vom Rhein, im Nov. — Meine Amtsbrüder, welche an der diesjährigen Rabbiner - Versammlung Theil nahmen, werden sich vielleicht noch eines kleinen Männleins mit großen psiffigen Augen und großem Barte erinnern, das manchmal, das heißt, wenn die Thüre offen stand, gespensterhaft in den Hechtiscken Saal guckte wo wir nach oft sauer gewordener Arbeit in fröhlicher Laune gemeinschaftlich das Mittagsmahl nahmen. Wer war dies Männlein? — Wichtigere Fragen waren damals an der Tagesordnung, die schnell diese Frage wegflutheten. wenn sie auch schon auf den, Lippen schwebte. Mir wollte es damals dünken , als sei das Männlein irgend ein ö’T'J, durch die thcosophischen Geheimnisse der 77 in das vielbewcgte Leben hineingeschleudert, ähnlich etwa dem Kalbe, welches bekanntlich zwei Rabbiner jeden Freitag zum Sabbathmahle sich schufen (vrgl. Sanhedrin 67 d). Freunde, denen ich diese Hypothese mittheilte, schien sie jedoch zu gewagt, und hielten sie dieses Männlein vielmehr ganz einfach für Fleisch von unserm Fleische und Bein von unserm Beine, Geist aber vom polnischen Geiste. Alle Geheimnisse werden offenbar, dieses Gchcimniß ist offenbar worden, es ist nämlich jetzt außer allem Zweifel, daß dies Männlein kein Anderer war. als Rabbi Abraham Prins, heiliger in der großen heiligen Gemeinde zu Amsterdam, der jetzt durch eine von ihm herausgegebene — ob auch von ihm verfaßte, ist noch nicht hinlänglich konstatirt — Brochüre in die Reihe der Schriftsteller eingetreten ist. Diese Brochüre, 12 Octav-Seiten stark, führt den Titel: „Herzliches Wort an seine israel. Brüder in allen Ländern von Abr. Prins" ist wörtlich ans dem Holländischen übersetzt, und verdient, da sie die Tbätigkeit des Autors in Frankfurt a. M. zur Zeit der stattgehabten Rabbincr-Bersammlung mittheilt, besprochen zu werden. Auf den ersten zwei Seiten spricht R. A. Prins natürlich von sich, um sich als den Mann zu legitimiren, der es wagen darf, ein herzliches Work an seine Glaubensbrüder aller Länder zu richten. „Schon seit vielen Zabren, spricht er in seiner Bescheidenheit, war sein einziges und höchstes Ziel gottesdienstliche Aufkärung (!) unter seine Glaubensgenossen zu verbreiten — jetzt wissen wir, woher die Aufklärung in der heiligen Gemeinde zu Amsterdam! — und ist ihm dieses, während der zwei und vierzig Zahre, die er der Pflanzstätte vorgesetzt war, wo sich die israel. Zugend zur höheren Theologie bildet, auch ziemlich gelungen." Die Rabbiner- Versammlung will dahin wirken, daß an einer deutschen Universität ein Lehrstuhl für die gewöhnliche jüdische Theologie gegründet werde, während in der heiligen Gemeinde zu Amsterdam schon seit zwei und vierzig Jahren die höhere Theologie gelehrt wird. Wer Kanzler dieser Fakultät der höheren Theologie zu Amsterdam ist? — kein anderer (S. 4), als Se. Hoheit, Rabbi Hirsch Lehren, Fürst des gelobten Landes p« Daß unter einem solchen Curatorium eine Facultät der höheren jüdischen Theologie gedeihen muß, wer wagt dies in Abrede zu stellen? Der Herr Professor der jüdischen Theologie zu Amsterdam, Rabbi Abraham Prins erwähnt dann der Rabbiner - Versammlung zu Braunschweig, aus deren Protocollcn erhellet: lS. 5) „daß nicht nur all ihre Thaten mit dem wahren Geiste der jüdischen Religion in Streit, sondern auch allem was religiöse Aufklärung befördern kann, gerade zuwider waren." Was that der Herr Professor, um diesem Unternehmen ein Ende zu machen? Er ließ (S. 6) unter Mitwirkung des Hrn. Kanzlers Lehren zwei Brochüren Torath Hakenaot veröffentlichen, „welche in der heiligen Sprache die gottseligen Warnungen von ein und vierzig edlen Oberrabbinen. welche von ihm hierzu anfgefordert wurden, enthalten. Als aber dennoch jene verruchten Rabbinen, die schon im verflossenen Zahre eine höllische Vereinigung zu Stande brachten, anmaßlich fortfuhren die frevelhafte Hand an das heilige Gebäude Mofis zu legen, um es ganz niederzureißen, als sie dennoch wirklich am 15. Zul zu Frankfurt a. M. eine zweite Versammlung belegten, was that da der Herr Professor? — da hielt er es (ibid.) „für seine Obliegenheit , zur Ehre Gottes und seiner heiligen Lehre, öffentlich zu protestiren." Wie ein Professor der höheren Theologie in der heiligen Gemeinde zu Amsterdam, wie ein R. A. Prins gegen eine Rabbiner-Versammlung protestirt, dürfte interessant sein zu vernehmen. Wir lassen ihn daher ganz selbst sprechen. „Was ich nun (S. 8) während meines Aufenthalts zu Frankfurt a. M. gethan, solches Nebel abzulenken, und welche Mittel ich dazu ergriffen. will ich Euch jetzt hier veröffentlichen; und ich hoffe, daß auch Zhr meinem Beispiele folgen, daß auch Zhr Euch kraftvoll bestreben werdet, den Beschlüssen dieser Versammlung mit unermüdeter Beharrlichkeit entgegen zu kommen (?) und daS Unkraut ausjäten, wo es schon zu wurzeln annng. Zch ließ nämlich ein Protest aufsetzen, durch mich und die vorzüglichsten und ältesten Vorsteher der altisraelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. untere zeichnen und notariell bekräftigen, um dasselbe vem großen Senat zu