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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-12-28 · Heft 52 (28.12.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 52 (28.12.1845)
Date
1845-12-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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4S4 Frankfurt a. M. zuzustellen." „In diesem Proteste wurde behaupt tet: 1) daß alle geschätzten Oberrabbiner Deutschlands hierin eins sind, daß die anmaßlichen Beschlüffe besagter Versammlung weder Kraft noch Werth für Israeliten haben, und 2) daß, wenn sie dennoch je eingeführt werden sollten, davon nur bürgerliche Unruhe im Allgemeinen und Zersplitterung und Zwietracht unter Israeliten insbesondere, die traurigen Folgen sein würden." Dieses kleine Männchen also mit den großen pfiffigen Augen und dem großen Barte, das so gespensterhaft zuweilen auf die beim Mittagsmahle versammelten Mitglieder der Rabbiner - Versammlung hinguckte, war R. Abr. Prins, Professor der höheren Theologie in der heiligen Gemeinde zu Amsterdam; geschickt vom Kanzler R. Hirsch Lehren, wie weiland Bileam vom Balak, dem Könige von Moab, der Rabbiner-Versammlung zu fluchen oder wenigstens ihr Werk zu vernichten. Und er hat gelöst seine hohe Aufgabe, er hat dem hohen Senate zu Frankfurt die Augen geöffnet, hat ihm gcoffcnbart, daß alle geschätzten — das heißt vom Herrn Professor und dem Kanzler geschätzten — Oberrabbiner Deutschlands gegen diese Versammlung protestiren und daß ferner, wenn ihre Beschlüsse je cingeführt werden sollten, eine Staatsumwälzung die unmittelbare Folge sein müßte. Es hat jedoch dieses Factum eine ernstere Seite, als man anfangs glauben möchte. Wie muß es leider noch mit einer Anzahl deutscher Rabbinen aussehen, wenn sie solchen Männern wie Prins und Lehren es überlassen, gegen eine geistige Bewegung aufzutreten, wenn sie überhaupt noch so wenig sittliches Gefühl haben, um nicht ein solches, obwohl dummes und lächerliches, doch immerhin delatorisches Verfahren zu verabscheuen. Wie gut war es andererseits, daß die Rabbiner-Versammlung bei ihren Verhandlungen der Oessentlichkeit den Vorzug gab und auf diese Weise allen Denunciaturen — gegen Dummheiten sind allerdings keine Maßregeln zu ergreifen — vorbeugte. Wir müssen jedoch noch den Schluß der herzlichen Worte an die Israeliten in allen Ländern bis zu Ende hören. „Meines Erachtens, sagt (S. 13) R. Abr. Prins, zu diesen Israeliten aller Länder, könnet Ihr viel, sehr viel thun. Sie sollen nämlich sich unter der Leitung ihrer Rabbinen zu Commissionen und einer Synode bilden und Proteste gegen die R.-V. an die Regierungen richten. Nur soll in diesen Protesten klar und deutlich dargethan und mit Sachkenntniß beleuchtet werden, wie sehr es den Fürsten selbst zur Sicherung der Ruhe in ihren Staaten und zur Ablenkung aller schädlichen Folgen für dieGesammtheit zu rathen sei, sich dem Bestreben dieser verruchten Versammlung, die nur durch Zwietracht und Erschütterung ihre geheimen Absichten zu erkriechen sucht, zu widerseßen, und nicht zu erlauben, daß sie je ihr schändliches Ziel erreiche." Wie schade, daß die Altisraeliten, wie sie der Herr Professor zu nennen beliebt, zu Frankfurt a. M. schon ihr Pulver verschossen, das heißt ihre Dankadresse nebst dem Pokale schon dem Hrn, Oberrabbiner Dr. Frankel abgeschickt haben. Hier wäre ein Mann, ein zwei und vierzigjähriger Professor der höheren Theologie nämlich zu Amsterdam, dem, wenn je einem, eine Dankadresse gebührt; der hat nicht die Flucht ergriffen, der steht seinen Mann, packt ihn an die Kehle und schneidet sie ihm unversehens ab, ist ein Mann der That, würdig seiner Richtung, die er vertritt, nur unwürdig nach den Begriffen seiner Gegner, unwürdig dem sittlichen Gefühle, das sich mit Abscheu abwendet! Literarische Anzeige. Für Orientalisten und Theologen. Im Verlage von F. E. C. L e u ck art in Breslau ist erschienen und durch jede Buchhandlung des In- und Auslandes zu beziehen: Lehr- und Lesebuch zur Sprache der M i f ch n «r h. Von »r, Abraham Geiger, Rabbiner zu Breslau. In 2 Abheilungen. Preis des Ganzen 1 Thlr. Der Ende vorigen Jahres erschienenen ersten Abtheilung — das Lehrbuch, welches sich einer überaus günstigen Aufnahme in der Gelehrtenwelt erfreut — ist soeben die zweite gefolgt, auch unier dem besonderen Titel: Lesestücke aus der Mischnah, mit Anmerkungen und einem Glossar versehen. X. und 136 S. Diese zweite Abtheilung eröffnet dem Uneingeweihten den Eintritt in dieses eigenthümliche Werk der altrabbinischen Literatur, wird aber auch dem bereits mit derselben Bekannten erst die wissenschaftliche Erfassung derselben, sowohl von sprachlicher, als von sachlicher Seite möglich machen, und dürfen wir es als ein Werk empfehlen, das in diesen Studien eine neue Epoche begründet. Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. Druck von Fried. Krähe in Offenbach.'

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