Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-12-28 · Heft 52 (28.12.1845) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 52 (28.12.1845)
Date
1845-12-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2566751-2566964-2567016--1763-2569573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

418 deln begann. Er gab in dem Heidelberger Journal und der Mannheimer Abendzeitung eine künstlich gedrechselte Erklärung ab, in welcher er sein abgegebenes Votum dahin zu deuteln und zu modeln suchte, daß er, ungeachtet seiner Unterschrift, dennoch dem Inhalte des Protestes der 77 nicht beigepflichtct habe, indem er nicht jedweder Reform, sondern nur der von der ersten Rabbinerversammlung vorgeschlagcncn, feind sei. Um dieser Erklärung Nachdruck zu geben und die Art von Reform, zu der Hr. F. den Rabbincn Berechtigung gibt, sogleich in's Werk zu setzen und dem Volke vorzuzeigen, vielleicht aber auch um nicht lange isolirt und verlassen zu stehen, nachdem er selbst dem Bunde der 77 sich entwunden, und die Partei des Fortschrittes ibm gekündigt batte, projektirte er bald eine badische Rabbiner-Versammlung zu Stande zu bringen, und erließ sofort Rundschreiben an alle Rabbinen unseres Landes, spater auch an Auswärtige, und lud dieselben, zur Besprechung und Berathung über zu erzielende zeitgemäße Reformen im Judenthum, nach Mannheim auf den 8. Mai ein. Obwohl nun alle mögliche Mittel aufgeboten wurden, die beabsichtigte Versammlung in Kredit zu bringen, vornehmlich die öffentlichen Organe dazu benützt wurden, um einerseits Mißtrauen gegen die nabe bevorstehende zweite R.-V. zu erregen, und anderseits die Erwartungen der Gemeinden und deren Vertrauen auf die badische R.-V. hinzulenken; so ließen sich die Verständigen dennoch nicht beirren, die Laien nahmen gar keine Notiz davon und die Mehrzahl der einer besonnenen Reform gewogenen Rabbinen lehnten die Einladung schon darum ab, weil sie von Hrn. Fürst ausgegangen war. So sagte der Klausrabbincr Wagner in seinem Antwortschreiben Hrn. F. geradezu, daß er die Einladung ablehnen müsse, einmal, weil er sich von einer Versammlung, die von Männern hervorgerufen worden, welche kurz vorher gegen jedwede Reform feierlich protestirt hatten, keine ersprießliche Resultate versprechen dürfe; sodann sei die Reform des Judentbums keine partikuläre, sondern eine allgemeine Angelegenheit, an der sich darum auch Alle, die den Beruf dazu haben, betheiligen sollten, und dazu biete die demnächst zu eröffnende zweite R.-V. in Frankfurt a. M. die beste Gelegenheit, eine Specialversammlung von badischen Rabbincn könnte wohl am Platze sein, aber erst dann, wenn die allgemeine geschloffen sei, wo es sich darum bandeln könne, inwiefern die dort gefaßten Beschlüsse, unter den gegebenen besonder» Verhältnissen, Anwendung finden können. Die streng orthodoren Rabbinen des Landes wollten aus dem einfachen Grunde keinen Autheil an der badischen R-V. haben, weil sie schlechterdings keinerlei Reform für zulässig hielten. Diesem Umstande allein, nicht aber den „Machinationen einiger Karlsruher," wie Hr. Rabbiner Schott im Octoberhefte der Frankel'schen Zeitschrift uns glauben machen will, ist es beizumessen, daß diese unter so vielen Wehen geborene R.-V. nur äußerst wenig Tbeilnahme von Seiten der badischen Rabbinen gefunden bat. Da wir doch einmal auf den erwähnten Bericht Schotts bingeführt worden, so können wir uns einige vorläufige Bemerkungen darüber nicht versagen, eine kritische Beurtheilung desselben auf nächstens uns vorbehaltend. Hr. Sch. berichtet, es seien Einige „ausgeblieben," der Wahrbeit näher wäre er gekommen, wenn er gesagt hätte: es seien Einige erschienen; denn von den 13 Bezirksrabbinern Badens waren, einschließlich des Kiesigen, nur sechs, also die kleinere Hälfte anwesend. Ueberhaupt scheint der Berichterstatter bemüht zu sein die qualitative Größe, welche Hrn. Epsteins Urtheil (s. nnren) der Versammlung abgesprochen hat, derselben durch die quantitative wieder ersetzen zu wollen. Sonst wüßten wir uns nicht zu erklären, warum Hr. Rabbiner Wiblcr ans Endingen unter die Zabl der Theilnebmer ausgenommen wird, da dieser Mann, auf seiner Durchreise nach dem Bade Ems, doch blos gelegentlich zweimal als Gast den Verhandlungen anwobnte. Fragen möchten wir noch, in welcher Eigenschaft Hr. Epstein Mitglied der badischen R.-V. gewesen ist, ob als Theologe, oder als Oberrath? Ersteres ist er doch im eigentlichen Sinne nicht, und als letzteren konnte er sich schon darum nicht gerireu, als diese Versammlung keinen offiziellen Charakter hatte. — Diesem Einwnrfe scheint der Berichterstatter dadurch begegnen zu wollen, daß er den» Hrn. E. eine Ausnahme von der Reget zugestehen zu müssen glaubt, da dieser „der gelehrte, der Stolz und die Zierde der Versammlung" gewesen sein soll. Mag sein! wir sind nicht gelehrt genug, um uns weder ein assemirendes, noch viel weniger ein dissentirendes Urtheil darüber anmaßen zu wollen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.