Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1845)
- Date
- 1845-12-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SIS doch sonst selbst bei dem geringfügigsten Familienfeste vom Gebete ausgeschlossen bleibt. — Tie bisher aufgeführten, wie noch viele andere erheblichen Punkte wurden in der obengedachten Versammlung zu Heidelberg zur Sprache gebracht und gaben die Motive ab, als einleitenden Schritt für eine Reform in Baden die erwähnte Petition um Anstellung eines geistlichen Mitgliedes bei Großh. O. R. vorzubereiten und der zu berufenden Generalversammlung vorzulegen. Nicht sobald waren jedoch die Einladungschreiben an die Synagogenräthe des Landes ausgesandt, als auch das verkappte Spiel fanatischer Rabbinen und weltlicher Zeloten begann, um durch acht jesuitische Mittel die bezweckte Versammlung zu Hintertreiben. Von einer Seite her wurde derselben in öffentlichen Blättern gefährliche, den Umsturz des Zudenthums bezweckende, Tendenzen untergeschoben und nebenbei nicht undeutlich zu verstehen gegeben, daß man ein Verbot der Regierung provociren wolle. Von einer andern Seite her verfolgte man einen offener«, wenn gleichwohl nicht viel ehrsamem Operationsplan. Ein zelotisches Decemvirat aus Karlsruhe streute nach allen Seiten hin gedruckte Briefe aus, in welchen alle Gläubigen Israels ernstlich gewarnt werde» vor der Theilnahme dieser Versammlung, da sie nur eine Nachahmung der Frankfurter Rabbinerversammlung jei, welche Letztere aber bekanntlich (?!) die Grundlagen unserer heiligen Religion untergraben und erschüttern möchte" u. s. w. Alle düse geheimen Umtriebe und offenen Machinationen scheiterten jedoch tbeils an dem gesunden Sinne des Volkes, theils auch dadurch, daß man ihnen kräftig zu begegnen wußte, indem man das ganze abscheuliche Lügengewebe an dem Lichte der Wahrheit verbrannte, die Urheber in ihrer erbärmlichen Gestalt blosstcllte und der öffentlichen Verachtung preisgab. ran -isni nsy isp o mp’ «Pi 121 Die mehr erwähnte Versammlung hatte am 20. v. M. im israel. Schullokale zu Bühl statt, und war, trotz mannichfacher Hindernisse, sehr zahlreich beschickt. Aus allen Theilcn des Landes und zwar aus jeder nicht ganz unbedeutenden Gemeinde fanden sich die angesehensten und gebüdetsten jüdischen Männer ein, während Andere ihre Theilnahme mittelst Adressen und Zuschriften zu erkennen gaben. Daß manche der Anwesenden nicht ganz frei von Argwohn oder Mißtrauen waren — semper aliquid haeret — kann nicht geleugnet werden, doch haben die einleitenden Worte des Präsidenten über den eigentlichen und wahren Zweck der Versammlung bald alle ängstlichen Gemüther beruhigt und das vollkommenste Vertrauen hergestellt. Als daher der Statuten- Entwurf für den zu gründenden Centralverein zur Berathung kam, wurde er fast unverändert von der ganzen Versammlung, in welcher die verschiedensten Religionsansichten vertreten waren, einstimmig angenommen. Desgleichen wurden die obenerwähnten beiden andern Vorlagen, welche zu länger» und interessantem Diskussionen Anlaß gaben, mit geringen und ganz unwesentlichen Modifikationen mit einer an Stimmeneinhelligkeit grenzenden Majorität angenommen und sofort unterschrieben. Die Sitzung hat ununterbrochen 61/2 Stunden gedauert und in jedem Betrachte stets ein würdevolles Ansehen behauptet, was um so anerkennenswerther erscheint, als die große Mehrzahl der Versammlung aus Landleuten bestand, die nicht nur ihre Empfänglichkeit sondern auch ihren warmen Eifer für die geistige und sittliche Erhebung Israels energisch und entschieden bekundeten; und namentlich ihr zuversichtliches Vertrauen gegen die 2. Rabbinerversammlung laut und freudig aussprachen. Nach uns zugekommenen Berichten haben sich bereits an verschiedenen Orten Lokal- und Bezirksvereine, ähnlich denen von Karlsruhe und Mannheim, gebildet, und stehen wiederum andere Gemeinden im Begriffe, solche in's Leben zu rufen. In Karlsruhe soll die reaktionnäre Partei ebenfalls damit umgeben einen Verein zu stiften, der als Gegensatz zu den bestehenden Vereinen für Verbcsserung jüdischer Zustände, keinen bezeichnendem Namen führen kann, als: Verein für die Verschlimmerung jüd. Zustände. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Gervmus über die Deutsch - Katholiken. (Frankfurt a. M. im Decembr.) Wir waren immer und sind noch der Meinung, daß unsere Glaubensgenossen sich in die Streitigkeiten der christlichen Kirche nicht mischen, sich selbst jeder öffentlichen Aeußerung darüber enthalten sollen. Wir hatten an der mit Geist, Sachkenntniß und Gesinnung geschriebenen Bro« chüre: „Eine deutsch-jüdische Kirche" ausgesetzt, daß sie an die