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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-12-14 · Heft 50 (14.12.1845) · page 13

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 50 (14.12.1845)
Date
1845-12-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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dahin gedrängt wurden, sich eine Abweichung von der Gemara zu erlauben; betreten wir daher getrost und redlich den Pfad der Wissenschaft, diese Verschiedenheit zwischen diesen zwei auscinanderliegcndcn Theilcn des Talmuds zu ermitteln und festzustellcn. Diesen Weg habe ich in meinen „Lesestücken", soweit die dort mitgetheiltcn Stellen dazu Veranlassung geben, zu ebnen versucht, und sehe ich getrost dem Urtheile von Männern entgegen, welche urtheilsfähig und unbefangen sind. Daß der Ree. im Orient zu denselben nicht gehört, bedarf keines Nachweises; in dem anmaßenden Urtheile, das er bis jetzt über die zehn ersten Stellen abgegeben, ignorirt er alle Untersuchungen, die in Len Anmerkungen fast zu einer jeden dieser Stellen niedergelcgt sind, sei es zur Aufhellung des wahren Sinnes der Mischnah, gegenüber späteren Trübungen, sei es zur geschichtlichen Entstehung der in der M. ausgesprochenen Ansichten. Zwei Bemerkungen jedoch greift er heraus, üm sie so lange zu zerren, bis er seinen Geifer über sie ausschütten kann; wir werden diese daher noch etwas genauer betrachten. Ueber Nr. 4 sagt der Rec. (a. a. O. S. 660): „Nr. 4 werden die Gemara's wieder compromittirt, daß sie angeben, Esra habe den Leviten den Zehnten entzogen und ihn den Priestern zugewendet." Vergleichen wir die Stelle in meiner Anm., worauf sich der Rec. bezieht, so lesen wir (S. 10 u. 11.): „Von einer solchen Veränderung in der. Bestimmung des ersten Zehnten (nämlich daß er nicht den Leviten, sondern den Priestern gegeben worden) spricht auch die B. G. (vrgl. Jebamoth 86 b und Khethuboth 26 a); aber nach dieser Relation soll diese Umänderung ausdrücklich angeordnet worden sein. Weil die Leviten nicht alsbald mit Esra' nach Jerusalem gezogen (Esra 8, 15), soll dieser sie bestraft haben, indem er ihnen den Zehnten entzogen und den Priestern zuertheilt habe.... Das Ganze klingt, wie rabb. Erklärer bereits bemerken, seltsam; von dieser vorgeblichen Bestrafung ist im Buche Esra nirgends die Rede, vielmehr heißt es Reh. 10, 38 ff. ausdrücklich , daß die Leviten den Zehnten und die Priester wieder von diesen die Hebe erhalten sollen, und das. 13, 10 wird nochmals ein Tadel darüber ausgesprochen, daß die Leviten ihre Gaben nicht erhielten, und die M. weiß von einer solchen Aenderung gar Nichts." Zuerst bemerkt man nun hier, daß meine Ausstellung hier blos gegen die bab. G., nicht aber gegen die „Gemara's" gerichtet ist. Dann scheint der Rec. mit einem Male mit den „kritischen Thoßafothschulen" gebrochen zu haben; denn diese find eben die rabb. Erklärer, welche diese Angabe, Esra habe diese Aenderung getroffen, seltsam finden, also nach des Rec. Ausdruck „die Gemara's compromittiren"! Dieses aber lediglich, nämlich, daß Esra die Einrichtung getroffen habe, finde ich mit den rabb. Erklärern seltsam und, wie der Rec. will, auch unhistorisch, wie die Stellen aus Reh. beweisen — obgleich ich mich dieses Ausdruckes nicht bedient habe —, nicht aber, daß diese Aenderung gegen das Gesetz und trotz dem Tadel Esra's und der Gcsetzlehrer vor sich gegangen. Der Rec. aber verdreht wieder (S. 661) meine Worte und sagt, ich finde das Factum, daß die Priester den Zehnten an sich gerissen, „seltsam und unhistorisch" und will diese mir untergeschobene Meinung mit einer Stelle des Josephus widerlegen, die, genau genommen, nicht einmal Dies beweißt, da Zos. unter dekatos im Allgemeinen Prieftergaben verstanden haben kann. Aber gerade um zu erklären, wie trotz dem Widerspruche der Gesetzkehrer die Vernachlässigung der Levitengaben einreißen konnte, während die Priestergaben blieben und hie und da sogar mit den Lcvitengaben noch bereichert wurden, fahre ich a. a. O. fort: „Dennoch schienen allerdings mit der Zeit die Leviten allen Antheil am Tempeldienste aufgegeben und überhaupt mit dem Volke sich ganz vermischt zu haben, während die Priester durch ihnen auferlegte besondere Ritual- und andere Vorschriften immer einen Charakter der Heiligkeit beibehalten haben." Daß hier die Rede davon ist, daß allmälig diese Entfernung der Leviten Statt gefunden habe, daß namentlich die, welche nicht in Jerusalem lebten, ihrer Abstammung kaum mehr eingedenk blieben, während die Priester, auch wenn sie nicht im Tempel fungirten, durch besondere ihnen auferlegte Vorschriften immer ausgezeichnet blieben und daher vom Volke beachtet wurden, das ignorirt der Rec. und beweist mit großer Renommisterei, was nicht bewiesen zu werden braucht, daß zu gewissen Functionen im Tempel Leviten verlangt wurden und auch solche immer vorhanden waren; mein Ausdruck: „die Leviten" ist blos zu mildern in „der größte Tbeil der Leviten", was sich für einen einfichtsvotten Leser von selbst versteht, und für hämische schreibe ich nicht. Nr. 5 und 6 übergeht Nee., „weil auch der Berf. Nichts darüber zu bemerken halle" (S. 662), d. h. weil der Rec. über die Zusammenstellung der widersprechenden Sagen von dem Verbergen der heiligen Lade und Anderes in Nr. 6 Nichts zu sagen weiß; zu Nr. 7 „faßt er wieder Posto" und macht er sich wieder zum Ritter der Gemara. Es handelt sich hier um die Erklärung der Stelle Joma 1, 5; nachdem in früheren Mrschnahs nämlich die Rede davon gewesen, wie der Hohepriester für den Dienst, welchen er am Bersöhnungstage zu verrichten hatte, eine Woche lang vorbereitet und cingeübt wurde, wird nun fortgefahren, womit er am Abende vom 9. Thischre zum 10. selbst beschäftigt worden, und es heißt dort: „Die Alten des Beth-Din (die ihn bis dahin umgeben hatten) übergaben ihn nun den Alten der Priesterschaft, sie brachten ihn nach der Zelle der Familie Abtinas und beschworen ihn und entfernten sich und gingen weg ncr::) nnd sie sprachen zu ihm: mein Herr HP., wir sind Abgesandte des Beth-Din. und Du bist unser und des Beth-Din Abgesandter Qn n’3 rr^i u’mtr nnxi i’i rra ’mt'tp un) wir beschwören Dich bei dem, der seinen Namen wohnen läßt in diesem Hause, daß Du nichts von Allem, was wir Dir gesagt ha. ben, änderst, nun entfernt er sich weinend, und auch sie entfernen sich weinend." Der Rec. schreibt diese M. im Originale ab, ist aber merkwürdiger Weise so karg, die hier von mir rm Originale mitgetheiltcn, in der Uebersetzung hervorgehobenen Stellen auszulaffen. Wir werden bald sehen, daß nicht Liebe zur Kürze. sondern Verschweigung und Verdrehung hier wieder zu Grunde liegt. Zn meiner Erklärung dieser Stelle bemerke ich unter Anderem (S. 14) Folgendes, was auch der Rec., wiedrum mit Ausnahme der hervorgehobenen Zeilen, abschreibt: aJPBUN rv>2 war eine Fa-

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