Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1845)
- Date
- 1845-12-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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407 nützlichen Gewerben. Es ist zwar zu bedauern, daß viele junge Leute auswandern und dem Vaterlande ihre Kräfte entziehen; allein auch daran haben nur vie beschränkenden Gesetze des Lanves Schuld, welche die Niederlassung ungemein erschweren. Mt hoff, nungsvoller Zuverficht sehen die Israeliten daher der im nächsten Monate stattfipdenden Ständeversammlung entgegen, und werden es nicht unterlassen, durch zahlreiche Petitionen um ihre vorenthaltene Menschen- und Unterthanenrechte wiederholt zu bitten. Von Männern wie v. Closen, Scheuing, Schwindel, Willich und viAen der neugewählten Mitglieder, die fich schon in der Stande- Versammlung von 1831 so schön in dieser Beziehung aussprachen, läßt fich nur das Beste erwarten." Lultus- Reform in Luxemburg. Luxemburg. —Am verflossenen Neujahr- und Versöhnungsfest ward bei uns der Gottesdienst auf das herrlichste, ganz auf neue Weise, mit Weglassung sehr vieler Piutim, verrichtet, wobei sowohl Hr. vr. Hirsch, als auch der sehr tüchtige Lehrer und Vorbeter Oberndorf und der sehr thätige und aufgeklärte Gemeinde- Vorstand alles aufgeboten. — Es hat fich hierauf ein Verein gebildet, zur Verherrlichung des Gottesdienstes und zur baldigen Anschaffung einer Orgel. Natürlich schreiet und tobet hierüber die unwissende Plebs, und häufet Berläumdungen gegen den vr. Hirsch. — Ausnahme eines Rabbiners in Meiftnheim. Meisen heim. (Hessen-Homburg). Hier ist der durch seine kleinere und größere Geschichte bekannte Flehinger (bisher Religionslehrer in Darmstadt) vor einiger Zeit, durch die Regierung zum Rabbiner angestellt worden, und giebt die Negierung auch zu dessen Gehalt eine nicht unbedeutende Beisteuer so wie dieselbe auch den Rabbiner als Staatsbeamten anerkennt. Man kann fich um so mehr hiermit freuen, als Herr Flehinger entschieden dem Fortschritt huldigt, weshalb derselbe auch früher von dem Darmstädter Auerbach aufs Schändlichste verfolgt ward. Dabei befitzt Herr Flehinger gründliche und gediegene wissenschaftliche talmudische Kenntnisse, und gehört auch seinem Charakter nach zu den ehrlichsten und auftichtigsten Rabbinen unserer Zeit. Möge er nur in seinen Gemeinden die Anerkennung und das Zutrauen finden, die ihm so vollkommen gebühren. — Gallische Zustände. (Aus Galizien imNov.)— Das frische, warme, rege, in den deutsch-jüdischen Gemeinden pulfirende Leben, entgegengehalten der schlappen, alpdrückenven, Saft und Kraft verzehrenden Lethargie in den unsrigen, welch' ein betrübender Contrast! Dort ein allseitig schaffendes, gottbegeistertes Streben, die Höhe der Zeit in fittlicher wie wissenschaftlicher Beziehung zu erklimmen, und hier ein heilloses Bersenktsein in verkümmernden Mißbräuchen, ein krankhaftes Anklammern an den überkommenen Schlendrian, und, was noch trauriger, es ist sobald kein günstiger Umschwung abzusehen. Dieser anomale Zustand läßt fich daraus erklären, daß die Rabbiner, denen — mag auch unter uns kein Unterschied zwischen Laien und Geistlichen statt finden — ein großer Einfluß auf die Gestaltung ihrer Gemeinden zu jeder Zeit nicht abzusprechen sein dürste, hier zu Lande größtentheils auf der niedrigsten Stufe der Civilisation stehen, und während die deutschen Rabbiner mit Feuereifer für eine zeitgemäße Reform in die Schranken treten, unsere Religion von allen im Laufe der Zeit fich anklebenden Schlacken zu reinigen, und die Unebenheiten zwischen Lehren und Leben thunlichst gleich zu machen beflissen find, stöhnen die unsrigen einem schmählichen dolce far niente, und glauben ihren Obliegenheiten genügend nachzukommen, wenn fie zweimal im Zähre eine aus vielen unverdaulichen Ingredienzien zusammengebraute Derascha in einem finnlosen Kauderwelsch abdarschnen, und läßt je einer fich hören, so ist's blos um den fich etwa regenden Geist der Zeit zu beschwören. Eine eben uns zngekommcne Nachricht aus Brody liefert einen neuen bestätigenden Beweis für das Obgesagte. Der dortige Spnagogenvorstand ersuchte den von der Paduancr Rabbinerschule heimgekehrten jungen Rabbiner vr. Ehrenreich, am Neujahrstage zu predigen, welchem Ersuchen derselbe auch zur Bestiedigung und Erbauung aller Zuhörer nachgekommen sein soll, so, daß der Vorstand fich veranlaßt fand, an denselben eine abermalige Aufforderung zur Predigt am Versöhnungstage ergehen zu lassen. Da erhob fich der dafige Rabbiner, aus leicht zu errathenven Gründen, und wußte leider nur zu gut den strengorthodoren Theil des Gemeindevorstandes, die Herren M. Kallir und L. Landau dahin zu vermögen, daß fie ihr Veto dagegen einlegten, und so ist die Predigt zum Bedauern aller Bessergefinnten unterblieben. — Zwar sollen in Folge des bekannten kaiscrl. Decrets mit dem künftigen Zähre die hierländischen Rabbiner gehalten sein, fich über philosophische und pädagogische Studien auszuweisen; allein die jetzigen Rabbiner werden wohl schwerlich fich vorbereitet haben, wenigstens verlautet dieß blos von einem Einzigen, und ist auch für Her-