Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-12-14 · Heft 50 (14.12.1845) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 50 (14.12.1845)
Date
1845-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2566964-2567014--1738-2569546
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

403 Das ist der positiv historische Standpunkt der zweiten Rabbiner-Versammlung, wie sie ihn durch ihre gefaßten Beschlüsse hinsichtlich der politisch-nationalen Messiasvorstellungen und der Wiederherstellung des Opferritus factisch vor den Augen derWelt selbst bezeugt hat, aber freilich nicht, wie einige Mitglieder derselben und namentlich der Präsident an der Spitze sich ihn gedacht und vielleicht noch denken mögen. Und wegen dieser blos formellen und äußerlichen Analogie und purer Namensähnlichkeit, die unser Princip des positivhistorischen Zudenthums bei völlig verschiedenemJnhalte mit dem des talmudischen Judenthums hat, dürften wir behaupten, daß wir mit dem Talmud auf gemeinsamem Boden stehen, mit dem talmudischen Judenthum freundlich Hand in Hand gehen? Worauf beruht denn unsere Verwandtschaft bei so völlig verschiedenen Ausgangspunkten, verschiedenen Wegen und verschiedenem Ziele? Der Talmud hat gerade die vergängliche Seite des Judenthums — das theokratisch-nationale Gesetz — als dessen specifisch eigenthümliches Grundwesen gefaßt, diese im Laufe der Zeiten fortgebildet und für diese ewige Geltung in Anspruch genommen. Wir thun von alle dem das gerade Gegentheil. Wir fassen den universalen Monotheismus mit dem heiligen Sittengesetz als den ewigen Gr und kern des Judentbums und lassen das partikulariftische, politisch-nationale Gesetz als dessen äußere Schale, als dessen längst antiquirte Form gänzlich fallen; jenen übergeben wir der Geschichte, daß sie für seine Fortbildung und Ausbreitung sorge, diese geben wir der Vergangenheit Preis. Und wegen dieses leeren Namenklanges, den unser Princip positivhistorischer Fortbildung mit dem talmudischen gemeinsam hat, sollen wir über die weite und große Kluft, die den Inhalt beider auseinander treibt, die Augen zudrücken und, uns selbst täuschend, beide mit einander identificiren und denjenigen unter uns, die vom Taluniverselle historische Thätigkeit zu entwickeln, welche die der Gegenwart ist. Deßhalb behauptete ich in meinem Aufsatze: unsre Gegenwart, in der Freurrdschen Monatfchrift (welcher Hrn. vr. Herzfeld, da er ihn gar nicht berührt, unbekannt zu sein scheint), daß der Talmud kein Princip des wahren und eigentlichen Fortschrittes, wie es die Gegenwart nach dem ihm aufgegangenen religiösen Bewußtsein unbedingt fordert, in sich trage und daher für die gründliche Reform des Judenthums nicht zu gebrauchen sei. mud nicht lassen können, zurufen: Ihr braucht Huch von uns nicht zu trennen, wir stehen mit dem Talmud auf dem gemeinsamen Standpunkt des positiv-historischen Judenthums? Ich zweifele nicht, daß die Rabbiner-Versammlung endlich zur Klarheit mit sich selbst kommen, die Sachen bei ihrem rechten Namen nennen, und da sie mit dem Talmud facti sch gebrochen hat, den Bruch nicht langer verläugnen und das ehrende Geständniß, daß sie Kraft in sich füble dem Talmud gegenüber auf selbstständigem Boden des eigenen religiösen Bewußtseins im Judenthum zu stehen, der Welt nicht länger vorenthalten werde. Ich will, da meine Antwort so sehr an Umfang gewonnen, die Beweisstellen, die nach Ihnen für das reformatorische Bestreben des Talmuds Zeugniß geben sollen, in der Kürze beleuchten. Sie beginnen: „Nach 4. B. Mos. 18, 21 wüten die Leviten den Zehnten erbalten, Esra spricht ihn den Priestern zu (vrgl. Chullin 131, d). Aber warum, aus welchem Grunde? S. Jebamoth 86, d, daß entweder die Priester an 24 Stellen der Schrift Leviten genannt werden — mithin nur in Uebereinstimmung der Schrift gehandelt werde — oder, was wahrscheinlicher ist, es aus Strafe für die Leviten geschehen sei, die aus dem Gril nicht mit in das heilige Land zurückkehrten: "iitfynn iojp no »jso ’D’2 )by vbv ot. Selbst nach dem das. widerlegrm Grunde '12 iddd»» *-d. ist es immer im Interesse der rechten Gesetzeserfüüung geschehen, was mehr für meine Ansicht als für die Ihrige Zeugniß giebt. Wenn man nach dem Eril, wo es an Leviten gänzlich fehlte, den Zehnten nickt aufhob, sondern denselben den Priestern , denen er nach dem Gesetz nicht gebührte, zuwies, so ist dieß ein Beweis, wie sehr es dieser Zeit um die Erhaltung der mosaischen Institutionen ernstlich zu thun war und daß man nur im Drange der Umstande zu einer Modifikation sich verstand, die das ursprüngliche Gesetz so lange erhalten soll, bis seine buchstäbliche Erfüllung einst wieder möglich sein wird. — Hiermit hangt auch die zweite Beweisstelle zusammen: „5. M. 26, 13 ist ein Dankgeber vorgeschrieben, der Hohepriester Jochanan schaffte es ab (Maßer scheni 5, 15)." Allein Tr. Sota 47, d giebt die Gemara selbst den Grund dafür an: wi -hsm K»rm uipra im« p:nu prw 'Sb dot1? prarv «p pxi D"Hv, „weil das Gesetz nicht vorschriftsmäßig ausgeübt wird; die Schrift sagt nämlich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.