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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-12-07 · Heft 49 (7.12.1845) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 49 (7.12.1845)
Date
1845-12-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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$04 sequenzen aus tm jühischen Leben HeschwWden sein ward, der Fortbildung des reinen Zudenthums förderlich sein kann (S. auch das Ceremonialgefttz im Messiasrcich S. 88) *). Wo habe ich je in Abrede genommen, daß im rabbinischen Zudenthum viele Elemente zu finden seien, die noch religiöse Lebensfähigkeit besitzen und die im Interesse der Fortbildung des reinen Zudenthums rms nicht verloren gehen dürfen? Aber das behaupte ich, daß wir wegen dieser einzelnen Elemente, deren Werth und Fortbildungssähigkeit eben darauf beruhet — und die wir deßhalb nicht aufgeben — daß sie nicht Consequenzen des wegen seines organischen Todes von uns verlgsseuen und aufgegebenen Grundprincips sei, nicht zu dem auf Selbsträuschung beruhenden Ausspruch berechtigt sind, daß wir dadurch mit dem Talmud nicht brechen. Die Lebens- und Fortbildungsfähigkeit dessen, was die Geschichte aus dem Entwicklungsgänge des rabbinischen Zudenthums uns bleibend gewonnen, beruhet eben darauf, daß es entweder mit dem beschrankten und exclusiven Princip nie im Zusammenhänge gewesen und sonach aus ihm nicht entsprossen ist, oder wenn dieses je der Fall gewesen, daß die Geschichte es von ibm ablöst und ein selbstständiges organisches Leben in ihm ausgebildet hat; in keinem der beiden Voraussetzungen kann es, wenn wir es für die Fortbildung des reinen Zudenthums verwenden, einen Zusammenhang in uns mit dem Talmud unterhalten. Wenn erst die Geschichte der Gegenwart die gründliche Reform des Zudenthums vollbracht und wie die talmudische Anschauung aus der jüdischen Denk- und Gefühlsweise auch ihre Consequenzen aus dem jüdischen Leben gänzlich beseitigt haben wird, dann wird sie das Geschäft der Fortbildung übernehmen und in der weite« unermeßlichen Sphäre des reinen Zudenthums eine weit größere Lebenskräftigkeit entwickeln als ihr in dem engen Kreise des talmudischen Partikularismus je möglich gewesen. Und meinen Sie denn, die Geschichte, indem sie die höhere Anschauung der Propheten bei uns zum Durchbruche komme» ließ, stehe ganz still und sehe müssig und gleichgültig de« ernsten Kampfe zu, den die höhere An-! schauuug mit der Zähigkeit der talmudischen Orthodoxie *) „Es iß viel Schätzbares" — sagte ich dal. „im Talmud vorhanden, daß die Benutzung desselben för's religiöse Leben des IudenthumS niemals — auch im Mesfiasreich nicht — entbehrlich sein wird." zu bestehen hat, und habe nichts für ihre Erstarkung und Objektivirung gethan, keine Institution geschaffen, mittelst deren sie vollkräftig ins Leben greife und darin sich Geltung und Anerkennung erringe? Wie eine zärtliche Mutter sorgt die Geschichte für ihren Pflegling und versteht es, mit liebender Fürsorge ihm aus allen Elementen des Lebens Kraft und Nahrung zuzuführen, damit er wachse und gedeihe und lebenskräftig sich entfalte. Man muß die orthodox sich gebärdende Bornirthest per sentimentalen Reformer herzlich bedauern, wenn sie in der gründlichen eines lebendigen, durchgreifenden Princips sich bewußten Reformbestrebung nichts als den Geist der Verneinung erblicken und bis zumUeberdruß über Negationen jammern. Sie haben weder Sinn noch Gefühl, das Bestreben der höher« Anschauung nach einer ihr zusagenden positiven Umhüllung, nach einer ihr innerstes Wesen abspiegelnden und sie zur lebendigen Wirksamkeit erhebenden positiven Form, nach seinem Werth zu schätzen, und sehen darin nichts als was die höhere Anschauung in dem Ceremonienwerk der Orthodoxie erblickt, leere, geist- und leblose Form. Sehen Sie, mein Herr College! Nach dem talmudischorthodoren Princip ist die leibliche Abstammung aus dem geheiligten Volke, die an sie sich knüpfende Verheißung, die auf ihr beruhende Auserwäbltbeit, die aus ihr folgende höhere Verpflichtung, der mit ihr zusammenhängende Starnmesunterschied rc. G r u n d w e se n des Zudeuthnms. Wir haben auf diesem Standpunkt eine wahrhaft incarnirte Religion des Leibes. Für diese leibliche Religion ist das Bund eszeichen am Fleische der angemessenste Ausdruck, die adäquateste Form. Der durch seinen Leib, durch sein Fleisch und Blut sich von jedem andern Menschen unterscheidende Zude muß das Unterscheidungszeichen an seinem Fleische tragen. — Zn der höhern reinern Anschauung ist alles anders geworden. Nicht der Leib, nicht das Fleisch und Blut, sondern das geistige Bekennt«iß der Wahrheiten des Zudenthums, die Aneignung derselben durch die sittlich freie Ueberzeugung macht den Zuden zum Juden. Wir sind hier also auf dem Gebiete einer Religion des Geistes. Auch diese verlangt ihren Ausdruck, ihr Bckenntniß, ihre Aeußernng, ihr Sichtbarwerden im Leben, aber nicht nur in dem einen männlichen, sondern auch weiblichen Theile der Zudcnheit. Um die geborenen Geschlechter dem Zützen-

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