Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1845)
- Date
- 1845-12-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Cine Wochenschrift für die Kenntnis und Reform des israelitischen Lebens. Redigirt und herausgegeben Dr, M Heß, Großherzogl. Weimar'schem Land-Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzenIahrgangs/ l5#tober3^. Anzeigen für die gespaltene Zeile o MV Rr. 40. Sonntag den V. Deeember 1§45. VI. Jahrgang Ueberblick. Haupt - Artikel: Antwort auf das Sendschreiben des Herrn vr. Herzfeld von vr. Holdheim.— Geschichte des Tages: Berlin: Beschlüsse der Reformgeaossenfchaft. — Oberfchlefien: Die Käbbiaate. — Anzeige. Antwort auf das offene Sendschreiben des Hrn. »r. Herzfeld. (Fortsetzung.) Ist es nicht viel redlicher und ehrlicher, mit der Sprache und der Wahrheit offen hervorzutreten: wir brechen wohl und mit vollem Bewußtsein mit dem Talmud und dem talmudischen Zeitalter; unserem in der Gegenwart erstarkten und erkräftigten Bewußtsein ist ein Lebensprincip aufgegangen, welches mit dem talmudischen in den feindseligsten nie wieder auszugleichenden Gegensatz und Kampf gerathen ist, und daher mit ihm brechen oder sich selbst aufgeben muß! Was mich betrifft, werde ich nie in jenen süßlichen Ton der Bitte, so populär er auch nach vielen Seiten hin und namentlich um die Schwachen und Mattherzigen nicht durch ein kräftiges Kriegswort zu verscheuchen, auch politisch sein mag, dem Talmud gegenüber einftimmen. Ich fühle in mir Kraft genug, dem Talmud im offenen Felde zu begegnen und mit den Waffen in der Hand für den Fortschritt zu kämpfen, aber es erstirbt mir das Wort im Munde, wenn ich ihn vom Talmud erbetteln soll. Auch bin ich mir bewußt indem ich mit dem Talmud breche, oder eigentlich den geschehenen Bruch aufdecke und ausspreche, nicht mit dem Leben sondern mit dem Tode, nicht mit der Geschichte, sondern mit deren Todfeinde, der ungeschichtlichen Stagnation, zu brechen. Ich habe es an verschiedenen Orten (S. die Borträge über die mos. Religion Vorr. VHI. und S. 66 —69) wiederholt erklärt, daß ich, indem ich dem Talmud den Krieg erkläre, nur gegen sein faules antiquirtes Princip und alle organffchen Auswüchse desselben ankämpfe, nicht aber gegen alles das, was der Talmud trotz seinem Principe Wahres und Gediegenes im Gebiete des religiösen Lebens zu Tag gefördert hat, vielmehr bettachte ich letzteres als ein Gut, welches die Geschichte dem Judenthum gewonnen und einverleibt hat und dessen Erhaltung noch ferner, nachdem das talmudische Princip mit seinen Con-