Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1845)
- Date
- 1845-11-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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:*?5 Geschichte des Tages. Die Rabbiner » Versammlung. (Ans dem Großherzogthum Hessen.) Je suis uu homme .et pas un Jupiter. So habe ich hundertmal ausgerufen, ^ährend die Rabbiner in Frankfurt a. M. versammelt waren. Ich hatte nämlich ungemein viel Rede und Antwort zu geben über die dort gefaßten Beschlüsse. Dabei habe ich wahrgenommen, welche Stimmung das Volk für die Rabbiner - Versammlung hegt, und ich kann Ihnen versichern, daß es doch zunächst ein geregelter dem Gemüthe wohlthuender Gottesdienst ist, nach welchen man sich sehnt. Eine große Zahl, welche ich darauf aufmerksam machte, daß deutsche Gebete unsere heilige Stätte begrüßen sollen, sprach den wärmsten Dank für die freisinnige Entscheidung der Rabbiner aus. Repräsentanten aus dem Volke hätten gewiß lakonisch bekannt, daß sie die jüdischen Gebete nicht mehr verstehen und nach deutschen Worten lechzen. Jnveß kann ich Ihnen auch ebenso bestimmt versichern, daß das Volk nicht zufrieden ist mit dem Wenigen, was die Rabbiner - Versammlung beschlossen. Man fteute sich sehr, daß Gießen eine Deputation (?) nach Frankfurt a. M. geschickt, und wünscht nur inOberheffen, daß der religiöse Eifer, welcher zu jener Zeit die Juden der Hauptstadt beseelt, stets dort herrschen und den Indifferentismus bis in seiner tiefsten Wurzel ausrotten möchte. Denn das ist gewiß, alle die nur einigermaßen zur Einsicht gekommen , wollen auch bei uns die veralteten Satzungen abschütteln, und Licht, reines helles Licht leuchten lassen in den Schulen, in den Synagogen, in den Häusern und Familien. Dafür mögen die Rabbiner - Versammlungen mit Entschiedenheit und Freimuth wirken, und Gott wird ihr Wort segnen. Zustände in der Pfalz. (Schluß.) . Die übrigen Bitten der Bezirks - Rabbiner sind größtentheils genehmigt worden. Selbst auch die Bitte', daß bei der Vorbereitung der Lehrer auch auf ihre Ausbildung zu Vorsängern Rücksicht genommen werden möchte, ist man in so weit eingegangen, daß bei ihrer Aufnahme in das Schullehrer-Seminar ein tüchtiger Vorsänger zugezogen werden soll, und daß, wie wir hören, am Seminar sogar ein musikalisch gebildeter Vorsänger als Gesanglehrer für die israelischen Zöglinge angestellt werde, wenn — die Israeliten die Mittel zu feiner Besoldung bewilligen. Unter dem 7. August ist ein Erlaß k. Regierung an die k. Landkommiffariate ergangen, durch welchen in Folge höchster Ministerial - Entschließung vom 19. Juli den Mißständen bei der Besch ne idung abgeholfen werden soll. Wir zweifeln aber sehr, ob derselbe seinem Zwecke entspricht, da die ganze Anordnung darin besteht, daß die bisherigen Beschneider sich einer Prüfung bei dem Kantonarzte zu unterziehen haben, die jeder besteht, ohne nähere Bestimmung etwa darüber, ob die HSPSO überhaupt, oder doch nicht in der bisherigen, oft schon so verderblich gewordenen Weise, des Aussavgens mit dem Munde beibehalten werden soll, oder auch nur, daß dem, welcher zittert, das Beschneiden untersagt sei, oder dgl. — Dagegen ist unter dem 26. August auf Anttag der Rabbiner eine sehr zweckmäßige Leichenvrdnung für die Israeliten der Pfalz erlassen worden. So viel muß wenigstens anerkannt werden, daß die k. Regierung unsre Angelegenheiten nicht ignorirt, und namentlich in der letzten Zeit mit dankenswerther Bereüwilligkeit auf zweckmäßige Anttäge vielfach eingegangen ist. Unser jetziger Regierungspräsident, Freiherr von Schrenk, ist ein sehr fleißiger, thätiger Mann, dabei human und wohlwollend, und jedem billigen Gesuche seine kräftige Mitwirkung gewährend, so weit es ihm allerdings unsere Verhältnisse in Bayern gestatten. Wir wissen übrigens ganz gewiß, daß er in seinem Gutachten sich gegen das Verbot der Rabbiner - Versammlung ausgesprochen. Rach dem nichts destowenigcr erfolgten Verbote von Seiten des Ministeriums mußte es freilich Gesuche von Rabbinern um Urlaub zum Behufe des Besuches jener Versammlungen zurückweisen. Eine Vorstellung an das Ministerium konnte nicht mehr stattfinden, da eine deßfallsige Entscheidung in keinem Falle vor jener Versammlung mehr eintreffen konnte. — Die Rabbiner-Versammlung errinnert mich an das Pamphlet des Salomon Marcus Schiller, das bei den Wenigen, die es zu Gesicht bekommen, die größte Enttüfiung hervorgerufen. Selbst den Alten kann ein solches Schlafstätterschimpfen nicht behagen, ohne alles Gefühl für den Glauben, ohne irgend einen Anhauch ächter Religiöfitat, die man sehr wohl unterscheiden kann von den süßlichen Betheuerungen dieses Mannes von seiner Anhänglichkeit an den Glauben, die das Siegel der Heuchelei an der Stirne ttagen. Und dabei dieses freche Herabsetzen von Männern, die dieser Mensch nicht kennt, verbunden mit einer Ignoranz, die so keck zu Markte getragen wird. So führt er S. 8. daö bekannte: *?3 '13) D’03n lynaff JJ2EQ0 WDiI als Beweis gegen den Gebrauch einer andern als der hebräischen Sprache bei dem Gottesdienste an. Aber abgesehen davon, daß dieser Ausspruch nicht allgemein als Halacha gilt, s. Rab. Ascher zu Thalm. Berachoth Fol. 45 d. Khescf Mischne zu Maimonides Hilch. Kri-Sch'ma Cap. 1, §. 7 u. s. w.; so ist sicher, daß das Beten in einer andern als der hebräischen Sprache mit jenem Aussprüche gar nicht zusammenhängt, wie der Talmud I. e.ausprücklich sagt: "2^3 mein und wie Maimonides selbst.