Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1845)
- Date
- 1845-11-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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37& Seligkeit bedingender Werth beigelegt. Dort wird der Werth des Ceremonialdienstes so ins Unendliche gesteigert, daß der Talmud aus der Zeit des zweiten Tempels uns selbst berichtet (Zoma 23 »), wie ein Vater eines ermordeten Priesters, dem ein mit ihm auf den Steg zugleich laufender anderer Priester mit dem Schlachtmesser durchbohrt hatte, selbst die Nachricht überbrachte: „mein Sohn zappelt noch, das Schlachtmesser ist nicht verunreinigt worden!" dies beweist uns, setzt die Gemara hinzu: daß die Reinigkeil der Opfergefäße ihnen schwieriger, d. h. wichtiger war als Blutvergießen, daß der geschehene Mord nicht als so großes Unglück wie die Verunreinigung des Schlachtmessers gegolten hatte. .□'Bi no»B»D mr a^a mna on^y nppp ^lübh Will man sich nicht aus Mangel an innerem Halt und gefestigter Selbstständigkeit erniedrigen, das Volk mit gemüthlichen Phrasen nach rabbinischer Methode nsv n^a nasal in einem romantischen Helldunkel zu erhaltm, um es durch ein homöopathisches Pülverchen freisinniger Aeußerungen in einem Kessel voll wässeriger Gewüthlichkeit verdünnt Ln Verbindung mit einem ganzen Wust geschmackloser diätetischer Vorschriften zu curiren; will man nicht wie einst das Volk und jetzt seine Lehrer auf zwei Seiten hinken, bald in leeren von krankhafter Sentimentalität getränkten Phrasen vom heiligen Glauben schwatzen, ohne es je herauszusagen, welchen Glauben man meint und welcher Glaube ein heiliger ist, bald von den Forderungen der Zeit reden, ohne diese Forderungen in ihrer Hähern Berechtigung, ohne die Zeit nach der Höhe und Tiefe ihres Bewußtseins ergründet zu haben, bald wieder von dem Conflikt des Glaubens mit der Zeit sprechen, ohne die Rechtslinien jenes oder dieser genügend erkannt, um für gründliche Lösung den Weg sich gebahnt zu haben, so wird man bald als seine heilige Berufspflicht erkennen, sonder Scheu und Furcht, es mit des Volkes Vormtheilen zu verderben, das Volk über sein eigenes Bewußtsein auszuklären. Das Bewußtsein des Volkes hat wahrlich keine Spur in sich von dem talmudischenParticularismus mit seinen barbarischen Consequenzen, und wird ihn, wenn es ihn kenne« gelernt, entschieden von sich weisen. Das Bewußtsein des Volkes hat keine Ahnung von dem Racenunterschied, auf welchen nach der talmudischen Gruudansicht die israelitische Volksheiligkeit noch gegenwärtig beruhet, und wird, wenn es Kennmiß von ihm erlangt, auf solche Volksheiligkeit freudig verzichten. Das Bewußtsein des Volkes ahnt ferner nicht voy einer an die leibliche Geburt, an dm Volksstamm festgebundeneAuserwahltheit, die nach der talmudischen Anschauung heute wie vor Jahrtausenden unverändert feststeht, und wird, wenn es sie in ihrem wahren talmudischen Lichte erkannt, nicht minder fteudig sie von sich weisen, mit dem geistigen Bekenntniß, mir der sittlich freien Ueberzeugung sich begnügend und vollkommen bei ihr sich beruhigend. Diesen schroffen und nie wieder auszugleichenden Gegensatz zwischen dem talmudischen Bewußtsein und dem des gegenwärtigen Juden habe ich in meiner Schrift: Das Religiöse und Politische im Judenthum mit aller Schärfe und Consequenz nachgewiesen. Diese Resultate liegen als unwiderlegte und ich scheue den kühnen Ueberzeugungsausdruck nicht, als unwiderlegliche Thalsachen vor Jedermanns Augen, denen nur noch die fmchtbare Anwendung im Leben fehlt. Ich habe, bevor ich auf Ihre weitere Reformgesichtspunkte tiefer eingehe. Ihnen noch auf eine Frage zu antworten, die Sie in Betreff meiner Bezeichnung der von Ihnen herbeigebrachten talmudischen Sätze an mich richten. „Was Sie aber damit sagen wollen", reden Sie mich an, „daß jene Aussprüche agadische Floskeln seien, begreife ich nicht. Erstens wissen Sie ganz gut, daß Agava und Halacha niemals getrennt waren, daß wir unzählige Halachot haben, welche aus der Agada hervorgingen, und umgekehrt die Agada meistentheils auf halachischen Anschauungen fußte". Ohne mich auf die Erörterung, wie viel des Wahren in diesem Satze enthalten sei, welches zu großer Weitläufigkeitführen würde, hier einzulaffen, entgegne ich Ihnen blos, daß, auch die Richtigkeit desselben zugegeben, Sie doch nicht solche agadische Aussprüche anführen durften, welche mit der Halacha in so auffallendem Conttaste stehen und offenbar weder aus der Halacha hervorgingen, noch auf dieselbe zurückwirkten. Wo zwischen Hagada und Halacha eine innere Wechselwirkung erweislich stattfindet, mögen sie für einander und das ihnen gemeinschaftliche Princip sprechen; wo sie dagegen in innerem Widerspruche sich befinden und iin Princip auseinander gehen, kann ihrZeugniß für einander nicht gehört werden. Der eigentliche Differenzpunkt in unfern Ansichten wird sich aber erst durch Ihre weitere Bemerkung Herausstellen. Sie sagen nämlich ferner: Diese