Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1845)
- Date
- 1845-11-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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„Zur Quelle für diese Angaben hat der Berf. de Sacy Chrestomathie arabe eingefuhrt", aber in der ganzen langen Anklage, welche nun über Mißverständniß der Stellen folgt, und bei den vielfachen prunkenden wörtlichen Anführungen des arabischen Textes wird nirgends eine Seitenanzahl angegeben. Sollte dies etwa sein, damit der Leser nicht auf den Gedanken komme, mit eignen Augen zu sehen, vielmehr genöthigt sei, blindgläubig die Anführungen als treu und vollständig aufzunehmen? Jedoch halten wir uns bei diesem Außenwerke/ wenn es auch charakteristisch genug ist für das Verfahren des Rec., nicht zu lange auf, und gehen wir zu den bestrittenen Behauptungen selbst. „Zuvorderst, sagt derselbe, daß die Dositheer das Dasein einer andern Welt geleugnet, davon steht in de Sacy's Auszügen auch kein Wort." Neben dieser entschiedenen Behauptung heißt es später (S. 648): „ebenso mögen die Dofitheer beim Segensspruch Dbtyb *]1“Q vermieden, was ihnen den Anschein gegeben, als wenn sie das Dasein einer andern Welt und die Auferstehung leugnen, sondern wohl D^iy Nyi! ribtyb eingegeführt haben, ganz den jüdischen Dogmen entsprechend". Der Sinn dieses undeutlichen Satzes ist wohl gleichfalls kein anderer, als daß die Dofitheer die eine Formel verboten haben, um nicht Veranlassung zu dem Glauben zu geben, als leugneten fie eine zukünftige Welt, vielmehr haben fie — was eine ganz unbegründete und aller Wahrheit entbehrende Hypothese des Rec. ist — die andere Formel eingeführt, um dadurch den Glauben an eine andere Welt aufs Entschiedenste zu documentiren. Also es ist nach dem Rec. unzweifelhaft, daß die Dofitheer das Dasein einer andern Welt behaupteten, und von der entgegengesetzten Anficht „steht in de Sacy's Auszügen auch kein Wort." Vergleichen wir nun diese Stellen! De Sacy nimmt in seiner Chrestomathie Th. 1 (ich citire, wie bereits bemerkt, immer nach der ersten Ausgabe) ein Stück aus Makrifi über die Juden auf, und es heißt daselbst S. 169 (übersetzt Th. 2 S-161): „Mas'udi erwähnt, daß die Samaritaner fich in zwei Parteien theilen, die fich von einander unterscheiden; die eine heißt Khuschan, die andere Ruschan (l. Dustan) eine von diesen beiden Parteien behauptet die Ewigkeit (Unerschaffenheit) der Welt (D^KDTp DbiynniD-jp). De Sacy in seinen Anmerkungen zu dieser Stelle bemerkt S. 214 ff., daß er in Mas'udi selbst diese Angabe gefunden, indem es daselbst heißt: fie (nämlich die Samaritaner) bilden zwei Parteien. die fich von einander unterscheiden, wie beide fich überhaupt von sämmtlichen Juden unterscheiden; die eine heißt Khuschan, die andere Dustan, und eine von ihnen behauptet die Ewigkeit der Welt. In diesen beiden Stellen wird noch nicht angegeben, welche von den beiden Secten diesen Lehrsatz aufstellt, und man könnte auch einen Unterschied machen wollen zwischen der Behauptung von dem selbstständigen Bestehn eines ewigen Stoffes und derjenigen, daß eine andere Welt nicht eristire, obgleich es allgemein bekannt ist, daß nach den alten Philosophemen beide genau zusammenhängen, die Behauptung von einem Urstoffe auch zugleich die von der Unvergänglichkeit dieser Welt und dem Nichteintritte einer andern Welt in fich einschließt. Allein ein anderer Bericht, nämlich der des Abulfeda, welchen de Sacy S. 21 anführt, ergänzt diese ungenügende Mittheilung; er sagt: „Was die Samaritaner betrifft, so war eine Partei von ihnen Dustani genannt, die auch Fani heißen, eine andere Khusani. Die Dustani behaupten, daß Belohnungen und Bestrafungen auf dieser Welt sind, während die Khusani die andere Welt, deren Belohnungen und Bestrafungen anerkennen." Ich dächte, hier sei das, was ich angegeben, mit solcher Klarheit ausgesprochen, daß selbst der vermessenste Lügner erröthen müßte. Dasselbe aber wird auch ausdrücklich in der von mir citirten Stelle detz Eschkhol Ha-Khofer, die bereits Wolf abgedruckt, nach dem Buche des David Al- Mokammez übrr die Secten berichtet: „Sie (nämlich die Samaritaner) find in zwei Secten getheilt, die eine heißt Khuschan, die zweite Dustan, die eine bekennt die Auferstehung der Todten, wie fie von den Propheten gelehrt wird, die zweite hingegen leugnet die Auferstehung der Todten." Also in verschiedener Auffassung wird die in fich zusammenhängende Lehre der Dofitherr geschildert, fie behaupten, die Welt sei unerschaffen, daher auch unvergänglich, eine andere Welt eristire nicht, ebensowenig eine Auferstehung, also auch keine zukünftige Belohnung und Bestrafung, sondern blos eine solche während des Lebens. Damit also hängt zusammen, daß die Dofitheer den Spruch ■pQ übtyb zu sagen verboten, weil fie befürchteten, indem D^y1? könne eine Andeutung auf eine zukünftige, andere Welt gefunden werden, welche fie eben in Abrede stellen , während im Gegensätze dazu, wie unsere Mischnah sagt, die Juden eine noch vollständigere Formel, nämlich D^yn nyi nbiyn ]D festsetzten, in welcher das Vorhandensein zweier Welten — nach ihrem Sprachgebrauche von c6iy — ausdrücklich ausgesprochen ist. Der Rec. stellt hier wieder das Verfahren der Dofitheer geradezu auf den Kopf, indem er fie in der oben von ihm mitgetheilten Stelle statt der von ihnen verbotenen Formel eine längere, nämlich 'y iyi ’yh 8"2, einführen läßt, eine Hypothese, die uns nur die vortrefflichen hebräischeu Sprachkenntniffe des Rec. ins rechte Licht stellt. Diese Phrase “iyi D^iyb gebraucht nämlich der Rec. nochmals, indem er S. 647 A. die geistreiche Conjectur macht, die übliche Formel iyi B'Piy*? scheine eine Abkürzung und Verkümmerung (! welch arges Sünderwort in dem Munde eines gläubigen Anhängers der „kairuanischen und der kritischen Thosafoth-Schulen"!) der längern D^y -yi n^yb zu sein". Allein D^iyb und D$iy Ny find ganz identische Ausdrücke, und fie neben einander zu stellen, ist ein Unfinn, den ich keineswegs der Volks- oder der Gelehrtensprache, der Mischnah und nicht einmal den Dofitheern aufbürden möchte, der fich aber im Munde des Rec. recht wohlklingend ausnimmt. Sollte denn aber der gelehrte Rec. nicht den V. Nyi D*>iy^ pW 'n kennen, einen V., dessen Ausdruck gerade für die Formel ^WEG die Norm ist?nbiymyi D^yn p, von Ewigkeit bis Ewigkeit" giebt einen Sinn, aber „in E. und bis E." kann nur dem Rec. zu sagen einfallen. Allein der Rec. hat doch einen Grund, auf welchen er die Vermuthung stützt, daß die Dofitheer fich einer länger« Formel bedient haben, mag diese auch sprachlich richtiger gelautet haben, als er fie zu schreiben weiß, und zwar ist der Grund ein solcher, der