Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1845)
- Date
- 1845-11-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur-Blatt. -■■r-OOCT-- Beilage zum Israeliten des IS. Jahrhunderts. f 5. Sonntag de« 9. November Wie «an gelehrte Reeeufioueu schreibe. Zur Charakteristik der Recenfion des Hrn. Grätz über meine „Lesestücke aus der Mischnah" im L.-B. des Orient diene nur Eines, der Ausfall gegen meine Erklärung der Mifchnah Berakhoth 5, 5. Es wird dort gesagt, was ich hierin Uebersetzung folgen lasse: „Ehedem schloß man i« Tempel die Lobfprüche mit der Formel: (Gott ist gepriesen) von Ewigkett her; als eben die Ketzer auf falsche Ansichten geriethen und behaupteten, es gebe blos eine Wett, ward eingeführt zu sprechen: von Ewigkett bis Ewigkeit. Ferner ward eingeführt, daß mau beim Gruße sich des Namens Gottes (des Tetragrammatons) bediente (wofür dann angeiuhrt wird Ruth 2, 4 und Nicht. 6, 12 und fortgefahren: und ferner heißt es (Spr. 23, 22): Behandle Deine Mutter nicht verächtlich, wenn sie alt ist." Zu dieser Stelle bemerke ich auf S. 3: „Die Ketzer, welche das Dasein einer andern Wett leugneten, sind qach L. A. der b. G. die Saducäer; doch kann man sich auf diese Namen nicht verlassen, da dieselben in unfern Ausgaben nur zu häufig mit einander vertauscht find, und die Erwähnung noch anderer Einrichtungen scheint auf eine andere bestimmte Sette hinzuweisen, deren Behauptungen jene entgegentreten sollten? Eine samaritanische Secte nämlich, die der Dofitheer — welche auch in den Pirka R. Eli'eser c. 38 angedeutet wird, hat nach arab. Schriftstellern das Dasein einer andern Wett geleugnet — was auch der karäische Schriftsteller Jehudah Hadasfi in seinem Eschkhol Ha-Khofer §. 97 (schon bei Wolf bibl. hebr, IV. 1091) berichtet —, deßgleichen sich des Namens mm enthalten und sich blos des Namens bedient (vielleicht gerade den andern Samaritanern entgegen, welche beim Schwure stets das Tetrageammaton aussprachen, vergl. j°. G. Sanhedrin 10, 1 Ende), und überhaupt vieles Alte abgeschafft und Neues eingeführt, (vergl. rle Sacy, ehrest, arabe Th. 2, S.216 und 482 ff. der l.Ausg.) Diesen Ketzern gegenüber scheint man nun um so schärfer das Dasein einer andern Wett betont, den Gebrauch des göttlichen Namens auch beim gewöhnlichen Gruße gestattet und die Auftnerksamkeit auf die alten Gebräuche gelentt zu haben, wie es hier auf einander folgt." Diese Stelle von „Eine sam." an führt der Recensent in dem genannten Blatte Rr. 41 S. 645 mtt einer Zuthat, einer Aenderung und mehreren Weglassungen an und knüpft daran fünf Spatten lange Schmähungen. Die Zuthat besteht in einem Fragezeichen, welches er nach den Worten „arab. Schriftstellern" einklammert; was Dies bedeuten soll, bekenne ich offen, nicht zu verstehen. Sind dem Rec«, der so ungeheuer gelehrt ist, arabische Stellen, auf die ich verwiesen habe, mit arabische» Buchstaben abdrucken zu lassen, nicht blos Makrisi unddie Chronik der Samarüaner, sondern noch ferner Maftudi und Ahulfeda, die fämmtlich in der von mir angeführten Stelle »achzulesen sind, keine arabische Schriftsteller? Jedoch auf Unverschämtheiten will ich nicht eingehen, blos wissenschaftliche Behauptungen wieder in's Reine bringen, die auf Schriften sich stützen, welche dem Publikum weniger zugänglich sind, so daß eS leicht mögüch ist, Sand in die Augen zu streuen. Die Aenderung ist, daß der Rec. statt „des Namens mm« schreibt: des Tetragrammatons. ES stellt sich dabei die Art derer heraus, welche den Namen Gottes in jeder Weise mißbrauchen, die Religion zum Deckmantel jeder niedrigen Leidenschaft gebrauchen, aber mtt einer ehrfurchtsvollen Scheu vor den Buchstaben dieses Namens prunken wolle». Wichtiger jedoch sind die Auslassungen. Diese bestehen 1) in der zwischen Gedankenstrichen befindlichen Hinweisung auf Pirka R. Eli'eser, 2) in der deßgleichen auf Eschkhol Ha-Khofer und Wolf, 3) in der eingettammerten Bemerkung, daß die andern Samaritaner, im Gegensätze zu de» Dofitheern, sich des Tetragrammatons gewöhnlich beim Schwure bedieMe» nut der Belegstelle aus j. Sanhedrin, und 4>in dem gleichfalls eingeklammerten Citate aus de Sacy. Diese Weglassungen firw charakteristisch. Mag immerhi» der Eschkhol Ha-Khofer dem Rec. nicht zu Gebote gestanden haben, so ist doch Wolf's Bibliothek zugänglich, und ein gewissenhafter Rec. muß doch, bevor er eine Angabe in Abrede stellt, zuerst alle angeführten Belege prüfen, ein ehrlicher Recensent muß doch den Lesern wenigstens sage», daß noch eine Autorüät angegeben worden, welche er entweder nicht nachzusehn vermocht oder zu widerlegen nicht im Stand» sei. Ein Recensent jedoch wie der iu Rede stehende verschweigt die Stelle ganz und gar und glaubt sie dadurch dem Leser völlig verborgen zu hatten; ich werde bald auf dieselbe wieder zurückkommeu. Die erste und dritte Verschweigung ist keine so vollständige; im Gegeutheüe kommen beide Bemerkungen mtt den Citaten später iu der Reeension vor, nämlich S. 648, aber nicht als gingen sie von mir aus, sondern als Lorbeerblättchen, mtt denen sich die Gelehrfamkett des Reeensente» schmückt. DaS vierte Cttat wird mit den Worten nachgeholt: