Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1845)
- Date
- 1845-11-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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355 13) airan «3 nr nr< nt onpraon mkd w ony»a yna»t. Zwei Stellen, die in Widerspruch stehen, werden nicht selten durch eine dritte erklärt und ausgeglichen. So erklärt der scheinbare Widerspruch zwischen V. 1 des 1. Buch Mos., wo es heißt, die Himmel seien zuerst entstanden und V. 1 des 2. Cap., wo es heißt, die Erde sei zuerst entstanden, seine Ausgleichung durch die Stelle im Zes., „meine Hand gründete die Erde, meine Rechte umspannte den Himmel, ich rief sie und sie standen zugleich da," woraus erhellen solle, daß sie zu gleicher Zeit entstanden. Man wird nicht in Abrede ziehen können, daß mehrere dieser Regeln in den Denkgesetzen des menschlichen Geistes ihren Grund haben. Allein je mehr sie den Grundsätzen des menschlichen Erkenntniß-Vermögens entsprechen, je natürlicher sie sind und sie sich gewissermaßen von selbst verstehen, um so weniger können sie Gegenstand der Offenbarung gewesen sein, weil es sich schlechterdings nicht denken läßt, daß die höchste Weisheit etwas der Art Ueberflüssiges thue, Dinge zu offenbaren, auf welche die Vernunft auch des Ungebildeten von selbst kommen muß. Steinheim vergleicht dieses mit Recht dem Spiele der Kinder, die einander bei Seite rufen, um sich Wichtiges zu entdecken und sich dann die unbedeutendsten Dinge von der Welt sagen. Wie läßt es sich auch nur denken, daß Gott geoffenbarl haben solle, eine dunkle Stelle müsse aus dem Zusammenhänge erklärt werden (Rr. 12), oder zwei Eigenschaftswörter erklären und beschränken einander (Rr. 7) u. s. w. Eben so gut ließe sich behaupten, Gott habe das Prineipium exclusi tertii geoffenbart, oder daß zwei Größen, die einer dritten gleichen, auch unter sich gleich sein müssen und dgl. Was diejenigen hermeneutischen Regeln (nno) betrifft, -welche in den natürlichen Denkgesetzen des Menschen keinen Grund haben, wie namentlich die Schlußweise des nw »TPtt (Nr. 2) so widerspricht der Annahme einer göttlichen Offenbarung derselben schon der Umstand, daß hier nicht nur die Znterpretationsregel, sondern auch jeder einzelne Fall, auf welchen er Anwendung finde, dem Mose auf Sinai mitgetheilt sein soll — p D"in prr mo rtap abx iDstyo eft — wovon eine Offenbarung die andere aufhebt, weil eine derselben in jedem Fall überflüssig wäre. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, daß der Mißbrauch, welcher mit dieser Znterpretationsregel gettieben wurde, die Talmndisten zu einer Beschränkung nöthigte, die man darin fand, daß man behauptete, jeder einzelne Fall müsse tradirt sein. Uebrigms spricht auch gegen die sinaitische Abstammung dieser Znterpretationsregeln im Ganzen noch der wichtige Umstand, daß sie erst allmählig allgemein bekannt und angewendet wurden. Hillel der Aeltere, eins der wichtigsten Glieder in der Kette der Tradition kannte nur sieben Regeln (S. Tosaphta Sanhedrin.) Allmahlige Entstehung, Entwicklung von Lehren und Offenbarung derselben sind Begriffe, die sich widersprechen. Nach den bisherigen Erörterungen kann keine Bestimmung deswegen als göttlich angenommen werden, weil es etwa dabei heißt, sie sei dem Mose zur Ueberlieferung mitgetheilt worden, oder weil sie mittelst der allgemeinen hermeneutischen Regeln (nno aus der Schrift ist hergeleitet worden; denn weder das eine noch das andere ist ein Kriterium der Göttlichkeit; sondern nur dasjenige wird als göttlich betrachtet werden müssen, was nach einer richtigen und gesunden Eregese mir der von Gott geoffenbarten Schrift übereinstimmt. Untersuchen wir daher unpartheiisch, ob der Talmud die richtige Eregese der Schrift enthält. Wir beginnen mit der Mischna nnd geben von dieser erst zur Gemara über, machen aber nur dasjenige zum Gegenstand unserer Untersuchung, was gegenwärtig noch ein praktisches Moment hat, mit Uebergehung alles dessen, was in unserer Zeit keine Anwendung mehr findet. (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Tages. Pie Pertiner Neformgenofsenschaft; die alte Gemeinde. 8. Berlin. Wie ein fruchtbarer Regen nach langer, langer Dürre hat der Gottesdienst der Reformgenoffenschaft die lechzenden Gemüther des gebildetsten Theils der hiesigen Gemeinde erfrischt und belebt. Der so lange brach gelegene religiöse Boden ist nun gelockert, die Aussaat gestreut, an Licht und Wärme fehlt es auch nicht und so werden wir, nach aller Wahrscheinlichkeit menschlicher Berechnung, demnächst hier einen üppigen Garten erblühen sehen der das Auge ergötzen, das Herz erfreuen und weithin Leben und Gedeihen verbreiten wird. Es ist zwar ein gewöhnliches Sprüchwort, es geschehen in unseren Tagen keine Wunder mehr, dieser Gottesdienst ist aber ein wahrhaftes Wunder, sowohl