Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1845)
- Date
- 1845-10-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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351 Das Schulwesen in Ungarn. Papa. Vielen Gemeinden Ungarns ist es nach langen Kämpfen und Ringen endlich gelungen, zweckmäßige Schulen in's Leben zu rufen, welche sich bis jetzt der schönsten Blüthe erfreuen, und uns zu den schönsten Erwartungen berechtigen. Unter diesen verdienen vorzügliche Erwähnung: die israel. deutsche Lehranstalt zu P e sth. bestehend aus 2 Elementar-, 4 Normal- und einer politechnischen Klasse, darin ausgezeichnete Lehrer, welche jeden Samstag ihre Zöglinge in einem dazu bestimmten Saale versammeln, daselbst Gottesdienst in würdiger Feier abhalten und jeden zweiten Sabbath von einem anderen Lehrer des Lehrpersonals eine der kindlichen Fassungskraft angemessene Rede vortragen lassen. Durch die steten Bemühungen des über alles Lob erhabenen und ehrwürdigen Herrn Rabbinen Schwab ist diese jugendliche Pflanzstätte im Zahr 1843 sanktionirt worden und erfreut sich einer bedeutenden Frequenz. — Die zweite ist die isr. Schule zu Gr. Kanischa im Jahre 1842 errichtet, sie besteht aus einer Knabenschule mit 4 Klaffen und einer für Mädchen mit 2 Klassen und 2 Arbeitszimmern. Der Religionsunterricht wird von dem ehrwürdigen Hrn. Oberrabbiner Löw ertheilt, welcher auch sein vorzügliches Augenmerk auf den gründlichen Unterricht in der magyarischen Sprache richtet. Die Scholaren des königl. Gymnastums und Handwerkslehrlinge erfreuen sich eines äußerst gediegenen Vortrages in jeder Hinsicht in eben derselben Anstalt. — Auch Comorn hat zur Erreichung eines edlen Zweckes weder Mühen noch Kosten noch Parteikampf gescheut und eine Lehrstätte ins Dasein gebracht, an deren Spitze tüchtige Schulmänner stehen und mit Eiker für das Heil der Jugend wirken. — Auch Arad darf mit der Fackel der Schuleinrichtung den übrigen Gemeinden unseres umfangreichen Vaterlandes voranleuchten, nicht minder Miskolz und noch viele kleinere Gemeinden. Mit einem Worte, der Sonnenstrahl der Aufklärung ist siegreich selbst in die entferntesten Thäler und Gebirge Ungarns gedrungen, während in Papa, eine der bedeutendsten Gemeinden Ungarns, mit mehr als 500 ifr. Familien. die jüdischen Söhne und Töchter jeder Bildung entbehren, und zwar durch die Schuld ihrer Eltern; indem man daselbst solche trifft, welche das geistige Wohl ihrer Kinder in den Händen von Dochrem und Studenten vom obscurantestcn Schlage legen, ich sage: Studenten, denn Sie müssen wissen, daß bei uns ein Student auch nicht immer von deutscher Gelehrsamkeit überspruvelt und sich oft nur mittelst eines Handkusses die Gunst der jungen Dame zu erwerben weiß. Selbst in unsrer Talmud-Thora ist das geistige Wohl der Zöglinge Bochrim und Studenten vom obscurantesten Schlage anvertraut, und in dieser wirken Lehrer, welche sich durch das Tragen eines ganzen Bartes und mehrer dergl. Manieren das Wohlwollen des an der Krücke der Orthodoxie einherschleichenoen Publikums zu erzielen wissen. Ich bin einer kürzlich stattgehabten Prüfung dieser Anstalt Zeuge gewesen, in welcher die Herren Lehrer (oder besser Bocherim) beim Anssragen mit den Händen in der Tasche sitz.'n. So sieht es bei uns aus. Möge es bald anders und besser werden. Miseellen. Man schreibt aus Papa: Ein hiesiger Comet, zu Deutsch: ein Stern mit einem langen Schweife, welcher sich hier rüstet, am Himmel der in Altona bewachten Nacht, zu erscheinen, erlitt ein schreckliches Unglück. — Ihm ward die Nachricht überbracht, daß der altgläubige K.r Rabbiner wassersüchtig—und folglich — lebensgefährlich sei. Da verfasste genannter Komet einen Nekrolog, zahlte einem armen Bacher 8 Groschen, daß er D’plDi? hineinletze und ihn zugleich sprachlich säubere; — schon war der Aufsatz vollendet — der Brief gesiegelt — und der Verfasser suchte nur noch auf der österreichischen Karte, wo denn Altona liege; — da kam für ihn die Hiobspost — ver K.r Rabbiner lebe — sei genesen! — Gott tröste unseren Cometen — und gebe ihm bald reichlichen Stoff zur Bereicherung der Zionswache! — r. e. Am ersten Abend des jüdischen Neujahrfestes feierte der Deutsch-israelitische Tempel in Leipzig sein 25jähriges Jubiläum. Vr. Auerbach hielt die Festrede, in welcher er mit begeisterten Worten hervorhob, wie diese von den gebildetsten Israeliten aus ganz Deutschland besuchten Anstalt ihren großen Antheil an dem aller Orten geweckten Bedürfnisse nach einem verbesserten Gottesdienst habe. Vor der Feier überreichten die Mitglieder des Tempelcomite's dem ältesten Herrn A. Gobert aus Hamburg als Zeichen ver Anerkennung seines verdienstlichen Wirkens einen silbernen Pokal und einige Lage darauf spendete der Hamburger Tempel den Leipzigern eine sehr werthvolle Bekleidung der Thora. Der Rabbiner Sutro in Münster verlangte von der Gemeinde P —a eine Zulage. Dieselbe antwortete ihm aber, daß er solche nicht zu bedürfen scheine, da er sich unter großen Zahlen, (nämlich der protestirenden 77 u. resp. 126 Rabbinen) befinde.