Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1845)
- Date
- 1845-10-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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SSL In Amsterdam ist unser Glaubensgenosse Herr Pozno zum Consul der hohen Pforte ernannt worden. Herr Gustav Halphen der eine ähnliche Stelle in Paris einnimmt hat vom Sultan das Ehrenzeichen „ Nischaniniftih ar" erhalten. In Heidelberg ist ein Jude, der bisherige Bibliothekar Weil, zum Professor ernannt worden. Als vor zwanzig Jahren der berühmte Jurist Zimmern dieses öffentliche Amt erhielt, erklärten die ange'ehensten Professoren, daß sie die Universität verlassen würden, wenn die Ernennung nicht zurückgenommen würde, und Zimmern mußte sich — taufen lassen. Bei der Ernennung Weils ist cs keinem der dortigen Professoren in den Sinn gekommen, etwas dagegen einzuwenden. Ein Beweis, daß die Bedenken, welche Herr Paulus gegen die rechtliche Gleichstellung der Juden noch in neuerer Zeit vorgebracht, buchstäblich nur die eines Stubengelehrten sind, da sie nicht einmal zu seinen Nachbarn und Collegen haben dringen können. In England hat nun die Bill über die Municipalrechte der Juden Gesetzeskraft erhalten. Was sagen dazu unsere Deutschländck, d^e Anhänger der historischen Schule und die Vertreter des christlichen Staates? Bekanntlich geht nämlich in England jeder Fortschritt in der Gesetzgebung von den Organen des Volkes selbst dem Parlamente, aus; auch ist kein Volk so positiv-religiös, unv so dem organisch - historischen Fortschritte zugethan, als das englische, und doch hat es keinen Anstand genommen, einen so bedeutenden Schritt für die Emancipation der Juden zu thun. Diese neue That eines freien Volkes beweist demnach mehr als alle entgegenstehenden Theorieen. Herr Schiller in Eperies, der unseren Lesern schon geschilderte Verfasser einer Schrift gegen die Rabbiner-Versammlung, hat eine Predigt: „Die Befreiung durch unseren Glauben" veröffentlicht. Ein ganz schülerhaftes Product voller Trivialitäten und wahrhaft possierlichen Aeußerungen, dabei unbeholfen im Ausdrucke, nicht ftei von Sprachfehlern, (so werden die Zuhörer meine Geliebensten! angeredet) und dem Tert allen möglichen Zwang anthuend. Darnach kommt mancher Tadel über die „welche fest an Herkömmlichem halten, sowie eine Mahnung zur Errichtung zeitgemäßer Schulanstalten" vor. Wie muß es noch in einem Lande aussehen, wo selbst ein Schiller sich zu solchem Tadel und solcher Mahnung gedrungen fühlt, und wie erklärlich ist da der Eifer — ja mitunter der Ungestüm der dortigen Befferstrebenven, einen anderen Zustand herbeizuführen. Literarisch Zm Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. ist erschienen: Becker K« F., a grammar of the german language. 2 edit. gr. 8. 1845 brochirt.. 2. 24 m oder Ä 1. 12. ggr. Jansen, William, practical mercantile correspondance with german notes and an appendix containing forms of invoices, bills of Iading etc. and abbreviations and explaining mercantile technicalities. gr. 12. 1842. broch. Mß. 1. od. -fi 1. 48 a& Formstecher, Br. S., die Religion des Geistes, eine wissenschaftliche Darstellung des Zndenthums e Anzeigen. nach seinem Charakter, Entwicklungsgänge und Berufe in der Menschheit, gr. 8. 1841. broschirt (29 Bogen). M. 1. 18 ggr. oder 3. 12 Kunstsymbolik, Christliche, undZkonographie. Ein Versuch, die Deutung und ein besseres Verständniß der kirchlichen Bildwerke des Mittelalters zu erleichtern, gr. 8.1839. 1. 16 ggr. od. fl. 3. Pauli, Br. F. W., prakt. Arzte zu Franks, a. M. Homburg und seine Heilquellen. Mit 2 Stahlstichen und einer Karte von Homburgs Umgegend. Zweite Auflage. 8. 1844. Zn Umschlag broschirt. 16 ggr. oder $ 1. 12 at Verlag dcr I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M- — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.