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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-10-26 · Heft 43 (26.10.1845) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 43 (26.10.1845)
Date
1845-10-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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349 worden. Hr. Lebrecht aber ist untröstlich darüber, daß diese „harten, unverständlichen Producte dem Corpus der Gebete einverleibt bleiben", und auch uns Hat dies eine schlaflose Nacht verursacht. Per Gottesdienst der Kertin^r Reform - Genossenschaft. ££ Berlin. Meinem Versprechen zufolge theile ich Ihnen anbei das Begleitungsschreiben zu dem Programm des Gottesdienstes für das Neujahr, welcher bei der Reform - Genossenschaft gehalten worden, mit. Es lautet: Wir übergeben unseren Genossen das Programm des Gottesdienstes für die bevorstehenden Festtage nicht ohne daS Bewußtsein verrohen Verantwortlichkeit, die wir durch die von uns getroffenenWestimmungen sowohl Ihnen, als unsrer allgemeinen Aufgabe gegenüber, übernommen haben. — Wir haben nicht angestanden, diese Verantwortlichkeit allein zu tragen, weil bei der Kürze der Zeit und bei dem Umfang und der eigenthümlichen Beschaffenheit des Gegenstandes eine öffentliche Berathung und gemeinsame Beschlußnahme nicht mehr möglich erschien. Es war uns die Aufgabe gestellt, einen, dem religiösen Bedürfniß unserer Genossenschaft entsprechenden Gottesdienst in's Leden zu rufen. Diese Aufgabe, im Zusammenhang mit der Bedeutung der bevorstehenden Festtage für die Bekenner des Zudenthums haben wir streng ins Auge gefaßt, und ohne den zukünftigen Bestimmungen einer Synode dadurch irgend vorgreifen zu wollen, ja ohne uns für berechtigt zu halten, für den von uns beschlossenen provisorischen Gottesdienst ohne Zustimmung der Generalversammlung bleibende Anordnungen zu treffen, wünschten wir nur den gegenwärtigen Gottesdienst als den wahrhaften Ausdruck des religiösen Bewußtseins unserer Genossenschaft erscheinen zu lassen. Wir erklären auf's Entschiedenste: Was wir von dem Bestehenden ausgenommen haben, wollen wir dadurch nicht für ein nothwendiges Element des Iudenthums gehalten wissen; was wir nicht ausgenommen, erklären wir noch viel weniger für ausgeschlossen aus der zukünftigen Gestaltung des Iudenthums; wir haben vielmehr das Bestehende überall zur Grundlage unsrer Anordnungen gemacht, und es erhalten, insoweit wir es als ein Lebcnselement in dem Religionsbewußtsein unsrer Genossen erkannten, wir haben es aber nicht ausgenommen, sobald wir uns überzeugt hielten, daß es in uns unv in denen, die mit uns find, nicht mehr lebendig sei und nicht mehr belebend und erhebend auf das religiöse Gefühl zu wirken vermöge: wir haben nicht ausgenommen was, seiner Bedeutung oder seiner Erscheinung nach nicht in Einklang zu stehen schien mit unjrer, nicht minder im Boden unsrer Zeit als im Boden unsrer Religion wurzelnden Denk- und Empfindungsweisc. — Wir fino in den äußeren Anordnungen unseres Gottesdienstes von den, jetzt freilich schon in großer Mannigfaltigkeit bestehenden Formen nicht unwesentlich abgcwichen; desto mehr aber sind wir darauf bedacht gewesen, unsere Gebete zum bestimmten und entschiedenen Ausdruck der religiösen Ueberzeugung zu mächen, die sich im Iudenthum und nur im Judenthum kund giebt, und die Bedeutung dieser besonderen unsrer Religion angehörenven Festtage zum lebendigen Bewußtsein zu bringen. Unser Gottesdienst sollte kein solcher sein, der sich eine möglichst allgemeine, Allen in gleicher Weise zugängliche Gottesvcrehrung zur Aufgabe stellt, sondern ein solcher, d.r lediglich in dem bestimmten Religionsbewußtsein des Iudenthums wurzelt, das sich zwar von den letzten Spuren einer nationalen Besonderheit frei zu machen sucht, aber seine eigenthümliche geschichtliche Entwickelung nicht aufgiebt, und darum eben so freudig zurückblickt auf seine Vergangenheit, in der es zum Träger einer ewigen Wahrheit berufen wurde, als es zuversichtlich auf die Verheißung der Zukunft schaut, in welcher die ganze Menschheit den einzigen und unsichtbaren Gott bekennen und anbeten wird. Wir haben in der äußeren Erscheinung unsres Gottesdienstes der allgemeinen Denk- und Empfindungsweise eer Zeit ihr Recht werden lassen, in dem Inhalt unsrer Gebete den einen und unveränderlichen Geist des Iudenthums zur vollen Anerkennung zu bringen versucht. In diesem Sinne haben wir gewirkt und geschaffen, und wir find uns bewußt, unsere Beschlüsse mit Besonnenheit unv Gewissenhaftigkeit gefaßt, und uns mit ausdauerndem Eifer ihrer Ausführung unterzogen zu haben. Möge es uns gelungen sein, dem religiösen Bedürfnis unsrer Genossenschaft eben so sehr zu entsprechen, wie wir bemüht waren, demselben entgegenzukommen. Mögen diese heiligen Festtage zu Tagen wahrhafter Andacht und wahrhafter Erhebung für uns werden, und dazu beitragen, unö eben so sehr in der Anhänglichkeit an unsre heilige Religion zu befestigen, als uns zur muthigen Fortführung der Aufgabe zu erkräftigen, für die wir uns verbrüdert haben. Berlin den 29. September 1845. Die Bevollmächtigten der Genossenschaft und die Repräsentanten für Einrichtung eines Gottesdienstes.

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