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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-10-19 · Heft 42 (19.10.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 42 (19.10.1845)
Date
1845-10-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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343 der Sache betheiligt, und da wird man mir es schon nachsehn, daß ich nicht warte, bis ein Anderer den Fehdehandschuh aufnimmt. Es müssen-übrigens sonderbare Käuze sein, diese pfälzischen Rabbiner, nicht wahr, lieber Freund? Der Angreifer in der Zeitung des Iudenthums wirst ihnen ihreHerrschaft vor—wenigstens strebten fieseiner Angabe nach in ihrer Vorstellung an die k. Regierung in Betreff des jüdischen Schulwesens nach nichts Anderm, und die k. Regierung ist ja nur aus einen Theil derselben nicht eingegangen; der Berichterstatter Ihres Blattes wirft ihnen ihr Geld vor — denn die k. Regierung hat ja alle ihre Wünsche in dieser Beziehung genehmigt und es ihnen mit vollen Händen zugeworfen: ein Jude und Herrschaft, ein Rabbiner und Geld — find das nicht gewöhnlich zwei contradictorische Begriffe? — Zn diesem Eldorado der Rabbiner möchten Sie am Ende doch auch sein! Nun, wer möchte das in unserer materiellen Zeit selbst einem Rabbiner verargen! Auch das Verbot der Rabbiner - Versammlungen gehört zu diesen Paradiesesfreuden, an denen ich so viel Vergnügen finde, wie mein Aufsatz in der Speyrer Zeitung vom 5. und 6. April d. Z. darthut. Doch gehn wir auf die Sache ein. Der Spaß kann einem wahrlich! vergehn, wenn man in dem Leben mit der Ignoranz, mit der Anmaßung, mit dem finstersten Zelotismus, oft allerdings, wie Ihr Berichterstatter sich ausdrückt, mit dem „rohen Pöbel", und außerdem mit so mancher Widerwärtigkeit, deren wir noch schwerer Meister werden können, kämpfen muß; und dabei noch solcher Bullenbeißer in den öffentlichen Blättern sich zu erwehren hat. Indessen die Antwort auf die Mittheilung Ihres Berichterstatters kann kurz sein; denn der Grund, worauf er seine Anklage baut, ist von vornherein — Lüge. Die Rabbinen find nämlich nicht bei k. Negierung um Förderung ihrer pecuniärenIntereffen eingekommen, vielweniger daß sie deßhalb zusammengetreten find. Vielmehr hat die k. Regierung, ohne daß die Rabbiner auch nur mit einem Worte darum nachgesucht hätten, in der Entschließung auf unsere Vorstellung in Betreff des israelitischen Schulwesens bei Gelegenheit des Verbots der Eingriffe mancher israelitischen Lehrer in rabbinischen Functionen, die Rabbiner zum Gutachten über die Gebühren bei Casualfällen aufgefordert, und diese Aufforderung später dringend wiederholt. Es ist Lüge, daß die Rabbiuer die Beschneidung unter die Casualfätte aufgestellt, was man uns um so mehr glauben wird, als unter sämmtlichen pfälzischen Rabbinen kein Mohel sich befindet. Die k. Regierung hat sie ausgenommen, offenbar aus irrthümlicher Analogie mit der christlichen Taufe, vielleicht auch in dem schönen Gedanken, vaß sie eben aufhvre eine bloße „blutige Operation" zu sein, und mit einer höhernWeihe umgeben werde. Es ist Lüge, daß die pfälzischen Rabbiner die Fehler des bisherigen Verfahrens hoher Stelle nicht aufgedeckt hätten. Der Unterzeichnete selbst hat dies bereits unter dem 14. November 1843 gethan, wie ohne Zweifel auch andere seiner Collegen. Unter dem 7. August d. I. ist auch eine Verfügung des k. Ministeriums erschienen, worin die Prüfung der Beschneider u. s. w. angeordnet wird. Daß man solches nicht in öffentlichen Blättern ausposaunte, was zur Sache gar nichts beiträgt, hat seinen guten Grund. Haben wir denn die von uns schon lange beantragte unv in der jüngsten Zeit auch genehmigte Leichenordnung und so vieles Andere, was geschehen ist und geschieht, öffentlich besprochen? — — Es ist ferner Lüge, daß für den Schetar Khetuba und Schetar Chaliza je fl. 2. 48 kr., zusammen also fl. 5. 36 kr. tarirt worden, vielmehr ist nur die seit länger als 13 Jahren bestehende Tare von fl. 5. 36 kr. für Trauung inelus. der dabei zu fertigenden Akten bestätigt worden, was der Einsender wissen mußte, da in der Verfügung ausdrücklich darauf Bezug genommen ist, eine Tare, die, so viel wir wissen, nirgends geringer, wohl aber fast überall bedeutend höher ist für diesen fast einzigen Casualfall der Rabbiner. Auch mit den 36 kr., sage sechsunddreißig Kreuzer, welche k. Regierung tarirt hat, wenn „blos die Begleitung der Leiche zum Grabe, ohne Leichenrede, von dem Rabbiner gefordert wird", ist es nicht so gefährlich. Nicht nur das Gebühren-Negulativ der christlichen Geistlichen, sondern auch vieler andern Rabbiner bot ihr die Analogie dazu dar. Ebenso unbesorgt kann der Berichterstatter über die Tare von fl. 3. sein für die Confirmation, „wo sie von den Aeltern oder der israelitischen Gemeinde verlangt wird" va wo die Gemeinde die Confirmation „verlangt", kommt es ihr auch sicher auf die fl. 3. nicht an. Den pfälzischen Rabbinern aber kann in keinem Falle ein Vorwurf deßhalb gemacht werden. Sie haben seit neun Jahren und länger die Confirmation eingeführt, ehe eine Tare bestand , und nur Ihr hämischer Berichterstatter kann uns den Vorwurf machen, daß wir dieselbe „deßwegen" eingesührt, „um eine neue Steuer zu erheben". Was endlich das „Stückchen Fisch" betrifft, das der Berichterstatrer wahrlich nicht aus Freundschft gegen den betteffenden Rabbiner, dem großen Publikum auftischt, so kann ich auf mein Wort versichern, daß ich von der berührten Beschwerbeschrift erst gehört habe, nachdem sie vonk. Regierung bereits abschlägig beschieden war. unv daß ich den Inhalt jener Schrift noch heute nicht kenne. Gleiches möchte ich von ükeinen Collegen behaupten. Einmal also konnten wir eine Vorstellung bei k. Regierung nicht machen gegen eine Sache, die wir nicht kannten; sodann hatte die k. Regierung jene Beschwerdeschrift, was auch chr Inhalt war, sogleich abschlägig beschieden, und bedurfte es also keiner Intervention von unserer Seite, wie überhaupt unsere k. Regierung auf einseitige Anklagen nicht eingebt und das Toben

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