Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1845)
- Date
- 1845-10-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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343 Abweichung statt findet. In einer dazu veranstalteten DirectionSfitzung gaben beide Prediger ihr Votum ab, daß ein so organisirter Gottesdienst ein acht-jüdischer sei, fügten aber ausdrücklich hinzu, daß da, wie verlautet, die Schophar-Ceremonien nicht in optima forma verrichtet werden, und keiner der männlichen Besucher gehalten sein soll, mit b e d e ck t e m H a u p t e zu erscheinen, die Anwesenheit der fungirenden Prediger bei einem großen Theil der Hamburger Tempelgcmeinde, trotz dessen, daß der Gottesdienst vom Iudenthnm nicht wesentlich abweicht, Anstoß erregen dürste. Bei so bewandten Umständen hielt sich die Direction für nicht berechtigt, über den vorliegenden Gegenstand zu entscheiden. Den Statuten gemäß wurde durch das Loos ein Comite von 15 Männern gezogen, demn, als Repräsentanten der Gemeinden, und swar mit der Direction eine Deputation in Verbindung, der in Rede stehende Fall zur Berathung vorgelegt. Auf zwei Fälle konnte man gefaßt lein, entweder, das Comite erklärte es für unstatthaft, gerade an den hohen Festtagen einen ihrer Prediger zu missen; oder es würde der Berliner Genossenschaft die Bedingung gestellt, auf die Neuerung, ohne Schophar und ohne Kopfbedckung den Gottesdienst zu verrichten, schlechterdings verzichten zu müssen, falls einer rer oftgenannten Prediger dort die Festpredigten halten sollte. Doch davon war jedoch die Reve nicht, sondern das Comite rückte mit einem andern Aut-Aut heraus. „Entweder die Berliner Genossenschaft nimmt den Hamburger Tempelritus mit allen seinen Inkonsequenzen und hundertmal öffentlichgerügten Fehlern ohne weiteres an, od^r unsere Prediger dürfen dem Gottesdienst mit Nichten beiwohnen". — Wie gefällt Ihnen dieser moderne Fanatismus? denn anders kann ich diese Resolution nicht nennen. Sagte ich es ^nen nicht ftüher schon einmal, daß der Tempel auf seine Minhogim eben so versessen ist, wie die alte Synagoge?! Welche Ungereimtheit! Welche Unbilligkeit! Die Berliner Genossenschaft soll den seit 27 Jahren in der jüdischen Kirche gemachten Fortschritt desavouircn, soll die religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder ignpriren und ein Gebetbuch gut heißen, an welchem von den Intelligentem in der eigenen Gemeinde unzählige Ausstellungen gemacht werden.— Die Berliner Genossenschaft hat fick aber wohl gehütet, auf oder ähnliche Bedingung sich cinznlassen, und gerade hierdurch bewiesen, daß sie wisse, was sie wolle; daß sie mehr als eine etwaH veränderte Liturgie bezwecke; daß sie eine Reform beabsichtige, die mit dem Lej^n im Einklänge stehet; daß sie für das aufblühende Geschlecht sorge, welches sich bei veralteten asiatischen Gebräuchen, aus dem längst der Geist entflohen. nichts mehr denken kann, weder davon erbaut noch belehrt zu werden vermag. Allem Geschwätz und aller Verdächtigung zum Trotz wird die Berliner Genossenschaft sich die Achtung der denkenden Männer innerhalb und außerhalb Israels zu verschaffen suchen. Mag es an diesen hohen Festtagen der Genossenschaft an Erbauung fehlen; an Belehrung wird sie keinen Mangel leiden. - Der Mann, der „die Aufgabe des Iudenthums und der Juden in der Gegenwart" auf eine so befriedigende Weise in Acht Vorlesungen zu lösen wußte, wird auch die Kunst verstehen , die tiefe Bedeutung der heiligen Feier-Zeiten in Israel Allen denen, die da kommen, um aus seinem Munde das Wort der Wahrheit zu vernehmen, so klar und deutlich zu machen, daß die Rede ins Herz dringt und den Geist erleuchtet. Qrdinirte Prediger haben wir ja ohnehin nicht und sehnen uns gar nicht darnach. — Ob indeß die „Genossenschaft" recht gethan, einen provisorischen Gottesdienst gleich zu forciren; ob es nicht besser und vernünftiger gewesen wäre, mit keinem Halbwerk hervorzutteten, sondern nach wohl geprüften Principien erst eine vollständige Liturgie aufzustellen und einen kenntnißreichen Geistlichen zu gewinnen, der sich als Redner bewährt hat — ist eine andere Frage. Mir kommt das Ganze viel zu übereilt vor. „Es werde Licht!" soll freilich bei religiöser Schöpfung der erste Ruf sein; aber um das Licht leuchten zu lassen -- dazu gehört Zeit. Am ersten Tage sprach der Herr: Es werde Licht! jedoch erst am vierten Tage setzte er die Lichter in den Himmelsraum-auf daß sie leuchten mögen auf die Erde. — Anfangs hieß es hier, die Berliner Genossenschaft wollte den Hrn. Dr. Kley auffordern, während der ,'hohen Festtage dort zu zu predigen; sie gab aber später die Idee auf, weil man ihr versicherte, daß dieler Geistliche nie wieder eine Kanzel zu besteigen feierlichst gelobt hatte und ein Mann ein Wort halten müsse. Ich kann Ihnen für die Wahrheit dieses Gerüchtes nicht bürgen, das Sie übrigens nicht sehr interessiren kann. Künftig mehr. A Die Pfälzischen Nabbinen- (Entgegnung.) Landau in der Pfalz im September. Kaum, mein lieber Herr Redacteur! habe ich die Feder niedergelegt, um einem Angriffe gegen die pfälzischen Rabbiner in Nro. 35 der Allg. Ztg. des Iudenthums zu begegnen, als ich die Nro. 36 Ihres geschätzten Blattes in die Hände bekomme, und schon wieder auf einen solchen stoße. Ich bin zwar weit davon entfernt, als Ritter für meine pfälzischen Collegen auftreten zu wollen: die können Gottlob alle die Lanze für sich selbst einlegen, zumal solchen unritterlichen Angriffen gegenüber. Indessen bin ich ja auch persönlich bei