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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-10-19 · Heft 42 (19.10.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 42 (19.10.1845)
Date
1845-10-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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340 theilte man dem ftühereu Rabbiner Trier die gerügte traurige Rolle zu; und in dieser Absicht endlich ward Hr. Frankel zum Helden dieser Comödie auserwählt. Wir sehen dasselbe freche Spiel mit den Zeitungs-Redactionen und dem Lesepublikum bei Gelegenheit der Rabbiner - Versammlung sich wiederholen, das man zur Zeit der Entstehung des hiesigen Reform - Vereins sich erlaubt hatte. Während übrigens die Unterzeichner der Adresse an die Rabbiner - Versammlung den Verhandlungen derselben beigewohnt, und es ihnen zum wenigsten möglich gewesen, sich darüber ein eignes Urtheü zu bilden, verhält es sich mit den Unterzeichnern der Adresse an Hrn. Frankel gerade umgekehrt. Kaum einige derselben haben mit eigenen Ohren gehört und mit eigenen Augen gesehen, man hatte das mot d'ordre gegeben, sich von den Sitzungen der Rabbiner - Versammlung fern zu halten, und es war im allgemeinen von der Partei befolgt worden. Wenn daher letzte Adresse die Unterzeichner versichem läßt, selbst mitangehört zu haben und aus eigener Wahrnehmung zu urtheilen, so ist dies im allgemeinen der Wahrheit nicht gemäß. Kein Wunder demnach, daß, wo alles hinters Licht geführt werden soll, wo mit der Lüge gleichsam ein Pact abgeschlossen worden, es sich am Ende herausstellt, daß man sich selbst bettogen, nämlich den Nass mit den 77 oder 116 Nobelgardisten, welchem man im Frühjahre gehuldigt, schon im Spätjahre einem seiner ärgsten Feinde, Hm. Kirchh eim, zum Opfer gebracht, und daß man den Boden der Stabilität verlassen hat, um sich der Bewegungspartei, zu welcher Frankel gehört, anzuschließen. Da bekundeten die Altgläubigen zu Breslau einen richtigeren Takt und bessere Einsicht, worüber sich einer derselben in einer dortigen Zeitung, wie folgt, vernehmen läßt: „Es ist der altgläubigen Gemeinde als solcher nie in den Sinn gekommen, Hrn. Frankel eine Dankadresse zu votiren; der Unbekanntschaft mit den eigentlichen Tendenzen Frankels ist es zuzuschreiben, daß auch einige Altgläubige die von andrer Seite ausgegangenc Adresse mit unterschrieben haben. Wir ehren Hrn. Frankel seiner Gelehrsamkeit wegen rc., können ihn (aber) nimmer als den Repräsentanten unscrs Glaubens anerkennen. Sein Ausscheiden aus der Rabbiner-Versammlung war uns nur insofern erfreulich, als wir in dieser Thatsache den Ausbruch eines Zwiespalts in dem uns feindlichen Lager erblicken rc." Ob Hrn. Frankel mit der Ovation einer ihm im Grunde feindlichen Partei gedient, zumal solche nichts sein soll als eine „Demonstration"? Ob es für ihn ehrenvoll, als Spiel- und Werkzeug zu erscheinen in den Händen obscurer Intriganten? Ob er die im Orient Km. geheißene Fliege, die sich ihm zur Unzier auf die Nase gesetzt, mchr endlich zu verscheuchen für gut finden dürfte? Darüber mag er mit sich selbst zu Näth gehn. Per Gottesdienst der berliner Neformgenofsenfchaft. £& Berlin. Ich habe Ihnen, Hochgeehrter Herr, zcither nur wenig über die Vorbereitungen zum Gottesdienst der hiesigen Reformgenoffenschast mitgecheilt, und hatte dazu meinen guten Grund. Denn ich hätte wochenlang die Spalten Ihres Blattes füllen müssen, wollte ich Schritt für Schritt die Thätigkeit der Bevollmächtigten verfolgen, und von jedem einzelnen Tagewerke Bericht abstatten. Ich kann nur soviel sagen, und jeder der die Verhältnisse hier kennt, wird mit mir übereinstimmen, daß in so kurzer Zeit und unter so vielfachen hindernden Umständen Unglaubliches zu Tage gefördert worden ist. Aber es wirkte auch eiu lebendiger Eifer und eine unermüdliche Begeisterung zusammen, von der man sich durch meine bloße Erzählung kaum einen Begriff machen wird. Fast täglich fanden Sitzungen statt, die sich bis spät in die Nacht ausdehnten; alle Mitglieder der Bevollmächtigten stellten mit seltener Aufopferung nicht nur ihre Muße, sondern sogar ihre Berufsthätigkeit, ihre geistigen und leiblichen Kräfte zum Gebote des schönen Werkes, dessen baldige Vollendung das sehnsüchtige Ziel aller Genossen war. Und wie glänzend wurde dies Ziel erreicht l $8ie reichlich fühlen sich nun die unermüdlichen Arbeiter durch die schöne Vollendung ihres Werkes, durch den warmen Dank der ganzen Gesammtheit belohnt! Es ist mir wahrhaft unmöglich, Ihnen den Jubel und die Begeisterung zu schildern, von dem alle Reformgcnossen nun für diejenigen überströmen, die ihnen so unerwartet die Mittel zu einer so wahrhaften, langentbehrten und nachhaltigen religiösen Erbauung verschafft haben; es ist mir unmöglich den warmen Geist einer neuen engern Verbrüderung zu beschreiben, der über Alle durch den gemeinsamen erhebenden und ergreifenden Gottesdienst gekommen ist, und welcher schon zu neuen Thaten mächtig antreibt. — Ich würde sehr wenig sagen, wenn ich diesen Gottesdienst nur erhebend und ergreifend nennte. Seine Wirkung war wunderbar überraschend, und so erhaben über alle Erwartung und Vorstellung derer selbst, die ihn gestalteten, er ausfiel, so ganz entsprechend und angemessen war er doch wieder dem Bedürfniß der Gesammtheit, die sich in diesen neuen ungekanntcn Formen doch so heimisch, so befriedigt befand, als wäre sie nie an andere Formen gewöhnt worden. Ist das nicht der beste Beweis, daß man für den Geist derGesammthcit das rechte passende Gewand gefunden? — Es wechseln in der einfachen Zusammensetzung der jLiturgie, Gebete, nach den alten hebräischen Originalen aus principiellen Gesichtspunkten modificirt, die vom Vorbcter vorgctragen werden, und Gesänge, die theils andern Liturgien entnommen , theils eigens gedichtet und componirt wurden. Der Gottesdienst ist durchweg

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