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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-10-19 · Heft 42 (19.10.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 42 (19.10.1845)
Date
1845-10-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Geschichte des Tages. Adresse an Frankel. (Schluß.) / (Frankfurt a. M. im September.) Sind die Ansichten des Hrn. Frankel vom Judenthume die der Rewwes, welche ihn beadreffet und bepokalt haben? Verstehen sie unter positiv - historisch was er? Wissen Sie überhaupt viel mehr von ihm als daß er die hiesige Rabbiner-Versammlung besucht und wieder verlassen hat? Begreifen sie seinen Standpunkt im Judenthume? Kennen sie sein „Streben", welchem der Pokal „Zeichen der Anerkennung" sein soll? Waren sie „ Zeugen" seines nach der Adresse „edlen Kampfes "? Sind sie im Stande mit ihr zwischen wissenschaftlicher und vermeintlich unwissenschaftlicher Reform zu unterscheiden, und wollen sie erste? Alle diese Fragen find unbedingt zu verneinen; diese Rewwes find Rewwes hier wie überall, sie haben in der Zugend gelernt, d. h., nichts gelernt, und im Alter ihr Lernen vergessen, also nichts vergessen, zum Theil find sie ganz in Unwissenheit herangewachsen und ihr Lebelang geblieben. Es mögen sich ihnen auch Einzelne, welche mit der „Religion der That" längst gebrochen, die Sabbath-Fasten-, und Ceremonialgesetze für sich und ihre Familien längst beseitigt haben, und daraus nicht einmal ein Geheimniß machen, angeschloffen haben, um einige Geltung zu erlangen, nachdem ihnen dies bei den Gleichgesinnten nicht gelingen wollen, oder aus andren nicht beßren Beweggründen; eine sich vielfach zeigende widerliche Erscheinung! Das find der Adresse zufolge vie „einsichtsvolleren Mitglieder unserer Gemeinde, welche mit vollem Vertrauen ihre Augen auf Hrn. Frankel richten,,; lachet nicht, freundliche Leser! Es ist aber dieses alles ein holes, lügenhaftes Parteitreiben, berechnet auf Selbsttäuschung und Täuschung Andrer über die Schwäche und Ohnmacht dieser Dissidenten. Denn das find sie bei uns trotz Altgläubigkeit, Werk- und Scheinheiligkeit, und das Bewußtsein, daß sie es sind, ist die Stachel, welche sie nicht ruhen läßt, ist das gelbe Abzeichen, welches sie verdecken möchten. Die hiesige Gemeinde-Ordnung setzt nämlich für die Wahl der Gemeindevertreter als Grundprinzip Stimmenmehrheit der Gemeindeglieder fest, und da die Orthodoxen ungeachtet der größten Anstrengungen iever Zeit in der Minderheit bleiben, so finden sie sich thatsächlich von der Gemeinde-Verwaltung ausgeschlossen. Das Amt eines Rabbiners bekleidet Hr. Stein; den Tonangebenden Rewwes ist er nicht genehm, und er darf es auch den andern nicht sein. Zn der Haupt-Synagoge wird in deutscher Sprache gebetet, gepredigt und gesungen; es braucht nicht gesagt zu werden, daß sie keinen Fuß ui dieselbe setzen. Die Schule nährt nicht mehr das alte, separatistische Unwesen, das Unglück unsrer Väter, sie will dem Baterlande, der Zetztzeit nützliche Bürger erziehen, nicht dem Mes. fiasreiche, einer erhofften Zukunft, fromme Gläubige; deshalb Talmud - Thorah - Schulen. Gemeinde-Ordnung, Gemeinde-Vorstand , Gemeinde - Ausschuß, Rabbiner, Synagogen-Ordnung. Schule, bis auf die Begräbniß-Ordnung, welche den altherkömmlichen Tumult nicht mehr gestattet, nichts ist den Rewwes recht, nichts erkennen sie an. Da nun alles dieses der bestehenden Gesetzgebung gemäß ist, und den religiösen wie kommunalen Rechtszustand der hiesigen Gemeinde bildet, so find sie mit diesem zerfallen, leben mit ihm im Widerspruche, und find Dissidenten im eigentlichsten Sinne. Winkelsynagogen, Winkelschulen, Winkelvereine, Winkelrabbinen, Winkelskribenten, vor allem Winkelzüge, darauf sehen sie sich reducirt. Zn diesem tief gebeugten Zustande traf sie die Rabbiner-Versammlung, und schlug sie vollends zu Boden. Die rege Theilnahme, der große Anklang, welche deren Verhandlungen hier allgemein fanven, und die in der vom hiesigen Gemeinde-Vorstände ausgegangenen, von etwa 200 der angesehensten Gemeindeglieder in der kürzesten Zeit und ohne Colportation Unterzeichneten Adresse ihren Ausdruck erhielten, mußten sie aufs tiefste betrüben, und ihnen alle Hoffnung rauben. Als die Chefs sich von ihrer anfänglichen gänzlichen Niedergeschlagenheit etwas erholt hatten, sahen sie ein, daß um die Partei nicht innerlich zerfallen, nach Außen um alles Ansehen komme» zu lassen, etwas geschehen, wie der Berichterstatter der O. P. A. und d. allg. Zeitung sich ausdrückt, „ eine Gegendemonstration " gemacht werden müsse, und nahmen zu einer solchen vom Auskitte Frankels aus der Rabbiner - Versammluug Veranlassung; es ward ihm nämlich nach dem Vorgänge Hannovers eine Dankadresse betstimm, und überdies ein Pokal als Trumpf darauf gesetzt. Adresse gegen Adresse, Gemeinde gegen Gemeinde, Lager gegen Lager; ercellenter Gedanke, geeignet der eigenen Partei wie de u Auslande einen blauen Dunst vorzumachen. Zn dieser Absicht ward im Orient (R. 36.) berichtet, die Adresse an die Rabbiner- Versammlung sei vom Gemeinde-Borstande und „ einigen Privaten" unterzeichnet gewesen, und in der allg. deutsch. Zeit, vom 23. ds. zu verstehen gegeben, sie sei" von einer kleinen Anzahl hiesiger Gemeindeglieder „ ausgegangen; in dieser Absicht nahm derselbe Corresponvent, welcher in der O. P. A. Z. die Unterzeichner der Adresse an F r a n k e l auf ungefähr 200 angegeben, keinen Anstand, solche in der Deutschen, Allg. Z. auf ungefähr 300 zu steigern; in dieser Absicht versichert Hr. Kirchh eim im Orient (N. 38.), - freilich in etwas zweideutiger Umschreibung. die Orthodoxie befinde sich bei uns „in immenser Mehrheit", in dieser Absicht

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