Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1845)
- Date
- 1845-10-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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»LS ähnlichen Rabbinen gemeinschaftliche Sache machen und deren Manifest unterzeichnen; nun läßt man gar die Adresse an Frankel als von ihm ausgehend kolportiren, und vom Etappe! laufen; das ist unverzeihlich. Zst wirklich Herr Frankel, ist der Verfasser der Adresse, H. Kirchheim, Repräsentant der religiöses Gesinnungen unsres H. Trier? Giebt die Adresse diese Gesinnungen wieder? Wir wollen sehen. Wenn wir auch dem H. Trier das ehrenvolle Zeugniß geben müssen und dafür Dank wissen, daß er viele Jahre lang das Amt eines Rabbinen dahier in einem milden, friedlichen Geiste verwaltete, so gehört er doch seiner religiösen Ueberzeugung nach zu denen, welche mit dem Krakauer Beth-Din sagen (N. 11.), „daß alle Worte der Gemara und der ihr folgenden Poskim wahrhaftig und unverbrüchlich find, und wer sich von ihnen entfernt, sich vom wahren Leben entfernt, daß wer in irgend einem Punkte ihnen widerspricht, ein vollkommener Frevler und Epikuros ist, und wer etwas erlauben will, was die Gemara verboten hat, keinen Antheil an dem Gotte Israels und an seiner Gemeine hat, ein Unreiner iss, und unrein bleiben wird. Er hat sich ausdrücklich mitden Ungarn rc. in deren Manifest (N.13.) dahin ausgesprochen: „es stehet nicht in unserer, es steht in keines Menschen Macht, auch nur das kleinste der religiösen Gesetze aufzuheben." Grade diesen Satz aber erklärt H. Frankel *) „nicht zu dem seinigen machen" zu können, H. Frankel ist damit einverstanden, daß das Judenthum seine ungemeinen Erschwerungen hat und hierdurch für das Leben unbrauchbar wird," er meint, daß wir diese „Erschwerungen nicht sowohl ver Mischna und den Talmudes verdanken, als daß letzte abgeschlossen wurden, und man eine Grenzlinie setzte: bis hierher und nicht weiter," er will, daß „durch die durch Wissenschaft und Bildung wieder erlangte Geistesfreiheil wir versuchen, diese nachtheilige Folge abzuwenden**); er läßt der Gesinnung der Berliner Reform- Genossenschaft, wie sie in einem Schreiben seines Verlegers, H. M. Simion, an ihn sich ausgedrückt findet, seine "volle Anerkennung widerfahren," und nimmt in ihr einen innern Drang nach religiöser Beftiedigung, eine glühende Liebe für das Zudenthum wahr" ***), er nimmt keinen Anstand im Kurorte Wiesbaden mit an offener, versteht sich jüdischer Wirthstafel am siebenzehnten Thamuch zu speisen, und die so genannten vier Fasttage thatsächlich abzuschaffen +). Und dieser Mann soll Repräsentant der religiösen Ueberzeugung des H. Trier sein, man läßt ihn von ihm *) Zeitschrift, Machest 1845, S. 180. **) Ebendaselbst, S. 178. 179. ***)Zeitschrist. Zunihest 1845, S. 229. i) Wir wissen dies zwar nur vom Hörensagen, wiewohl aus guter Quelle, finden übrigens dieses rückhaltlose Auftreten des Hm. Frankel höchst ehrenhaft. als „edlen Kämpfer für das Heiligthum Israels" bezeichnen Aber die Adresse selbst soll ausgegangen sein von „Männern in unsrer Gemeinde, welche herbeizuführende Reformen innerhalb der Grenze des positiv-historischen sehr wohl" zu würdigen wissen, und wir haben gehört, wie Herr Frankel selbst das „positiv-historische" versteht; ist H. Trier diesen Männern beizuzählen? Mag sich der „berühmte Veteran der neujüdischen Richtung und Literatur," welcher nach dem Berichterstatter der Oberpostamts-Zeit. die Adresse mit unterzeichnet haben soll, nachBelieben lächerlich machen, mögen „finanzielle Notabilitäten," die deshalb nicht auch intellectuelle find, unterzeichnen, so viele deren wollen, den alten Mann mußtet ihr aus dem Spiel lassen, ihr durftet ihn nicht in einen öffentlichen Widerspruch mit seinen ein langes Leben hindurch befolgten, urkundlich niedergelegten Grundsätzen bringen , wie ihr gethan, um euere Zwecke zu fördern. „Wir haben," hören wir euch zu eurer Entschuldigung sagen, „uns auf unsren gewöhnlichen Vorkämpfer, H. Raphael Kirchheim, der die Adresse verfaßt, verlassen," und, kann hinzugefügt werden, verlassen müssen, weil kaum einer unter euch sonst im Stande ist, die unbedeutendste öffentliche Anzeige zu schreiben, geschweige eine Adresse, und weil ihr nicht einmal den Sinn der Worte, und Redewendungen, welche ihr unterschreibt, richtig zu fassen und zu deuten wisset. Allein ist denn dieser euer Vorkämpfer wirklich einer der Euren? Wir haben nicht die Ehre mit demselben bekannt zu sein, H. A. Adler in Worms aber, dessen Jugendfreund er gewesen, und mit dem er sich in einen ärgerlichen Handel eingelassen, aus welchem er etwas zerbläuet herausgegangen, erzählt folgende erbauliche Geschichte von einem Schlächter, welche, da keine Namen genannt sind, sich jeder nach Gefallen deuten mag, und die wir nur deshalb anführen, um varzuthun, daß jeder Stand, auch der positiv - historische der Schlächter, dermalen seine Neologen hat, ohne grade H. Kirchheim als einen solchen bezeichnen zu wollen. Die Geschichte lautet: „Ein gewisser junger Theolog, der eine Zeit lang in einer gewissen Stadt Deutschlands privatisirte, hatte daselbst einen gewissen jungen Mann, der mit ihm nach eigenem Geständnisse in Jugendfteundschaft lebte und in dieser Stadt als Schlächter i, e. Kedoedet angestellt war. Das Vertrauen, ohne welches keine Freundschaft denkbar ist, brachte es bald dahin, daß sie keine Geheimnisse mehr gegenseitig hatten, einer in dem andern lebte oder wenigstens zu lebten glaubte. Der Theolog ohne Amt, also auch ohne alle Verpflichtung gegen eine Gemeinde, glaubte seiner Ueberzeugung gemäß leben zu dürfen und sich über manche Satzung, die für uns heute ohne alle heiligende Kraft und Bedeutung ist, hinaus setzen zu können; welche Gründe der junge angestellte Schlächter hatte, um sich dieses erlauben zu können, kam nie zur Frage, genug er