Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1845)
- Date
- 1845-10-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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327 denthum ausrotten möchte. So sehr vergißt er sich selbst, daß er in dem bekannten Styl des Jtzig Feitel Stern sich Luft macht und so recht von amore mauschelt. Das wäre nun zum Lachen, aber der Priester der Liebe schnaubt nach Rache und aus dem Possenreiffer wird ein blutiger Henker. Nachdem er aus dem Broschürchen sorgfältig Alles ausgelesen, was gegen den RabbiniSmus gesagt wird, so geht er über zur Vertheidigung des Rabbi, nismus? o nein! zur Bestätigung der vorgebrachten Beschuldigungen? auch nicht! wozu denn? Zur Befpöttellung der refor. matorischen Bestrebungen und herzlosen Verhöhnung des Ausrufes, „die Znteressen des Vaterlandes nach Kräften zu fördern." Herr S. bleibt aber dabei nicht stehen, sondern gießt jetzt Gift und Galle über Juden und Judenthum, angeblich aus einem vor 25 Zähren in Würzburg erlchienenen Büchlein, in Wahrheit aber, aus seinem schon seit 25 Jahren von Judenhaß verdorbenen Herzen. Ich übergehe die Beschuldigungen des Wuchers, der Geldgierde, vom Neide diktirt, die Uebertreibungen hinstchtlich des Besitzstandes, „der ihnen den wichtigsten Einfluß auf alle öffentlichen Angelegenheiten gestatte, als wenn alle Juden ein so großes Vermögen besitzen , „daß Kaiser, Könige und Fürsten bei ihnen an der Kreide und in der Tinte fitzen." Ich übergehe auch die bis zum Eckel schon wiederholte und widerlegte Anklage, daß alle Juden gemeinschaftliche Sachen gegen die Christen machen. Diese und ähnliche judenfeindliche Tiraden verfehlen ihre Wirkung, denn wessen Hirn vom Judenhaffe nicht ganz verbrannt ist und wer seiner fünf Sinne noch mächtig ist, erkennt im ersten Augenblicke das lügenhafte Spinngewebe. Aber der Verfasser geht nun weiter und klagt im Angesichte des ganzen civilisirten Europa's die Juden an: „Geld ist die Losung, und jeder Frevel der ihnen dazu verhilft, und nur keinem der Ihrigen schadet, ist nach ihren Grundsätzen Recht. Daher ist in ihren Augen sogar der Meineid gegen einen Christen erlaubt und Christenmord wird von ihnen für kein Verbrechen geachtet. Wer einen Goi betrügen kann und es nicht thut, oder wer gar von einem Goi sich selbst betrügen läßt, der muß Buße thun. Kein Jude darf einen Juden wegen Unthat verrathen, die an einem Christen begangen ward. Die Befolgung Vieser Grundsätze, welche nie (?) von den Israeliten abgeleugnet find (?? ), macht sie unfähig, jemals gute Staatsbürger unter nichtjüdischen Völkern zu 'werden." Nach einer solchen mörderischen Anklage, die der fühllose Priester mit solcher Gleichgültigkeit niederschreibt, daß er .noch scherzen kann und höhnisch ausruft: „was wohl die projectirte deutsch-jüdische Synagoge hierüber veröffentlichen wird?" gibt er seinen Lesern einige plumpe Späffe über die jüdischen Religionsgebräuche zum Besten, Dinge vorbringend von welchen außer ihm kein Mensch etwas weiß, so z. B. daß Schophar in keines Goi Hände kommen dürfe. Ich will mein unv Ihr Papier nicht mit solchen Abgeschmacktheien verderben, aber die jüdischen Blätter müssen von solchen Bestrebungen Notiz nehmen, damit die Nachwelt ein richtiges Urtheil zu fällen im Stande sei. Wie ehrenwerth ist gegen einen solchen Judenfresser Eisenmenger und Consorten. Diese gründete ihre Anklagen mindestens auf rabbinische Aeußerungen, und wenn sie sich auch Mißverständnisse oder Mißdeutungen zu Schulden kommen ließen und lassen, so sind ihre Geschosse gegen eine vermeintliche falsche Lehre gerichtet, dabei die Menschen unangetastet bleiben, sobald sie nur die Erklärung abgeben, daß diese Lehren mißverstanden scyen oder auch von ihnen verworfen würden. Dieser ultramontane Priester aber fällt aus Unwillen über einen Angriff gegen den Rabbiuismus über das ganze Judenthum unv über alle Juden her, wie ein Betrunkener, der, weil ein Vorübergehender gelacht, alle Vorübergehenden mit Steinen zu todt werfen will. Vergebens fragt man sich, was denn eigentlich der Wüthende will, kein Mensch hat ihm etwas gethan, keiner ihn auch nur mit einer Sylbe beleidigt unv er erhebt ein Geschrei, als wenn die Juden alle Kirchen bestohlen hätten. Was geht es Hrn. S. an, wenn die Juden eine deutsch-jüdische Kirche gründen wollen? und wenn es ihn etwas anginge, wie darf er Tausende brandmarken wollen, weil einer ein Wort ausgesprochen, das er, ein Römling, nicht gerne hört: deutsch? Wenn irgend ein Zweifel noch obwalten könnte, so muß ihn dieses Verfahren beseitigen. Diese Parthei wiedersetzt sich nun deßhalb allem Fortschritte bei den Juden, um ihn destomehr beschuldigen oder gleich bedrücken zu können. Denn der Herausgeber macht gar kein Hehl daraus, was ihm wahre katholische Religiöfität ist. In einem Blatte, das in allen katholischen Gemeinden der Diöcese gelesen wird, streut er nicht blos den Saamen des Judenhasses aus unv reizt zur Berfol. gung, sondern rühmt auch die Kirchlichkeit des 14. Jahrhunderts, wo man in Prag als im Jahre 1389 ein Priester zu einem Kranken , der in der Judenstadt wohnte, die h. Wegzehrung trug, aber unverrichteter Sache umkehren mußte, kurzen Prozoß gemacht habe, die Judenstadt wurde nämlich umzingelt, von allen Seiten in Brand gesteckt, die Flüchtigen wurden ergriffen und in's Feuer zurück geschleudert. Bei 3000 sollen den Tod gefunden haben. „Das war eine That, meint Hr. S., die gibt Zeugenschaft, daß das Geheimniß des Altars den damaligen Christen der Gegenstand der höchsten Verehrung war." Solche Zeugenschaft möchte man von dieser Seite wieder, aber nicht etwa nur an Juden , o nein, an allen Irrgläubigen d. h. an allen Nichtkatholiken ausüben. Gegen Protestanten darf man es jedoch so laut nicht sagen, deßhalb nimmt man vorerst nur die Juden, die Gleichgesinn-