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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-10-05 · Heft 40 (5.10.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 40 (5.10.1845)
Date
1845-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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323 ner-Versauimlulig, cs als die Aufgabe der Rabbiner erklärt habe, die hebräische Sprache ganz hinauszustoßen, dagegen protestire ich im Namen der ganzen Versammlung und nenne dies eine Unwahrheit, von der ich gerne glauben will, so sehr auch der Schein dagegen ist, daß sie dem Hrn. vr. Frankel nicht zum Bewußtsein gekommen ist. Ein jedes der Mitglieder wird gewiß der hebräischen Sprache seine Hauptkräfte widmen und mehr oder weniger dafür sorgen, daß dies auch von Andern geschehe, Biele werden gewiß jetzt, da das Hebräische mehr und mehr aus dem Gottesdienste schwindet mit größerer Sorgfalt über die hebräischen Schulen wachen, damit die heilige Schrift um so mehr in der Ursprache verstanden werden kann. Meine Ansicht in der Beziehung hoffe ich in einer andern Arbeit darzulegen. „ Es sei angeführt worden ", sagt Hr. vr. Frankel, „daß das Gesetz hierüber nicht zu sprechen brauchte, da cs den Alten nie beikommen konnte, daß man je zu einer Zeit das Hebräische ans dem Gebete werde verbannen wollen." Wie schwankend doch ein solcher vermittelnde Standpunkt, der Standpunkt des „gemässigten Fortschrittes" und der „gemäßigten Reform" ist! Die Alten ftekcn da und geben Gesetze, d. h. religiöse Gesetze, die für uns noch volle Geltung haben sollen, und haben nicht einmal eine Ahnung gehabt von dem was im Verlaufe der Zeit bcrvortrctcn, wie sich noch die Zeit gestalten kann Sind wir alsdann nicht vie lweitcr als sie, die. nur ihre Zeit vor Augen hatten, während »vir die Erfahrung fast zweier Jahrtausende vor ihnen voraus haben, und dennoch sollen wir an ihre Aussprüche geknechtet ''sein. Zu solchen Eonsequenzcn gibt Hr. vr. Frankel, der webl in dem, was angeführt »vurde, seine eigene Ansicht sicht, Beraitlassurlg! Und wie, Hr. Vr. Frankel führte selbst in der Rabbiner-Versammlung als Beweis dafür; wie, »venn nicht hebräisch gebetet wird, die heilige Sprache aus dem Volke zu schwinden Gefahr laufe, die Alerandrinischen Juden an, von denen ein Philo nicht mehr den hebräischen Tert der heiligen Schrift verstand. Diesen Alten also, die der Zeit nach den fast gänzlich gräzisirten Gemeinden so nahe standen, welche letztere selbst das Schma, das die Rabbiner-Versammlung noch hebräisch beibcbiclt, griechisch lasen, (vrgl. Zunz gd. B. S. 10), in denen selbst ein Mann wie Pl i o kein Hebräisch mehr verstand, diesen Alten also konnte cs nicht beikommen, daß man einst einen durchaus nicht hebräischen Gottesdienst wünschen werde? — das verstehe, wer da wolle, mir ist das zu schwer! Was will nun die Rede, „ daß die Majorität der Rabbiner-Versaminlung, was durch Jahrtausende ein heiliges unveräusserliches Gut geworden, nicht anerkannte und die Vergangenheit als nicht dagewesen erscheint, und sie sich deßhalb nicht mehr auf historischem Standpunkte befinde und den Boden der geschichtlichen Entwickelung ganz verlassen habe?" Die Majorität fragt nach dein Gesetze; sie fragt nach dem Geiste des Gesetzes und findet Nichts, was absolut einen hebräischen Gottesdienst fordere; die deutschen Juden haben seitdem durch historische Entwickelung eine Muttersprache erhalten, die ihnen ehedem fehlte; sie will durch den Gottesdienst in dieser Muttersprache die Andacht wieder Herstellen, die Andacht steigern und kräftigen, und die Andacht ist doch wohl der Kern, während die Sprache nur das Mittel sein kann; und diese Majorität soll sich dadurch vom geschichtlichen Standpunkte entfernen? Hr. vr. Frankel spricht n seiner Zeitschrift einmal davon, daß der zweite Feiertag wohl derogirt werden könne. Der zweite Feiertag ist schon seit fast zwei Jahrtausenden ein Gott geweihter, an dem so viele tausend Juden seit »nebr denn anderthalb Jahrtausenden Trost und Seelencrhebung gefunden haben. Ich weiß nicht was Hr. vr. Frankel sagen würde, wenn ihn Jemand fragte, wie so »ras das durch Jahrtausende ein heiliges unveräusserliches Gut geworden, wie der z»vcite Feierrag , nicht anerkennen, wodurch die Vergangenheit als nicht dagewescn erscheine und er sich vom historischen Boden entferne und so den Bodeu der geschichtlichen Entwickelung ganz verlassen könne; ich weiß »licht was Hr. vr. Frankel sagen würde, we»»n ihn Jemand dieses fragte: denn Hr. vr. Frankel bat durch diese Gegenerklärung gezeigt, daß er gar Vieles sagen kann, wenn er nur »vill. Ich weiß aber, daß das, was er consequent sagen »nüßtc, dieses sei: Mein Freund, Du siehst die Dinge ganz verkehrt. Die Alten haben den zweiten Feiertag ringeführt, weil sie über die Berechnung der Feiertage ganz in Zweifel »raren dwd ndih NpiBD — cs ist NUN gerade in Folge e»ner geschichtlichen Entwickelung sowohl dabin gekommen, daß »vir die Feiertage sehr genau berechne»» können, als auch

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