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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-28 · Heft 39 (28.9.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 39 (28.9.1845)
Date
1845-09-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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310 beseelt, Alles, was sich im Judenthum zum — Judenthum gestaltet hat, als Fundamental betrachtet, und auf eine rabbinische Albernheit oft noch größerer« Werth gelegt wird, als auf die mosaisch-prophetischen Lehren. Das will ich der Schule nicht zur Last legen, daß der Religionsunterricht nicht nach diesem oder jenem Catechismus ertheilt wird — aus diesen Schatzkästlein ist aber nicht viel zu holen und ein tüchtiger Lehrer hat an der Bibel den besten Wegweiser — ich bedaure nur das Eine, daß auf das Gemüth der Kinder so ganz «n®. gar nicht gewirkt wirb. Diese, am Menschen die schönste Seite, bleibt ganz brach liegen. Die Knaben wachsen auf, kommen aus der Schule und bringen von der jüd. Religion nichts weiter mit, als ein — Register von Geboten unv Verboten und ohne das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Jmmergültige vom Veränderlichen unterscheiden zu können, werden diese Vorschriften, ohne daß der innere Mensch Theil daran nimmt, mechanisch geübt, und später, je nachdem die in der Armen-Schule unterwiesenen Knaben und Jünglinge in diese oder andere Verhältnisse kommen, werden sie entweder Zeloten oder Indifferentisten. — Keine andere als diese beiden Klassen von Juden können in Schulen dieser Art gebildet werden. Die Extreme liegen auch hier noch aneinander. — Welchen Einfluß diese Erscheinung auf die Gemeinden übt, die später aus jenen Subjecten bestehen, in deren Mitte sie später agiren und sungiren, ist leicht zu begreifen r der Zelotismus widersetzt sich allen noch so weisen und mit dem Geiste des Judenthums harmonirenren Umbildungen und Verbesserungen; die Indifferentesten sehen dem Untergange und dem Verfall der Synagogen und anderer gottesdienstlicher Anstalten gleichgültig und lächelnd zu; die eigenen Kinder erziehen sie für die herrschende Kirche und, wenn es ihnen paßt, nehmen sie noch nah am Grabe den Glauben d e r K i n d e r an, da sie den G l a u b e n der Väter doch weder achteten, noch liebten. Von der Freischule ist, wie ich glaube, auch in Ihrem Blatte schon oft die Rede gewesen, daher ich Ihnen wenig zu referiren habe. Es ist eine gute Bürgerschule ohne Bürger; sie stehet unter einer trefflichen Leitung und kann sich sehr wackeren Lehrer rühmen, von denen ich nur den Dr. A. Rve und den Orientalisten Mortmann namhaft machen will. Bei dem Epitheton, das ich dem Herrn Mortmann beilege, fällt mir Mephistos „das Beste kannst du den Burschen doch nicht mittheilen," unwillkürlich ein. In einer nur von Juden besuchten Schule befindet sich kein Einziger, den es nach den morgenländischen Schätzen gelüstete, die ihm der gelehrte Mortmann mittheilen könnte! — Bis auf den Religionsunterricht, der sich auf ein Paar kurze Stunden wöchentlich muß beschränken lassen; bis auf die Elemente der hebräischen Sprache bis auf die Nebersetzung der Bibel — im Auszuge — kann Niemand der Freischule den Vorwurf machen, daß das — orientalische Element eine zu große Herrschaft in dieser Anstalt erlangt hätte. — Für die Töchter Israels, und zwar für die ärmern nnd unbemittelten, wird in unsrer Gemeinde ebenfalls gesorgt. Es befinden sich zwei solcher Schulanstalten hier. Die eine, als Privatstiftung, wird von einem Fioeicommis unterhalten svie C hanochsche Schule genannt); für die andere sorgt der Vorstand der Gemeinde. Die crstere kenne ich nur dem Namen nach; die zweite interessirt mich schon deßhalb mehr, weil sie unter der Leitung zweier Schulmänner stehet, deren Namen einen guten Klang auch in der literarischen Welt hat. Und wenn ich die Doetoren I s l e r und R v e genannt, so werden Sie über die gute und zweckmäßige Einrichtung dieser Töchterschule keinen nähern Bericht fordern. Die P r i v a t a n st a l t e n schmolzen immer mehr zusammen und find bald auf Null reducirt, und ohne die Entdeckung — von Amerika würde auch von der Anstalt, die sich der Leitung von Seiten res tüchtigen Schulmannes Maimon Jränkel zu erfreuen hat, längst keine Spur mehr vorhanden sein. Die Zöglinge nämlich aus Nord- und Südamerika, die sich unter F r ä n k e l 's Aufsicht zu Dutzenden befinden, halten und erhalten die Schule aufrecht. Es ist aber sehr zu wünschen, daß sie aus eignen Füßen stehen und der neuen Welt entbehren lerne, da Frankel viel pädagogische Kenntnisse besitzt und in seiner Schule nach den bessern Methoden unterrichtet wird. — Das Hebräische wird indessen auch hier in Nuce gelehrt und der Unterricht in der väterlichen Religion ist hier eben so mangelhaft wie — in hundert andern Schulen. Und das ist der faule Fleck, leider! an den meisten jüdischen Schulen. Wie dem abzuhelfen, wie der Unterricht in den Wissenschaften zu ertheilen, ohne dem in der Religion Abbruch zu thun, darüber vielleicht!! in meinem nächsten Bericht. A* Antwort der Rabbiner - Versammlung. D arm stad t im Sept. Der hiesige Gemeinde-Vorstand hat folgende Antwort auf seine Adresse an die zweite Rabbiner-Versammlung erhalten: *) „Die zweite Rabbiner-Versammlung hat Ihre Adresse vom 6. Mai d. I. mit wahrer Freude begrüßt; das darin an den Tag gelegte Vertrauen dient ihren Mitgliedern sowohl *) Vermuthlich ist eine gleiche Antwort auf die übrigen Adressen mit Ausnahme der von Berlin und Breslau erfolgt.

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