Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1845)
- Date
- 1845-09-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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315 schiedenen Prinzipien, ja wird er es nicht um so eher können, als er sieht, daß von welchem Prinzip man ausgehe, immer dasselbe Resultat gewonnen werde? Vielleicht hatte aber Herr vr. Frankel Etwas in der Versammlung wahrgenommen, was er voraus nicht wissen konnte und das ihn Zum Weggehn bewegen mußte, so daß Erscheinen und Verbleiben allerdings zu diftinguiren, auch dem Inhalte nach seien?— Herr vr. Frankel bringt wirklich so Etwas vor. „Er erschien, weil er gern beitragen wollte, daß das junge Institut der Rabbiner-Versammlung zu einem vermittelnden werde und sich zu keinem Ertreme hinneige. Zu einer solchen Hoffnung berechtigte die Zusicherung, daß eine Anzahl der Erscheinenden diese Gesinnung theile und man also dem Gedanken Raum geben könne, daß in der Diskussion auch Andere werden dafür gewonnen werden. Aber diese Hoffnung zeigte sich als eine vergebliche, da die Majorität in ihrer Abstimmung nach seiner Ansicht von einem zerstörenden Prinzip ausgiug und da in jeder Versammlung die Majorität maßgebend ist, so konnte er, als dieses von ihm nie anzuerkennende Prinzip sich als Norm hinstellte, nicht länger verbleiben — so die Worte des Herrn vr. Frankel. Wie einfach, wie naiv! Soll da wohl Etwas dahinter stecken können? Wir wollen sehen! Herr vr. Frankel erschien, weil er dem jungen Institut der Rabbiner-Versammlung auf die Beine helfen wollte, dasselbe durch seine Anwesenheit mir noch Anderen, die seine Gesinnung theilen, zu einem vermittelnden zu machen hoffte, so daß sie sich fernerhin zu keinem Ertreme mehr Hinneige. Er wußte also schon früher, daß die Rabbiner-Versammlung ciu Errrcm vertrete, traute aber sich und den Uebrigen, die seiner Gesinnung sind, soviel zu, daß sie wohl die Vertreter des Ertrems utv eine Vermittlung gewinnen werden. Sein Prinzip ist demnach das Prinzip der Vermittlung, das heißt, wenn er auch wohl weiß, daß bei dieser oder jener Frage die Wahrheit auf der extremen Seite ist, so wird er doch, weil er es in der Gegenwart für nölhig hält, nicht mit dieser stimmen, da man sich dadurch von dem andern Ertreme zu weit entfernen würde Das ist auch ganz consequent von ihm, der den „gemäßigten Fortschritt" eine „gemäßigte Reform" wünscht, wobei allerdings nickt die Wahrheit an und für sich, oder wie sich Herr vr. Frankel ausdrücken würde, nicht die objektive Wahrheit, sondern die gegebenen Verhältnisse (subjektive Wahrheit) maßgebend sind. Run fand er aber, daß er die Majorität nicht für sich gewinnen konnte, und hielt sich darum für berechtigt, auf und davon zu geben. Ist das aber wahr, dürfen wir fragen, hat sich die Versammlung als eine ertreme gezeigt, die auf gar keine Vermittelung eingehen will? — gewiß nicht. Tie Majorität, die der Ueberzeugung war, wie das aus den Protokollen hervorgeht, daß weder eine gesetzliche noch eine objective Nothwendigkeit überhaupt für die Beibehaltung der hebräischen Sprache beim Gebete vorhanden ist, glaubte doch mit dem anderen Ertreme sich vermitteln zu müssen und sprach sich dabin aus, daß aus Accomodation an die gegebenen Verhältnisse in Len ältesten Gebetstücken das Hebräische noch beibebalten werde, und man es den anderen Ertremen ermöglichen solle, fernerhin noch Hebräisch zu beten. Aber auch zugegeben, was gewiß nicht wahr ist, die Majorität hätte sich zu keiner Vermittelung verstanden, was har denn Herrn vr. Frankel bewogen, so schnell alle Hoffnung aufzugeben? Ein jeder Mensch hegt gar viele Hoffnungen, bw ihm nicht sogleich in Erfüllung gehen, wird er sie darum so schnell aufgeben? Und vollends Hoffnungen, die sich auf religiöse Ueberzeugungen gründen, wer kann diese so schnell aufgeben? Das Judenthum kämpft schon Jahrtausende, um seine Wahrheiten durchzusetzen, läuft es Leßbalb davon, weil es ihm nicht so schnell gelingt? Sind die Ueberzeugungen des Herrn vr. Frankel so schwach, daß er sobald mnrblos wird? Der Macht der Wahrheit kann Niemand widerstehen, sie dringt durch, wo sie klar aufgezeigr wird, und wer sich ihrer beivußr ist, harret aus. Nun soll sogar die Majorität nach der Ansicht des Herrn vr. Frankel von einem zerstörenden Prinzip ancgehen. Wie ist auf einmal das nicht vermittelnde Prinzip mit einem zerstörenden vertauscht worden? Will Herr vr. Frankel damit sagen, daß nach seiner Ansicht die Majorität weiß, daß sie mit ihrem Prinzip zerstört und ist das Zerstören des religiösen Lebens ihre Absicht so wäre das eine Verdächtigung; wodurch er beurkundete, das alle Religiosität ihm fehlt und wurde sie teurer Widerlegung bedürfen. Ich glaube daher, mich verbürgen zu rönnen, daß eine solche Verdächtigtlng ihm ferne ist. Will er aber damit sagen, daß nach seiner Ansicht das Prinzip der Majorität ein zerstörendes ist,