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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-21 · Heft 38 (21.9.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 38 (21.9.1845)
Date
1845-09-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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31t Alten, und da bei den Todten die Ruhe ganz am Orte ist, so erklärt sich auch sein Bedenken dagegen, daß Pferde vor den Leichenwagen gespannt werden sollen. Diese Liebe zum Frieden und zur Ruhe ist gewiß auch die Ursache, daß unser Rabbiner so harmlos dahin lebt, und nie sich in einen Streit über Meinungen und Ansichten mit jemanden einläßt, wie ich denn auch glaube, daß diejenigen Unrecht thun, welche ihm ein zweideutiges jefuitiWs Wesen zuschreiben; es ist dieses auch Nichts anderes, als das Verlangen nach R u h e, der Wunsch nach dem lieben Frieden mit allen Parteien, der das, was man mit Zweideutigkeit und Jesuitismus an ihm bezeichnet, nothwendig macht. — Uebrigens hat die bessere Bildung hier schon so viel Raum gewonnen, und wird durch den Umgang und Verkehr mit Christen so gefördert, daß die Liebe zum Alten von Seiten unseres Rabbiners den Fortschritt, sowie zeitgemäße Bildung und Gesittung, doch nicht verhindern kann. — Nur nehme ich es den aufgeklärten Mitgliedern unseres Provinzial-Vorsteher-Amtes sehr übel, daß sie nicht entschiedener dem Rabbiner entgegentreten, und so manches gegen seinen Willen, wie z. B. die Errichtung eines Chors in der Synagoge, einer ordentlichen öffentlichen Schule, (denn die bestehende ist eine bloße Religionsschule) u. A. auszuführen sich bemühen. Freilich wird einem da von denselben entgegnet, daß dieses bei der dogmatischen Richtung, welcher unsere Regierung selbst in neuerer Zeit zu huldigen scheine, nicht möglich wäre. Allein ich kann mir das doch nicht denken, denn die Reformbestrebungen der Juden haben durchaus Nichts mit den christlich - theologischen Ansichten gemein, sie müssen bei einer streng-orthodoren Ansicht der Regierung eben so gefördert werden. als bei einer rationalistischen, da sie ja vorzüglich den Zweck haben, die fremdartigen, orientalischen Elemente, welche noch den Formen unserer Religion anhängen, zu entfernen, und dadurch zu bewirken, daß auch der Jude sich ganz in deutsche Gesittung hineinlebe, sich frei und innig deutscher Weise anschließe. Jüdische Zustände in Hamburg. Hamburg, im Sept. Wie auf einem gebirgigen Terrain, einem hartnäckigen Feinde gegenüber jede Handbreit Land mit Schweiß und Blut erkämpft werden muß: so gehet es dem Tempelinstitute der Synagoge gegenüber. Seit Jahren schon wird varan gearbeitet, den Predigern des Tempels die Befugniß zu verschaffen , bei vorkommenden Fällen auf dem Friedhofe Leichenreden zu halten; von dem beim Gottesdienste angestellten Chor die üblichen Psalmen absingen und das Kaddisch recitiren zu lassen — man konnte es nicht dahin bringen. Auf dem Begräbnißplatz ein — P r e d i g e r — ein Prediger — im Ornat! In dem Angesichte von unzähligen Gräbern —- eine Kirchenrede in deutscher Sprache! Psalmen nach — portugiesischer Mundart! ein — modificirtes Kaddisch, wie es sich im Tempelgebetbuche findet, das erst vor Jahren von dem Chacham verketzert wurde — nein, das ist ein unerträglicher GeüEe, eine Beleidigung für alle — Todten! — eine größere — kML giebt es nicht! Endlich ist das große Werk gelungen! — EjjDwen sie nun noch, lieber Freund! daß die Sonne — M stehet? Ist sie doch auf ihrer Heldenbahn so weit avancvMdaß sie in einem Zeitraum von bloß 5605 Jahren schon ülWder Gemeindestube in Hamburg stehet und ihre Lichtstrahlen hinein wirft! — Zwar war auch jetzt wieder eine ziemlich große Zahl von Zeloten, - die ignorantesten Neichen oder die reichsten Ignoranten an der Spitze, bei dem Vorstande protestirenv dagegen eingekommen; das Gesuch aber blieb unberücksichtigt, da seit einiger Zeit in dem genannten Collegium ein besserer Geist waltet, der so wohl dem I n d i f f e r e n t i s m, wie der S t a b i l i t ä t entgegen tritt, an welchen Krankheiten Mehrere in der Verwaltung stark leiden; die ncuhinzugctreter.cn Herren R.. und R.. Männer von Bildung und Sachkenntniß, schließen sich den Einfichtsvollern in dem Collegium an und fühlen, daß es Zeit und Pflicht sei, den bessern Bestrebungen Vorschub zu leisten. — Dem Glauben aber dürfen Sie sich nicht hingeben, daß die Synagoge selbst auch nur einen Schatten von Fortschritt kund giebt. Bewahre! dort treibt das Geschlecht der Wüste sein Wesen, bis des Herrn Ausspruch erfüllt sein wird- — Es ist gar zu wenig Intelligenz und gar zu krasse Ignoranz unter den Leuten anzutreffen, vie sich vorzugsweise „die Frommen und Alten" nennen, und der Redner in der zweiten Rabbiner-Versammlung hat der Gemeinde zu Hamburg gewiß nur ein Kompliment machen wollen, sonst würve er Israels — cnmern vbscurn ganz wo anders als nach — Polen hin verlegt haben. Ad vocem Rabbiner-Versammlung muß ich Ihnen doch bemerken, daß die Wuth gegen dieselbe bei demjenigen Theil in unserer Gemeinde, den ich Ihnen so eben geschildert, mir jedem Jahre steigt. Die vorjährige Versammlung hat weniger Galle erzeugt, und das ist kein übles Zeichen. Da ist unlängst ein Wisch- -chen erschienen, betitelt: „das moderne Judensthum ist Götzendienst" rc. rc., das hat einen verlaufenen Burschen zum Verfasser, der sich Doctor und Rabbiner Gustav Emilssohn nennt, aber ver Schreiber dieser Blätter ist weder Doctor noch Rabbiner, sondern ein sogenannter — Probenreiter, (kennen Sie diesen Terminus Technicus in der merkantilischen Welt?) So ein armer Wicht wird für einige Schil- I linge gedungen, daß er gegen alles Bessere — öffentlich schimpfe

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