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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-21 · Heft 38 (21.9.1845) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 38 (21.9.1845)
Date
1845-09-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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310 das jvq ar> bilden, gestellt, die für den großen Gedanken des Zudcnthums begeistert und eine Reform geschaffen haben, wie sie andern deutschen Gemeinden zu Muster hätte dienen können. Dem Gemüthe und der ganzen geistigen Richtung von Stein sagte aber ein solcher Zustand nicht zu; und den Entschiedenen vielmehr eben so wie Lpn Starren, gram, conccntrirte er sein ganzes Wirken darauf, einen verbesserten besonders durch Gesang und Predigt gehobenen Gottesdienst einzuführen, hoffend, durch die in den Schranken großer Mäßigung gehaltenen liturgischen Formen die strengorthodore, und durch seine beredeten Vorträge die Entschiedenen in die Synagoge zu locken, beide aber dann allmählig durch die Letztere für sich und seinen Standpunkt zu gewinnen. Za ich glaube, daß er, um dem von ihm so sehr befürchteten Ausbruch eines Schisma's in seiner eignen Gemeinde keinerlei Vorschub zu leisten, beim Gottesdienste selbst diejenigen Reformen nicht zulasscn würre, gegen die er an sich kein Bedenken hat, und die er vielleicht in emcr anderen Gemeinde selbst ausführen würde. Nun wird ras Benehmen S t e i n' s als Präsident der zweiren Rabbiner-Versammlung vollkommen klar sein. Es »rußte ihm nämlich Alles daran gelegen sein, daß die Thätizkeit derselben hauptsächlich der Liturgie zugewenret werde, und hat er — was ich ihm nicht zuttaue — auch nicht absichtlich die Berathung des Sabbaths- Berichtcs und der Ehcgesetze verhindert, so war es. ihm doch wohl lieb, daß es nicht dazu gekommen, wie er denn aus Besorgniß ein anbrcchcndes Schisma zu unterstützen, fichtbarlich nur mit schwerem Herzen die Adresse der Berliner Reformgcnossenschaft annahm und sie im Ganzen so günstig beantworten ließ. — Dazu kommt nun noch ein Umstand, den Ihr Frankfurter /-Correspondent nicht erwähnt, daß cs nämlich von der zweiten Rabbiner-Versammlung sehr gefehlt war, einen Präsidenten zu wählen, der nicht Mitglied der e r st e n war, der ihre Thätigkeit — von der die Protocolle doch nur ein schwaches Bild gebe., — nicht mit eignen Augen anfehen und persönlich sich dabei beiheiligen konnte. Ein solcher würde cs dann schon als eine Ehrensache angesehen haben, dahin zu wirren, daß die Richtung der ersten Versammlung auch in der zweiten obwalte, und daß namentlich nicht über einen Gegenstand so weitläufig dcbattirt werde, der dem Prinzip nach bereits in jener gehörig besprochen worden war, wie die Frage über das hebräische und deutsche Element beim Gottesdienste. Allein jener jugendlich-irische Geist, der so inn'g die große Wunde unserer Zeit, den schmerzvollen W.iderspruch zwischen Lehre und Leben fühlt und ihm abzuhelfcn das lebhafteste Interesse einpfindet, war bei der zweiten Rabbiner-Versammlung leider nicht mehr in dem Grade herrschend, als bei rer ersten; sie hat von dem Vorwürfe eines Mangels an Wissenschaftlichkeit und religiösem Ernste, der ihr von einer gewissen Seite gemacht wurde, eingeschüchtert, der gedachten liturgischen Frage viel zu lange Zeit und der Theorie über Messias, Opfer u. s. w. viel zu sorgsame Erwägung gewidmet; sie hat darüber vergessen, daß die ernsteste Erwägung und die dringendste Hülfe, die Krankheit der Zeit, der unselige Zwiespalt zwischen dem, was sie als den Inhalt unserer Lehre erkennt, und was der Zeiten Unbill dazu gemacht, erfordere; sie hat deßhalb auf die Mahnungen ihrer wackersten Mitglieder wie namentlich Geiger's, doch umfassende praktische Resultate zu liefern, nicht gehört, und die Hoffnungen welche gerade die Besten — und das sind die Entschiedenen und Thatkrästigen — auf sie gerichtet, nicht in dem erwünschten Umfange beftiedigt; ja sie haben diese ihre Schwäche und Unentschiedenheit, ihrer Vorgängerin gegenüber, eben bei der Wahl ihres Präsiventen bekundet, und darum fällt nicht diesem, der nur nach seiner Ueberzeugung gehandelt, das zur Last, was da von der Rabbiner-Versammlung nicht geschehen, sondern dieser selbst, die sich nicht treu geblieben, die „furchtsamen und verzagten Herzens" geworden. Kurhessische Zustände. Aus der Provinz Hanau. Ihr Blatt enthielt vor längerer Zeit eine traurige Schilderung über die jüdischen Zustände in der Provinz Fulda und der betreffende Correspondent brach zuletzt noch in einen wahren Ton der Verzweiflung aus, über den Köhlerglauben und die an's Unglaubliche grenzende Unwissenheit des geistlichen Vorstehers jener Provinz, des Rabbiners in Fulda. Aber was doch für ein tragisches Geschick über der Judenheit meines Vaterlandes zu schweben scheint. Die Provinz Hanau, sonst so gebildet und dem Fortschritte der Zeit zugethan, stellt in Beziehung auf jüdisch-kirchliches Leben auch nur ein ttauriges Bild dar, und auch da ist ebenfalls das geistliche Oberhaupt Schuld, so daß leider! das prophetische 'OX ,-nn D’ynn by (über die Hirten ergrimmt mein Zorn) wohl nirgend mehr Anwendung finden mag, als bei uns. Nicht weil unser Rabbiner Felsenstein auch einen Köhlerglauben hätte, oder sonst unwissend sei. Im Gegentheil er gehörte vor seiner Anstellung zu den strebsamen jüdischen Theologen, und war als aufgeklärt bekannt, so daß ihn diejenigen Frankfurter Gelehrten, welche als höchst freisinnig bekannt sind, uns empfohlen hatten. Aber, weiß der Himmel! es scheint diese Protection der Bcwegungspartei unserem Rabbiner hinterher so fatal gewesen zu sein, daß er's sich vorgenommen, um jeden Preis den Frieden und die R u h e zu lieben. Daher ruhet in der Regel Herr F—n. ein Vierteljahr darauf aus, wenn er einmal sich bewegt, d. h. gepredigt hat; daher läßt er so Alles ziemlich ruhen, d. h. beim

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