Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1845)
- Date
- 1845-09-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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312 und Scandal m-chc.— Sonst ist im jüdisch-literarischen Fache n.chts erhebliches gegen die neuere Richtung erschienen. . . . Doch über eine Broschüre ganz eigener Art muß ich noch einige Minuten mit Ihnen plaudern. Ist sie Ihnen noch nicht zu Gesichte gekommen? Ein Büchlein in Octav; dem Aeußern nach ganz wie der —ibli'sche Orient, schwarzgrqu gebunden, feuerrother TitcE^elbe Größe, dieselben Ränder, kurz ganz dieselbe Physiognomie, nur noch großem Unsinn enthaltend/— Da es in der Welt keinen Zumll gicfct, so ist auch diese Erscheinung kein Ungefähr. Der anonymeMMfaffer — ein zierlicher junger Mensch aus dem Würtembergischen, der, glaube ich, in München studirt und in Brilon promovirt hat ( er hat, wie Herr P h i l i p p so n von dem Rabbiner Fricdländer dort die — Moren u) — will sich als Canvidat der jüdischen Gottesgelahrtheit etwas — Celebrität verschaffen. Um desto schneller zu diesem Ziele zu gelangen, hat er pro primo sein religiöses Spftem verändert, indem er Alle, die cs wissen wollten, mit der merkwürdigen Metamorphose vertraut machte, die mit ihm über Nacht vorgegangen: Er ist nämlich kein — Tempelritter mehr, sondern habe sich mit Leib und Seele der alten Synagoge zugewendet, der er in optima forma von nun an zugethan sei. Pro secuudo aber schrieb er den „ kabbalistisch-bibel'schen -Occident," um die Leute glauben zu machen, da einen solchen Styl nur Herr Bernays haben könne, so müsse auch nur Herr Bernays dieses opuseulum geschrieben haben, folglich werden die zahlreichen Freunde, Verehrer des Herrn Bernays das Buch kaufen, lesen und den Verfasser bewundern; später würde der wahre, der rechte Verfasser auftreten und rufen: „der bibel'sche Occident e'est moi!" und die — Wälder wollenLorbeercn für sich in Anspruch nehmen. — Das ist die Geschichte des Büchleins und seines zum Rabbinis.nus zurückgekehrten Verfassers. Ja, ja, es gicbt allerlei Käuze in der Welt, und Hamburg ist eine Stadt, wo sich das wunderbarste Zeug ereignet: Probenreiter schreiben Bücher gegen die Rabbiner und nicht absolvirte Candidatcn der Theologie wollen sich auf eine wohlfeile Weise — einen Namen machen. — (Schluß folgt). M i s e e l l e. Herr Oberrabbiner Cahn in Trier hat noch vor seinem Abgänge zur zweiten Rabbiner-Versainmlung in ver Hauptgemeinve seines Bezirkes c.ne (nun durch den Druck veröffentlichte) Predigt „Ucber Zweck und Wesen der Rabbiner-Versammlungen" gehalten, in welcher er sich auf fromme, aber doch freimütvige und überall zum Herzen sprechende Weise über jenes Institut änsspricht. Er sagt darin u. A.: .. vexsammeltcn sich — wie ihr wisset — im vorigen Jahre 24 Rabbmer und Prediger, aus freiem Willen, zu Braunschweig — unter welchen auch ich war — um sich gemeinschaftlich nur zu berathen, m wie weit man dem allgemeinen Drange und Wunsche, nach einer zeitgemäßen Verbesserung unseres religiösen Lebens, einer Umgestaltung unseres Gottesdienstes und einer Ausgleichung der Religion mit dem Leben nachgeben müsse und dürfe; um einerseits diesen Drang und diese Wünsche allmählig mit der Zeit befriedigen zu können, in so fern sie nach den Grundsätzen M lehren unserer Religion gebilligt, ja verlangt werden kSMen; andererseits diele — mit aller Kraft abzuweisen und so heftig sie auch damals waren, mit aller Macht dagegen zu wirken, in so fern sie den Grundsätzen und Lehren unserer 'Religion entgegen sind und von dieser nicht gebilligt werden können. Das allein war der Zweck dieser Zusammenkunft, und somit war er auch nur im Interesse unserer heiligen Religion, um diese zu erhalten und zu befestigen, damit alle Israeliten mehr nach und in ihr leben können und werden. Und dieses allein war auch die Richtung und das Wesen der Berathungen aus der ersten Rabbiner-Versammlung." „Dazu möchtet ihr, m. L. noch folgenden Hauptpunkt euch merken: Die Rabbiner und Prediger wollten und wollen in diesen Zusammenkünften sich nur gemeinschaftlich beruhten, keinesfalls aber den Erfolg dieser Berathungen als bindende Beschlüsse weder für sich selbst, noch für Andere, betrachtet wissen, um sie gegen den Willen ihrer Gemeinden gewaltsam einzuführen, wozu sic ja auch nicht die geringste Macht gehabt hätten, die sie auch niemals haben wollen. Die Gemeinden haben sonach durchaus nichts von diesen Versammlungen zu fürchten!" Es ist wohl nicht zu zweifeln, daß diese Aeußerungcn zur rechten Würdigung jenes Instituts in dem Rabbinatsbezirke des wackeren Herrn Versagers beigetragen, und wir wünschen ihnen darum auch in entfernteren Kreisen Eingang und Beherzigung. literarische Anzeige. Demnächst erscheint in unserm Verlage: und ^Aktenstücke der zweiten Rabbiner - Versammlung U. f. w. 20 bis 25 Bogen in 8. 1 fl. 48 kr. od 1 Nrhlr. pr. Cour. Wir hoffen, daß das allgemeine Interesse, welches die Ver- Handlungen dieser zweiten Rabbine,-Versammlungen in so hohem Grade in Anspruch nesmm, uns um so zeitiger zahlreiche Aufträge auf dieselben zuwenven wird, als der Subscripttonspreis von I fl. 48 kr. oder 1 Nthlr. preuß. Cour, mit dem Erscheinen des Werkes erlischt, und sodann der Ladenpreis von 2 fl. 24 kr^ over l'/3 Nthlr. preuß. Cour, eiutritt. Frankfurt a. M., im August 184?. Verlag der I. C. Hermaun'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. - Druck von Frier. Krähe in Offrnbach. E. Ullmann'sche Buch-, Kunst- und Antiquariats-Handlung.