Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1845)
- Date
- 1845-09-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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300 starre Ortlwdorffe nicht durch Gründe zu belehren, und daß man in der Debatte siegen, bei der Abstimmung aber unterliegen werde, während noch ein vermfttelnder Vorschlag dahin ging, man möge auf das Siegel: „Die Versammlung der Rabbiner Deutschlands" setzen, daß aber damit tüchtigen ausländischen Volkslehrern die Thcilnahme an der Versammlung nicht unmöglich gemacht würde, man solle vielmehr den Ausschuß ermächtigen, ausnahmsweise solche zuzulassen. Es ward jedoch beschloffen, daß die Inschrift „Siegel der deutschen Rabbiner-Versammlung"lauten solle. Dieses war der letzte Gegenstand der Verhandlungen. Nachdem der Präsident nun noch der Versammlung, der Obrigkeit, der Gemeinde, dem Vice-Präßventen und den Secretären seinen Dank ansgesprocheu, und tiefer von dein zweiten Secretär (vr. Hirsch) erwiedert worden war und hiernach der Präsident noch einige Worte und ein Gebet gesprochen, wurden die Sitzungen der zweiten Rsbbiner-Versammlung für geschlossen erklärt. —8. Geschichte des Tages. Nabbin er Stein. Vom Rhein. Ich wollte Ihnen eben über ven Präsiventen der zweiten Rabbiner - Versammlung schreiben, mein weither Herr Redacteur! als mir der 5. Brief Ihres Frankfurter f - Correspondenten zur Hand kam. So Manches darin ist mir nun ganz aus der Seele gesprochen, hingegen kann ich mit Anderem nicht übereinstimmen, und Sie müssen mir daher schon der Wichtigkeit der Sache wegen erlauben, auch meine Ansicht in Ihrem Blatte auszusprechen: Zuvörderst — glaube ich — thut Ihr Correspondent dem Rabbiner Stein Unrecht, wenn er von ihm behauptet, er wolle in der Liturgie nur Z u t h a t e n, nicht aber die Entfernung unzeitgemäßer Bestandtheile, die Verkürzung und Vereinfachung des Gottesdienstes. Wäre dieses so schlechterdings der Fall, so würde er in der Rabbiner-Versammlung nicht für den Wegfall der Bitte um Restauration des israelitischen Staates und des Opfer-Cultus, für den dreijährigen Cyklus beim Thora-Verlesen, für die Nichtwiederholung des V"W und der Verse für den “i’DSQ gestimmt haben. Auch widerstreitet sein Votum für die Aufhebung des D’O Verbotes der Behauptung Ihres Correspondenteu, da») „er jedes Verlangen nach Reformen über das Gebiet der Liturgie hinaus für unzeitgemäß halte." Wer jedoch Stein, so wie ich, kennt, dem ist kein Augenblick sein Auftreten in seinem Wirkungskreise, wie sein Benehmen als Präsident der zweiten Rabbiner-Versammlung unklar. Derselbe ist nämlich allerdings ein Mann von vielem Geiste und von einem tief-poetischen, reich begabten Gemüthe. Er ist auch, wie er für sich selbst auf erleuchtetem Standpunkte steht, durchdrungen von der Nothwendigkeit einer Reform im Inventhum und ernstlich bestrebt, dafür mitzuwirken. Allein die rechte wissenschaftliche Höhe, der nimassenve historische Blick, rer prinzipielle Verstand, mittelst dessen man die rechte Stellung des Zu denthums erkennt, seinen Grundgedanken begreif:, und jeder geschichtlichen Entwickelung , wie den verschiedenartigsten Bestrebungen der Gegenwart, ihren rechten Platz einräumt, insonders aber für die größeren Reformbewegungen der Zeit mit allen ihren Schwingungen ergriffen und begeistert wird, gehen Stein ab- Sein poetisches Gefühl, so sehr es auch einerseits seine homiletische Wirksamkeit fördern mag, verhindert ihn ferner auf der andern Seite, so Manches, was sich seinen ursprünglichen Gedanken nach, längst überlebt hat, mit klarem Blicke anzuschauen, und nöthigt ihn, gewisse fromme Gefühle und religiöse Beziehungen h i n e i n z u l e g e n, rezp. ihm anzudichten; beides also, jener Mangel unv dieser Neberfluß machen ihn unfähig, an dem wahren Lebens- Prozesse unserer Zeit, an ihrer tiefsten und innersten Richtung, an der Reform, im entschiedenen umfassenden Sinne, sich so zu betheiligen, wie dieses unsere theologischen Capacitäten, ein H o l d - heim, ein Geiger u. A. thun, und wie Stein, nach der Stellung welche die Frankfurter Gemeinde nach außen einnimmt, zu thun, am er^en das Recht hätte, Dazu kömmt der eigenthümliche Zustand in Frankfurt a. M. selbst. Hier war es durch das vieljährige Wirken erleuchteter Männer längst vaoin gekommen, daß der größte Theil der Gemeinde in Gesinnung und Leben dem talmudifchen Iuventhurn feindlich entgegensteht, ja ein Theil derselben sich förmlich zu einem Verein constituirte, der die Reform bis zu ihrer schärfsten Eonsequen; zu führen versprach. Auf der andern Seite war ein Häuflein starrer Rabbiniten, das sich fortwährend durch die hereinziehenden Lanv-Zuven rekrutirre, fanatisch auf seinem bisherigen Standpunkte stehen und auch der gemäßigsten Reform unzugänglich geblieben. Ein tiefer, feuriger Geist würde fich nun durch einen solchen, der entschiedenen Reform günstigen Zustand, angeregt und erhoben gefühlt haben, er würde von dem Häuflein unverbesserlicher Starren vorläufig keine Notiz genommen, sich hingegen an die Spitze der Fortschreitenden —, welche den achtbarsten und angesehensten Tbeil der Gemeinde, also jedenfalls