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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-14 · Heft 37 (14.9.1845) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 37 (14.9.1845)
Date
1845-09-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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303 ruhig benommen, zu mehrtägiger Gefängnißstrafe. Gleichzeitig reichte der Gemeindevorftanv und ein großer Theil der Gemeindeglieder ein Gesuch bei dem Landesrabbiner vr. Herrheimer ein, die Cohanim von dem Rechte, die Gemeinde zu segnen, fortan auszuschließen. (Auch in einer nicht zum Bernburger Rabbinate gehörigen nahen Gemeinde, hat der Gemeindevorstand den Cohanim die Vorrechte zum Aufrufen und zum Buchenen entzogen, — was ich Ihnen beiläufig als Beitrag zur Geschichte des Untergangs des morgenländischen Reichs der jüdischen Priester hier mittheile.) Es waren auch wieder mehrere Reformen im Gottesdienste durch Anschlag an ver Synagogenthüre vom Landesrabbiner bekannt gemacht. Der Gottesdienst in dem sehr geschmackvollen neuen Gotteshause ist hier feierlicher und erhebender, als ich ihn irgendwo gesehen. Der vortreffliche Chor-Gesang, bei welchem auch das weibliche Geschlecht, jedoch von der Frauen - Abtheilung aus, mitwirkt, wird von Hrn. Wimmelbacher, der schon an den Münchener Synagogen-Gesängen mitgearbeitet, geleitet. Nach dem großen Anklange, welchen die von dem Herrn vr. Herrheimer nach seiner Rückkehr von der Frankfurter Rabbiner-Versammlung in Bezug auf gottesdienstliche Reformen gehaltene Predigt gefunden, unterliegt es keinem Zweifel, daß die Beschlüsse dieser Versammlung in allernächster Zeit in der Brrnburger Gemeinde verwirklicht werden, was um so bemerkenswerther, als in dieser Gemeinde zum Beispiel noch Niemand am Sabbath den Laden öffnet. Daß ich in allen jüdischen Schulen auf meiner weiten Reise Herrheimers Religionsbuch gefunden, erkannte ich als einen bedeutenden Fortschritt der deutschen Juden, daß ich aber bei vielen Pastoren, zu welchen mein Geschäft mich führte, Herrheimers Bibelwerk gesehen, welches sie in Anhalt auf Befehl der Landesbehörde aus den Kirchenkaffen angeschafft haben, erschien mir als ein erfteulicher Fortschritt der deutschen Christen. JJer Mainzer Reform - Verein. Mainz, im August. Mit der in der.deutschen Allg. Zeitung enthaltenen Noitz, als haben sich die hiesigen Reformfreunde in der Form eines Filialvereins der Berliner Genossenschaft für Reform im Zudenthum augeschlossen, hat es folgende» Bewandniß: Im Juli l, I. vereinigten sich etwa 140 hiesige Gemeindeangehörige zu einer Adresse an die Frankfurter Rabbiner-Versammlung, welche insbesondere bezweckte, derselben kund zuthun, daß obwohl der hiesige Rabbinatsverweser unter den 77 figurirt—freilich auch nur figurirt, — dennoch er die hierarchische Anmaßung derselben auch in hiesiger Gemeinde gehörig reprobirt wird. Die Adresse, welche in einem sehr kühlen Tone und ohne große Hoffnungen an den Tag zu legen abgefaßt war, wurde nebst einer angemessenen Geldsendung an das Frankfurter Centralcomitee zur Beförderung an die Rabbiner-Versammlung eingesendet, und zugleich das niedergesetzte Comitee beauftragt, wenn es gelte die Zwecke der Rabbiner-Versammlung anderweitig zu fördern, die Unterzeichner desfalls auch zu jeder andern Zeit zur etwaigen Beschlußnahme zusammen zu berufen. So war gewissermaßen hier der Sache nach ein Verein mit dem bestimmten Ziel „Förderung des Zweckes der R. V." (wofern nämlich der in Vraunschweig in derselben waltende Geist nicht von derselben weiche) schon lange begründet. Ein Mitglied des Comitee's vcranlaßte späterhin Herrn vr. Stern, seine Prinzipien den Unterzeichnern jener Addresse in einem eigenen Vortrage auseinanderzusetzen und da derselbe mit einem die Güte der von ihm vertretenen Sache bezeugenden, dankenswerthen .Eifer sich dazu bereiterklärte, so wurden die Unterzeichner durch das Comitee versammelt. Der Vortrag des Herrn vr. Stern fand allgemeinen Anklang, es wurde eine Sitzung anberaumt, um über die Frage des Anschlusses an den Berliner Verein zu debattiren und in derselben sprach sich die Mehrzahl der Anwesenden für diesen Anschluß aus. Die Mehrzahl der Mitglieder des niedergesetzten Comitee's dagegegen war gegen diesen Anschluß, theils weil sie sich das Dilemma stellte: Entweder soll der Berliner Verein mit der Rabbiner-Versammlung blos fördernd und anspornend parallel gehen, — oder er bezweckt ähnliche Tendenzen wie der Frankfurter Reformverein. Im ersten Falle war der gewünschte Verein schon faktisch vorhanden, im zweiten Falle war kein Grund vorhanden, jetzt zu thun, was früher den Frankfurtern gegenüber nicht geschehen war. Die Comiteemitglieder legten diese ihre Ansicht der Versammlung dar, baten sonach da sie nicht mehr an der Spitze derselben stehen konnten, um die Wahl eines neuen Comitee's. Dazu verstand sich jedoch die Versammlung nicht und die Sache blieb unerledigt. Samson Raphael Hirsch. Von der holländischen Grenze. Kürzlich wohnte ich einmal einer Kopulation des Landrabbiners Hirsch in Emden bei. Da sah ich es denn, was es heißt: Beim Alten halten. Auch nicht das kleinste Zeremonialfehlte. So die Mahn*), welchesch-m das westphälische Consistoripm, bei dem der fromme ^'- 'i Berlin wirkte, vor 36 Jahren abgeschafft hatte zdeßgleichen ras Umwerfen eines welches, wo ein ') Manche Ihrer Leser werden am Ende gar nicht wissen, was das für ein Gebrauch sei. Er besteht darin, daß die Hochzeitsgäste das Brautpaar mit Walzen bewerfen und dabei den Wunsch aucsprcchen „ Dil nE>" was jedoch die Worte bedeuten, muß ich Anstanvö halber verschweigen.

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