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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-14 · Heft 37 (14.9.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 37 (14.9.1845)
Date
1845-09-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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303 Tcauhimmel (nein) eristirt, durchaus keine Bedeutung hat, und ebenfalls schon von jenem geistlichen Collegium abgeschafft worden ist. Allein Herr Hirsch wußte Alles tröstlich zu symbolifiren und hatte da noch seinen „Horeb," übertroffen. So redete er bei der Mahn das Brautpaar mit dem 2D2 nsoi 'n ‘p-Q’» u. s. w. an und ergoß sich in langer Rede über die hohe Bedeutung dieses in Deutschland fast gar nicht mehr gekannten Gebrauches. Das Umwerfen des npö stellte er als Symbol der religiösen Vereinigung und Hingebung, der innigsten und unauflößlichen Glaubensgemeinschaft dar. Und mit dem Anziehen des Ringes sollte der Mann, seiner Erklärung nach zu erkennen geben, daß er all' sein Eigenthum dem Weibe weihe. — Er kam bei dieser Gelegenheit auf die Rabbiner-Versammlung zu sprechen, über welche Herr Hirsch nun seinen Spott hatte, was freilich kein Wunder ist, da nach seiner Meinung, die er auch unumwunden gegen mich aussprach, wir nicht das Recht hätten, „ den geringsten JTUD abzubringen " — Sonst hörte ich viel Gutes über ihn, und insonders soll er sich des Schulwesens kräftig annehmm. — Nur beklagt man sich über sein höchst steifes und schroffes Benehmen seinen Pflegbefohlenen gegenüber. — Vermuthlich will er damit nur das neue Rabbinerthum versinnbilvlichen, das seiner Meinung nach auch schroff und steif dem Alten anhängen soll. — Literarisches. v/tx ro’iWD Hauspostille zur Belehrung und Erbauung für Israeliten, von Moritz Feitel. Leipzig, in Commission bei Fritsche. Unsere Leser werden aus den Berichten in diesen Blättern schon vielfach wahrgenommen haben, daß auch unter unsern Brüdern in Ungarn der Geist sich mächtig regt, daß trotz der Finsterniß, welche die Rabbinen zu Szokotitsch, zu Schachtig, zu Werkofzy, lauter kampfgerüstete Schaaren der 77, zu unterhalten suchen, das Licht doch durchbricht und die Nachtvögel verscheucht. Allein man darf an der ungarischen Aufklärung nicht den deutschen Maßfiab anlegen. Die Bildung hat dort noch nicht die Stadien durchlaufen, durch die sie bereits in Deutschland gegangen; sie ist dort noch, wie bei uns im Anfänge des Jahrhunderts, eine philologische, eine homiletische, over vielmehr freiere exegetische. Davon gibt auch das vorgenannte Schristchen einen Beweis. Es beschränkt sich darauf, bessere religiöse Ansichten auf dem Wege einer fteieren Exegese, einer geschickteren Auslegung der rabbinischen Schriften und insonders stärkeren Hervorhebung, oder vielmehr selbstständigen Entwickelung des sittlichen Kerns derselben zu vermitteln. Zu diesem Zwecke hat der Verfasser die Sprücheder Väter (NQX ’p-iD) gewählt, und die Belehrungen und Er läuterungen, welche er in mündlichen Vorträgen an jeden einzelnen Spruch geknüpft, nunmehr schriftlich dem Publicum vorgelegt. Dieses der Inhalt der Schrift. Was nun die S p r a ch e betrifft, so wird sie dem deuts ch en Leser, der von einer der häuslichen Erbauung bestimmten Schrift eine warme Sprache des Herzens, eine einfache und beredete Diction erwartet, auch nicht beftiedigen Allein unsere ungarischen Glaubensgenossen, bei denen doch die scharfe Berstandesbildung der Polen prävalirt, wird die nüchterne, aber gedankenreiche Diction schon Zusagen und auch die Ein- Wirkung auf ihre religiöse Anschauung kann nur eine heilsame sein, da es der Verfasser versteht, auf eine kluge Weise den rabbinischen Sprüchen eine finnige dem Fortschritt freundliche Deutung abzugewinnen. Hiezu möge nur eine Stelle, wo er das „mirb JPDltfjn" „Machet einen Zaun um das Gesetz, auslegt, als Beleg dienen und den Wunsch rechtfertigen, daß das Schristchen unter unfern ungarischen Brüdern sowohl, als unter unseren deutschen, die noch auf der Stufe teuer stehen, recht zahlreiche Leser finden möge. Jene Stelle lautet: „Aber umzäunt auch das Gesetz, daß sein innerer Umfang und Inhalt nicht über dessen wirkliche Grenze sich ausdehne und nicht ohne Noth verwirrend in das bedeutsame Rav der Gesellschaft eingreife. „Alles, so ich euch befehle," spricht Gott, sollt ihr bewachen und ausüben, nichts hinzugeben und nichts davon wegnehmen." „So wie aus Mißverständniß oder schmählicher Absicht den göttlichen Geboten unberufene menschliche Satzungen anhängen, und der eigentlichen heiligen mündlichen Neberlieftrnng riesenhafte Gewebe eben einverlciben, sündigen wir eben in dem Maße, als strebten wir dahin, denselben Abbruch zu thun." , Der gelehrte M. Steinschneider in Prag hat den Vortrag über die fremdsprachlichen Elemente im Neuhebräischen, welchen er in der Versammlung der Orientalisten zu Dresden gehalten, drucken lassen. Gelehrsamkeit, ein jiefer Blick, Auffassung der Geschichte und ein seltener philologischer Scharfsinn zeichnen auch diese kleine Schrift aus, und rufen auf's Nene den Wunsch hervor, daß der so begabte jugendliche Verfasser nicht, wie andere österreichische Gelehrte, sich nur in die Vorzeit versenken, sondern auch an dem so tiefbewegten Leben der Gegenwart sich bctheiligcn möge.

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