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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-14 · Heft 37 (14.9.1845) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 37 (14.9.1845)
Date
1845-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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301 mation von Deutschland aus, und ist der sie zeugende und belebende Geist ein deutscher. Wenn auch in anderen Ländern Biele nicht mehr im rabbinischen Judenthume leben, und umgekehrt Viele gegen ihre bessre Ueberzeugung durch Verhältniße in demselben festgehalten werden, so find dies mehr vereinzelte Persönlichkeiren; das Bedürfniß einer Reform wie das Bewußtsein einer schon vorhandenen findet fich nur in Deutschland ausgeprägt und ausgesprochen. Die Rabb. - Vers, würde ihren eigenthümlichen Charactcr verlieren, fie würde sich so zu sagen selbst aufgeben, wenn sie Ausländer an ihren Berathungen und Beschlüssen Theil nehmen ließe. — Die Debatte erhob fich jedoch zu dieser unbefangenen Anschauung nicht, die Zweck- oder Unzweckmäßigkeit ward besprochen, einige Sentimentalität zur Schau gestellt, und am Ende nichts beschlossen, angeblich um künftigen Versammlungen freie Hand zu lassen. Freilich hätte eine schon gemachte Erfahrung die Versammlung zu der richtigen Ansicht führen sollen. Wir erzeigen gewiß den polnischen Juden eine Ehre, die fie nicht verdienen, wenn wir ihnen Rappoport als Repräsentanten anweisen. Wohl, dieser hat seine Ansichten über im Judenthume vorzunchmende Reformen der Versammlung in einem besondren, an sie gerichteten hebräischen Schreiben mitgetheilt. Wie wir hören, soll er die größtmögliche Vorsicht bei Abschaffung von Local- Gebräuchen, , empfohlen haben; darüber hinaus versteigt fich das Neuerungöbedürfniß der Judenheit nach ihm nicht; und das geschieht am polnischen grünen Holze. Noch ein andres Beispiel. Sie erinnern sich des mastigen H. Schiller aus Eperies in Ungarn, welcher sich bei den gemeinschaftlichen Mahlzeiten durch seinen vorzüglichen, ganz magparischen Appetit so sehr auszeichnete, nnd den H. Hecht, der Gastgeber, gleichsam als Freund betrachtete? Er war den weiten Weg hergekommen, um als Mitglied an der Versammlung Theil zu nehmen, die ihn jedoch formeller Anstande halber nicht zuließ, eigentlich im Justincte der Selbsterhaltung dieses erotische, heterogene Element abstieß. Er ist Prediger am Wohnorte des H. Leo Holländer, und passirt in seinem Vaterlande wahrscheinlich als freier Denker und Mann des Fortschritts. Er hat nun bei Hunger in Leipzig eine Brochüre gegen die Rabb. - Versaml. erscheinen lassen (*), die ihn selbst im Lichte eines gewöhnlichen Rococo, Bachers, nicht einmal eines modern - romantischen, erscheinen läßt.,— Ungarn hatte int vorigen Jahre selbst eine Rabb. - Versaml., und wir glauben nicht, daß fie einem deutschen College» auf Anmelden die Theilnahme gestattet haben würde. Möge künftighin H. Schiller des Spruchs eingedenk sein: bleibe im Lande und nähre *) Die zweite Rabbiner - Versammlung zu Frankfurt a. M. von Salomon Marcus Schiller. Erstes Heft. Leipzig 1845. dich — mäßig, die Rabb. - Versamml. aber solche ungebetene ausländische Gäste weiter von fich fern halten. Man höre übrigens , was den 77 oder 116 „ hochwürdigen Amtsbrüdern in Israel" dieser ihr dicker Freund zuruft: „In Gott geliebte Brüder! Das Institut der Rabbiner-Versammlung ist ein zweckmäßiges und wohlthuenres, nur ist dasselbe zwei Jahre hintereinander schlecht vertreten,worden. Nicht immer aber werden Männer an seiner Spitze stehen, die sich dem Judenthum entftemdet haben, es wer. den auch solche es leiten, die stark im Glauben sind. Daher kommet u. s. w. Es wird künftiges Jahr eine Rabbiner- Versammlung in Breslau sein, da giebt es noch Männer, die Euch mit offenen Armen entgegen kommen werden, versäumet ja nicht hinzugehen u. s. w. „Der Ungar hat's gerufen, der Pole hat's gehört", aber auch der Deutsche darf es nicht überhören. Zustände in den Anhaltischen Her^ogthümern. Aus Anhalt, im August. Ehe ich meine Reise weiter fortsetze, benutze ich diese Gelegenheit, um Ihnen über das jüdisch kirchliche Leben in den Anhaltischen Herzogthümern Einiges mitzutheilen. In D e ssau, der Geburtsstadt Mendelsohns, steht die Kanzel verwaist, die Gemeinde hirtenlos da, dort ist kein Rabbiner, kein Prediger, keine Reform im Gottesdienste. Nur für das vorjährige Schebuothsfest und den Zerstörungs-Jerusalems- Tag hat der Vorstand einige Reformen eingeführt, die er fich von dem Bernburger Rabbiner bezeichnen ließ. Doch regt sichs auch dort jetzt. Denn so eben lassen die Vorsteher eine Aufforderung circuliren, um eine Synagogen- und Culiusorrnung zu erzielen. Auch beabsichtigt man, einen Chor-Gesang beim hiesigen Gottesdienst nach dem Muster des Bernburger, jetzt einzurichten. Tie synagogalen Einrichtungen zu Bernburg regen überhaupt alle Gemeinden der Umgegend au. Auch in Cöthen gehts besser als sonst. Denn der hochbejahrte Gemeindevorsteher, der als Repräsentant des ganzen rpiy gelten kann, hat es sogar zugegeben, daß in der Synagoge am Sabbath — die rnäQ nicht mehr verauctionirt werden sollen. Ob diese Umwandlung eitles jüdischen Lichtfeindes dem Einfiusse der hiesigen Hauptversammlungen protestantischer Lichtfreunde zuzuschreiben sei, weiß ich nicht. In Bernburg war während meines dafigen Aufenthalts außerordentliche Bewegung unter den Juden. Die Behörde verurtheilte nämlich so eben die die, weil man fie nicht mehr zum Ausrufen zur Thora bevorrechtete, fich beim Gottesdienste un-

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