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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-14 · Heft 37 (14.9.1845) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 37 (14.9.1845)
Date
1845-09-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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*98 drücken; deßgleichen die, welche die Opfer als Selbstzweck bezeichnen. Sieskind: Möge man auch den Opfern auf die scharfsinnigste Weise Ideen unterlegen; immer würde man darauf kommen, daß sie nur Akkomodation seien. Die Bibel habe sie schon vorgcfunden und zwar stark in dem Bewußtsein des Volkes wurzelnd und darum auch bestehen lassen; für uns aber haben sie keinen vernünftigen Grund. Deßhalb eristire schon in den Propheten eine zwiefache Ansicht, die eine, welche sich gegen die Opfer ausspreche, die andere, welche sich über sie erbebe. Ein Gleiches sei im Talmud der Fall, welcher ja auch lehre: nm p hdö mina poiyn to Das het mno vnpon rva komme nur bei denjenigen Talmudisten vor, welche unmittelbar nach Zerstörung des Tempels gelebt, nicht aber bei den spätem; woraus hervorgehe, daß diese nicht an die baldige Wiederherstellung des Tempels glaubten. Er stimme nun zwar für die Beibehaltung'der sammtlichen Mussaphim, damit man sich an die Bibel anschließe; die Bitte um Wiederherstellung der Opfer sei aber auszuscheiden, und hin, gegen das Gebet ausdrücklich als voller Ersatz der Opfer zu bezeichnen. Phllippson: Er sebe in der Ausführlichkeit dieser Debatte das Charakteristische der Versammlung; sie beurkunde die weise Erwägung und den frommen Sinn der Versammlung und begegne dem Vorwurfe einer leichtsinnigen Reformsucht. Die Kluft zwischen unserer Zeit und jener, wo die Opfer stattgefunden, sei groß; allein das Zeitbewußtsein für sich genüge nicht. Es frage sich, in welchem Verhältniß stehen wir hier zum Talmud, zur Schrift u. s. w.; es mußte sich berausstcllen, ob wir beim Buchstaben der Lehre bleiben, oder ihrem Geiste folgen. Maimonides finde in den Opfern eine Concession an die heidnischen Gebräuche. Das sei falsch; sie seien vielmehr eine Akkomodation an das damalige geistige Leben gewesen. Der Opfer-Cultus sei Symbol des geistigen Lebens gewesen; man breche daher nicht mit dem Talmud, wenn man ihn entferne. Der Opfer-Cultus habe in der symbolischen Form das dargestcllt, was im Innern vorgcgangen, die Reinigung des Herzens. Die Zdcc der Opfer sei nicht bie Sühne mit Gott, sondern die Auflösung des Geistes vom materiellen Leben und seine Erhebung zu Gott. Dieses wurde im Brandopfer (n^y) ganz zur Anschauung gebracht. Rach der Versöhnung des Menschen trat das Sünd- und Schuld-Opfer (dew nam) ein. — Das symbolische Leben sei aber in der Menschheit erstorben und an seine Stelle das Gemüthsleben getreten. Das Symbol habe nun im Gebete seinen Ausdruck erhalten; was auch der Talmud lehre, indem er das Gebet an die Stelle der Opfer gesetzt und ihm gleiche Bedeutung beigelegt. Die äußeren Fakta, namentlich die Zerstörung des Tempels, haben das Symbol nicht unterdrückt; sondern das Wort habe nur eine größere Firirung erhalten. Es starb aber auch dieses ab und trat dafür die Herrschaft des. Gedankens ein, besonders seit der Erfindung der Buchdruckerkunst. Zn der Mitte des vorigen Jahrhunderts sei diese Herrschaft des Gedankens auch im Zudenthum eingerreten, und das Charakteristische unserer Bestrebungen sei gleichfalls die Entfesselung des Gedankens von der Herrschaft des tobten Buchstabens. Der menschliche Geist müsse aber in seiner weiteren Entwickelung immer ein Residuum des früheren mit hinüber nehmen. Im Thalmud sei nun das Lesen der Opferstellen das Residuum und so müsse es auch jetzt in der Synagoge sein. Die Bitte um Herstellung des Opferdienstes möge also immerhin Zurückbleiben , hingegen die Erinnerung an die früheren Opfer beibchalten werden. Eben so müsse er für die Beibehaltung des Mussaph in der Bedeutung eines Schlnßgebetes nach der Predigt stimmen. Es leuchte mithin ein, daß wir durch Entfernung jener Stellen keineswegs mit dem Talmud brechen, sondern vielmehr damit seine historische Berechtigung anerkennen, wie wir sie mit demselben Rechte für die Phase unserer Bildung Anspruch nehmen. Cahn: Wenn mehrere Redner glauben, man müsse durch Abschaffung der Opfer den Talmud opfern, so sei dieses falsch, da ja nach der Bibel selbst die Opfer nur eine Akkomodation seien, doch nur in dem Sinne, daß sie dieselben beibehalten, um dem Monotheismus Eingang zu verschaffen und das Heidenthum zu stürzen. Ursprünglich seien also die Opfer dem Monotheismus entgegen. Diese Ansicht gehe auch durch die ganze Prophetie und als Salomo« jenes schöne Gebet bei der Tempel-Einweihung gesprochen, habe er immer nur der und runn Erwähnung gethan, was beweise, daß schon damals die Opfer nicht mehr als heiligend angesehen wurden. Haben nun auch die Propheten die Opfer

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