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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-07 · Heft 36 (7.9.1845) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 36 (7.9.1845)
Date
1845-09-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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294 thums vorhanden ist, so ist es gewiß in der unsrigen, und doch hat dich selbst unter den sogenannten Geigerianern bereits eine entschiedene Abneigung gegen die Einstihrung der von der Rabbiner- Versammlung getroffenen liturgischen Abänderungen ausgesprochen, so daß nicht einmal an eine theilweise Verwirklichung derselben zu denken sein wird. Die Orthodoxen wurden aber dermaßen aufgebracht , daß sie selbst zu dem verzweifelten Mittel gegriffen, dem so zweideutigen oder vielmehr längst erkannten Oberrabbiner Frankel eine Dankaddresse für seine Ausscheidung zu überschicken.' Daß aber die Freunde durchgreifender Reformen mit den Ergebnissen der zwecken Rabbiner - Versammlung gar nicht zufrieden sind, versteht sich wohl von selbst. Wird es aber in andern Gemeinden viel besser fein? ich glaube nicht. Es ist gerade der Gottesdienst das eigentliche Gemeingut aller Gemeindeglieder, und Abänderungen in demselben müssen die Zustimmung des möglichst größten Theils derselben gewinnen; es machen sich hier die Lokalverhältniffe, ererbte Anschauungen und vieles Andere so sehr geltend, daß sich keine allgemeine Normen für alle Gemeinden feststellen lassen, sondern es jedem einzelnen Rabbiner überlassen bleiben muß, im Einverständniß mit seiner Gemeinde die nöthigen Reformen vorzunehmen. Denn selbst diejenigen, welche für die radikalste Reform des Gottesdienstes sind , mögen es doch nicht sehen, daß die Reform von der Rabbiner-Versammlung ohne Weiteres vorgenommen werde, sie wollen auch selbst erst befragt sein. Die Rabbiner-Versammlung hätte daher eben aus praktischen Rücksichten nur die Prinzipien des jüdischen Gottesdienstes feststcllen sollen, den einzelnen Rabbinen es aber anheimgeben müssen, diesen Prinzipien in ihren Gemeinden unter den gegebenen Bedingungen Geltung zu verschaffen. Zudem steht der Gottesdienst bereits in den meisten deutschen Gemeinden sehr verbessert da, während die andern Theile des Judenthums noch auf dem Standpunkte des R. MoschehJsserles sich befinden! Die zweite Rabbiner-Versammlung hat die wichtigsten Lebensfragen unter dem.Vorwände des Zeitmangels aufgeschoben; es ist aber nicht zu begreifen, daß die Rabbiner über diese Lebensftagen noch keine durchdachten Urtheile haben sollten, so*daß noch besonders viel Zeit dazu gehörte, ehe sie auch nur in Verhandlung genommen werden könnten. Welcher Rabbiner hat sich z. B. die Prinzipien des Sabbaths noch nicht zur Klarheit gebracht? Warum mußte der Sabbathbericht Geiger's aufgeschoben werden? Die Aufgabe der Rabbiner-Versammlung scheint mir eine zwiefache zu sein. Die Rabbiner haben die Lehre des Judenthums in ihrer Hand und sie sollen sie dem Volke in ihrer Reinheit zeigen; sie sind aber auch prattische Geistliche und sind ihren Gemeinden besonders verpflichtet, sie müssen die eigenthümlichen Bildungsgrade und Bedürfnisse derselben besonders berücksichtigen und vertreten. In dieser doppelten Eigenschaft der Rabbiner als Volkslehrcr und als praktische Geistliche müßte nun auch die Rabbiner-Versammlung vor Allem bestrebt sein, die Prinzipien des Judenthums in unzweideutiger und verständlicher Sprache dem Volke darzulegen, und dann die verschiedenartigen Bedürfnisse und Forderungen der verschiedenen Gemeinden soviel als möglich aus der Gesammtlehre des Judenthums heraus zu befriedigen. Bei diesem letztem Geschäfte müßte sie aber nicht selbst in alle Details eingehen, sondern bei den allgemeinen Bestimmungen stehen bleiben und die weitere Ausführung den einzelnen Rabbinen überlassen. Die erste Rabbiner-Versammlung hat es mit der Lösung der ersten, wichtiger» Seite ihrer Aufgabe angefangen, und ihre Wirkungen nach Innen und Außen waren unermeßlich; die zweite Rabbiner- Versammlung hat sich eine ganz andere Aufgabe gestellt / und wir wollen die Erfolge abwarten. — Da Sie keine langen Correspondenzen lieben, so will ich meine heutige Mittheilung hiemit schließen, werde aber, wenn Sie erlauben, ein andermal meine Bemerkungen fortsetzen. Die Pfälzischen Rabbiner. Aus der baierischen Pfalz*) Während aus fast allen Gauen Deutschlands eifrige, die hohe Bedeutung ihres Berufes würdigende Männer in Frankfurt a. M. zusammentreten, um dem Judenthum eine zeit- und vernunftgemäße Gestaltung zu geben, in der es fähig ist eine veredelnde Wirkung auf seine Bekenner auszuüben, während diese wackern Männer für die geistigen Interessen ihrer Glaubensbrüder keine Opfer scheuen, treten auch unsere pfälzischen Bezirksrabbiner zusammen, Männer von wissenschaftlicher Bildung, um — ihre pecuniären Interessen zu befördern. Das Amtsblatt Nr. 35 vom 18. Juli gibt davon Kunde. Diese Herren haben sich vereint an die K. Regierung gewendet, um die Feststellung der in Casualfällen zu erhebenden Taren. Dies wäre nun an und für sich durchaus nichts Tadelnswerthes. Allein nicht will es mir in den Kopf, daß für einen Schetar Chube, Chaliza und für Dimifforialschein, d. h. für jeden dieser 3 Akte 2 fl. 48 kr. außer den Reisekosten bezahlt werden sollen daß für bloße Begleitung einer Leiche, ohne Leichenrede (Ist das auch ein Casualfall?) Gebühren bezahlt werden, dann daß für die *) So scharf dieser Artikel ist und so vortheilhaft bekannt uns das Sweben einiger Pfälzischen Rabbinen ist — wir brauchen nur den wackern Grünbaum in Landau zu nennen,-so konnten wir ihm gerechterweise doch die Aufnahme nicht versagen, zumal da er uns von sehr achtbarer Hand zugekommen. D. Red.

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