Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-07 · Heft 36 (7.9.1845) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 36 (7.9.1845)
Date
1845-09-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2566964-2567000--1612-2569406
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Consirmation wieder solche festgesetzt werden sollen, ein Umstand, der dieses noch ganz junge Institut, wieder verwehen kann, da der gemeine Mann in diesem nur eine neue Steuer, dem Rabbinate dargebracht, und dcßwegen von Letzterm erngeführt, erblicken würde. Und damit noch nicht genug, sondern man will schon den Neugebornen das Blut ausfaugen, denn die pfälzischen Rabbinen lassen sich eine Taxe von 1 fl. 30 kr. festsetzen für eine Beschneidung, wenn Erstere von den Eltern zu dieser blutigen Operation requirirt werden. Man fragt .sich hier unwiükührlich, wie kömmt auf Einmal die Beschneidung in die Hände der Rabbiner? Haben diese etwa auf den Univerfiiäten sich die dazu nothwendige techniiche Fertigkeit erworben? And mit welchem Rechte fodert man eine Gebühr für eine Beschneidung, die doch bisher im Iudenthum nie gang und gebe .war, im Gegentheil würde es jeden Mohel beleidigt haben, wenn man ihm diese »“PSD hätte bezahlen wollen? So fragt und klagt man von der einen Seite. Bon einer andern Seite fragt man sich: 1.) Warum besuchen unsere Rabbiner nicht die Rabbiner-Versammlungen, und wenn der Besuch derselben von Oben untersagt ist, was doch blos eine Folge verdächtigender Denunciätionen einiger lichtscheuer Altbayern ist. warum suchen sie nicht vereint diese Denunciationen durch eine klare Darstellung ves wahren Zwecks dieser Rabbiner- Versammlungen bei Sr. Maj. dem Könige zu entkräften, und wenn dieses geschehen, in irgend einem jüdischen Organe ihren Gemeinden von dem gethanen Schritte Rechenschaft zu geben? 2. ) Wenn denn doch einmal von der Beschneidung bei Hoher K. Negierung die Rede war, warum deckte man nicht die Fehler des bisherigen Verfahrens bei dieser Operation auf. die, von rohen Händen geführt, allerdings diejenigen Nachtheile hat, die Bcrgson in seinem trefflichen Buche so wahr beschreibt, wovon Ref. aus eigener Anschauung viele Beispiele aufzählen kann, und ersuchte Hohe K. Reg., diesem nicht blos religiösen sondern auch chirurgischen Akte den nöthigen Medicinial - polizeilichen Schutz zu gewähren, etwa dadurch, daß man die Beschneidung den Händen approbirter Mohelin, oder den in der Pfalz praktizirenden jüdischen Acrzten, wo solche sind, übergebe? *) 3. ) Wenn denn doch Gemeinfinn unter den pfälzischen Rabbinern besteht, warum traten drei von den Herrn nicht zusammen, als ihr vierter College von dem rohen jüdischen Pöbel verfolgt und bei Hoher K. Regierung denuncirt wurde, weil er ein Stückchen Fisch an einer christlichen Tafel gegessen hatte? War hier die Vertheidigung schwieriger, als Ihr es vertheidigen könnet, für eine Beschnei. *) Dasselbe ist kürzlich durch eine Verordnung der oberen Sanitätsbehörde im Großherzogthum Weimar geschehen. Zn derselben ist auch vorgeschrieben, daß der Beschneidung eine Untersuchung des Gesundheits-Zustandes des Kindes hinsichtlich der Zulässigkeit der Operation, sowie auch des Beschneiders durch einen zur ärztlichen und wuudärztlichen Praxis Berechtigten vorausgehe. D. Red. düng Euch bezahlen zu lassen. Dort jedoch zöget Ihr die Finger zurück, weil Euch kein reeller Nutzen vvrleuchtete, obgleich Ihr an Achtung ungemein gewonnen hättet, hier aber galt es die Casualien zu vermehren. vixU Miseellen. Nach einer brieflichenMittheilung desHrn. vr. Adler, Rabbiners zu London, hätte er in der dortigen jüdischen Gemeinde größre sogenannte Frömmigkeit, die Erziehung und Schulen hingegen mehr vcrnachläßigt gefunden, als in irgend einer größern Gemeinde Deutschlands. Dieselbe Wechselwirkung konnte man auch vor etwa sechzig Zähren bei den deutschen Zuven noch wahrnehmen. Am das Rabbinat zu Hannover bewerben sich mit ungefähr gleicher Aussicht auf Erfolg, der Religionslehrer M. Frensdorf daselbst, und der Rabbiner M. Schott zu Randegg; der eine zählt beiläufig so viele Anhänger in der Gemeinde als der andre. Bon denen des Letzten, wo nicht gar von ihm selbst, scheint die Dankaddresse an Hrn. Frankel angeregt worden zu sein. Da nemlich Hr. Schott die große Retirade auch mitgemacht, so gebühre ihm, meint man, gleichfalls Dank, und als Belohnung das grade erledigte dortige Rabbinat. Dieses geschickte Wahlmannöver war die polnische Partei zu Breslau, die keine Wahl hat, ungeschickt genug nachzuahmen; sie hat Hrn. Frankel ebenfalls bevankaddreffet; als ob ihr Herr Tiktin fich von andrem zurückgezogen hätte als vom Geschäft! Zm Verlage -der Universitäts-Buchhandlung zu Königsberg ist eine kleine Brochüre erschienen, unter dem Titel: „Die Reform im Zudenthume. Aufruf an die denkenden Zsraeliten Königsbergs zum Anschluß an die deutsch-jüdische Kirche". Der Schluß-Paragraph giebt in der Ueberschrift deren Endzweck dahin an: „Darum ist es die Pflicht jeder aufgeklärten und wohldenkenden jüdischen Gemeinde, dem Beispiele des Berliner Reformvereins zu folgen". Sie ist mit scharfen Anmerkungen gegen den Talmud versehen. aber mehr, im Geiste des Frankfurter als des Berliner Reformvereins verfaßt. Zu Rotterdam ist das Schreiben des Hirsche! Lehren gegen die vorjährige Rabb.-Bers. (Nro. 7 d. Bl. u. Jahrg.) in holländischer Uebersetzung mit kritischen Bemerkungen im Drucke erschienen; auch dieser Prophet gilt nicht in seinem Vaterlande! Es hat fich inzwischen auch herausgestellt, daß Elias Abraham Prinz welcher das Schreiben mit Unterzeichnete, nicht mehr und nicht weniger ist — als Synagogendiener zu Amsterdam; derselbe hielt sich zur Zeit der diesjährigen Rabb.-Vers. in geheimer Mission zu Frankfurt a. M. aus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.