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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-07 · Heft 36 (7.9.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 36 (7.9.1845)
Date
1845-09-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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sss sprechen, wie die Fragen aufzufassen seien, nämlich: 1) Solle die Erwähnung der Opfer ausgeschieden werden? 2) Soll das Muffaph selbst entfernt werden? Seine Meinung werde dann dahin gehen, daß nur das Muffaph von vnn ausgefchieden werde, nicht aber das der übrigen Feste. Reiß: Er hoffe nicht durch seine winzigen Worte die Versammlung eines Anderen zu belehren. Da indeß alle Redner vor ihm Anträge an den Tag gelegt, welche weiter als der Commissionsbericht gehen, so wolle er auch seine Ansicht aussprechen: Der Vorwurf der Werkheiligkeit, welchen man dem Talmud mache, sei durchaus falsch. Das Ziel des Iudenthums bestehe in der Veredlung des ganzen Lebens; daher müsse es auch Vorschriften für den Leib, Zeremonien, geben. Zu diesen gehören indirect die Opfer. Gehe man daher gegen die letzteren zu Felde, so fallen alle religionsgesetzlichen Vorschriften. Die Opfer waren nicht Selbstzweck, sondern drückten die Hingebung des Menschen gegen Gott aus. Durch das Beten erreiche man nach dem Talmud das Ziel, welches die Opfer beabsichtigten. Man breche also allerdings mit dem Talmud, wenn man die Opfergebete nicht wolle. Gleichfalls dreche man durch Entfernung der Muffaph- und Opfergebete mit demjenigen Publikum, welches hier nicht vertreten sei; Man definire demnach das Mussaph-Gebct so, daß es bei Keinem Anstoß finde, und lasse die Bitte um Wiederherstellung der Opfer weg; oder besser, man lasse diese Gebete leise beten. (Schluß der Debatte über die Opfer in der nächsten Nummer.) —s. Geschichte des Tages. Kriefe über die zweite Nabbiarr-Versammtung. (V.) Stein. / (Frankfurt a. M., im August.) Wir haben irgendwo eine Versammlung von Gelehrten zu einer blos von Verkäufern besuchten Messe verglichen gefunden, wo es jedem nur darum zu tbun, die eigenen Artikel anzupreisen. Dies ist uns bei den Diskussionen der Rabb.-Vers. lebhaft wieder eingefallen. Man glaubte über das Unbedeutendste sich, gewöhnlich weitläufig, vernehmen lassen zu müssen, dadurch ward viele kostbare Zeit'unnütz vergeudet, und so kam es, daß man über die Liturgie am Ende nicht hinauskam. Um der Wahrheit treu zu bleiben, müssen wir jedoch dem Präsidenten, Herrn Stein, seinen Antheil an diesem Verschulden zuweisen, was nicht weniger einer Geschicklichkeit als einer Ungeschicklichkeit desselben beizumessen sein dürfte. Letzte war entschuldbar; Herr Stein, welcher vielleicht noch niemals Gelegenheit gehabt, den öffentlichen Sitzungen einer berathenden Versammlung beizuwohnen, gewiß aber nicht einer solchen zu präsiviren, bewegte sich in dem ihm angewiesenen neuen Wirkungskreise mit ziemlicher Sicherheit, und war bei seinem nicht unbedeutenden Rednertalente niemals um Worte und um den richtigen Ausdruck verlegen; nur bei der Fragestellung war er weniger glücklich, wovon unser zweites Schreiben (Nro. 33) ein Beispiel erzählt; auch hatte das ungeeignete Spalten der Fragen gleich ungeeignete Unterbrechungen der Redner, wenn sie sich seiner Meinung nach von der Frage entfernt hatten, seinerseits zur Folge. Darüber entstand nicht nur gewöhnlich ein (Streit, der mehr Zeit hinwegnahm, als die unterbrochene Rede in ungestört«: Fortsetzung hinweggcnommen haben würde, sondern es veranlaßte eine, wenn auch vorübergehende, Mißstimmung sowohl der Redner als des Auditoriums, welches letzte, als der Präsident eines Nachmittags Geiger auf solche Weise inmüten eines beredeten Vortrags unterbrach, die Aeußerung seines Mißfallens kaum zu unterdrücken im Stande war. Doch kam Herr Stein darüber bald zu besserer Einsicht und unterließ diese unzeitigen Unterbrechungen der Redner. Es wird aber demselben ziemlich allgemein zur Last gelegt, er habe absichtlich verhindert, daß zum wenigsten noch über einen der beiden ausgearbeiteten Commissionsberichte, die Sabbathfeier und das Eherecht betreffend, discutirt und Beschluß gefaßt worden, und diesen Vorwurf halten auch wir für nicht unbegründet. Hr. Stein huldigt zwar dem Fortschritte, jedoch nur in soweit derselbe zu seinen Fähigkeiten und Neigungen paßt, er will Reformen im Zudenthum, aber keine Reform des Zudenthums. Er ist ein guter Prediger und hört sich gerne reden; er dichtet Lieder und hört sie gerne fingen; er reprasentirt gut unv liebt das Aeußerliche. Der alte Gottesdienst mit seinen feststehenden Gebeten, ohne deutsche Predigt, ohne deutschen Gesang, ohne äußeres Gepränge. der den Rabbinen so gut als ganz unbeachtet läßt, konnte unmöglich bei ihm in Gunst stehen; Abänderungen desselben fand er überaus wünschenswerth, und, wie jeder, der seine Vorliebe für einen Gegenstand befriedigt sieht, gewöhnlich nicht begreifen kann, daß andre dabei nicht gleiche Beftiedigung empfinden, so auch Hr. Stein; er hält so ziemlich jedes Verlangen nach Reformen, über das Gebiet der Liturgie hinaus,

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