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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-09-07 · Heft 36 (7.9.1845) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 36 (7.9.1845)
Date
1845-09-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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»90 daß schon die MessiaSftage zu einer Arena der Diskussion gemacht worden wäre, da ja die Bibel deutlich diese Idee auch in politischer Beziehung ausspreche. Was biblisch sei, müsse Aber zur Norm dienen, mag auch das Bewußtsein der Mehrheit unserer Glaubensgemeinde dagegen sein. Eine gleiche Bewandniß habe es mit den Opfern, deren Darbringung ausdrücklich von der Schrift gefordert werde. Iolowitz: Gesetzlich nothwendig sei nun einmal das Mussaph-Gebet und habe dasselbe auch im Volksbewußtsein eine Bedeutung, wenn gleich nur eine symbolische. Treuenfels: Die Propheten sprechen nur aus, daß man die Opfer nicht als ein Wesentliches ansehen solle. .Hingegen äußern sie Nichts darüber, daß sie auch im Messiasreiche fortbestehen sollten. Er stimme daher für die Weglassung der Stellen, welche die Bitte um Wiederherstellung des Opferdienstes enthalten, nicht aber für die Abschaffung der Mussaphim. Hirsch: Es gebe dreierlei Ansichten über die Opfer. Indem ich opfere, bringe ich Gott etwas Reelles dar, und Gott wolle auch etwas. Das sei die heidnische Ansicht. Nach der anderen habe man die Opfer nur sinnbildlich zu nehmen, und nach der dritten müsse man opfern, weil es eben Gott geboten. Kain habe ein materielles Opfer bringen wollen; Hebel ein sinnbildliches. Moses habe nun die O^rung durch den Priester angeordnet, damit nicht tyc Begriff Gottes als eines bedürftigen Wesens im Volke Wurzel fasse. Der Talmud hingen betrachte die Opf^r rein als Gottes Gebot, /syn^ weitere Bedeutung. ' Daher das wnrain mrjji? pm u. a. m. Er (der Redner) huldige der sinnbildlichen Auffassung und müsse ssch daher für die Ausscheidung der -Opfergebete aussprech^n. Er thue dieses mit denuKü^n Bewußtsein, daß er dadurch mit dem ganzen TM^ud^breche. Salomon: Er traue bau Aussprüchen der Schrift mehr, als allen philosophieren Theorieen. Der Herr selbst habe aber gesagt: Ich verlange Liebe und kerne Opfer (ro? vbt vsan idd). — Die Versammlung aber, da sie indirect in der Messiasfrage den Opferdienst verworfen, müsse nothwendig auch sich für Abschaffung der Muffaphgebete erklären; denn wenn kein -ran, wie dann eine Inkonsequenz, welche schon vor 25 Jahren ->siv hpö '-> der Hamburger Tempelgemeinde vorgeworfen. Formstecher: Man könne das Muffaph-Gebet nicht aufgeben, da das Mussaph-Opfer von der heiligen Schrift gefordert werde; auch erheische dieses die Pietät gegen das Bestehende; er stimme daher für die Beibehaltung des Mussaph in dem Sinne einer angemessenen Zugabe des Festgottesdienstes. Hold he im: Bon den Opfern handle das ganze dritte Buch Mosis und mit ihnen hänge auch das ganze Zeremonialgesetz zusammen. — Da die Versammlung aber die Rückkehr nach Palästina verworfen, so habe sie sich damit auch gegen die Herstellung des Opferdienstes erklärt; denn sonst müsse man zurückkehren, um den Altar einzurichten und den Opferdienst wieder herzustellen. — Auf dem gesetzlichen Standpunkt des Pentateuchs sei die Ansicht von der Sühne durch Opfer vorherrschend. Ein reiner Wandel vor Gott genüge hier noch nicht, sondern es müssen Altar, Priester und andere Aeußerlichkeiten hinzutreten. Die Propheten haben gegen diese Ansicht angekämpft; allein die Idee der Verehrung Gottes durch reine Sittlichkeit habe erst dann sich Bahn brechen können, als Gott Tempel und Altar zerstört; denn da von da an nur ein innerer Dienst übrig geblieben, so müsse auch dieser genügen. Der Talmud erkenne jedoch demselben nur eine stellvertretende Bedeutung zu und gebe daher die Hoffnung auf Herstellung des Opferdienstes nicht auf; er schreibe sonach der sittlichen Freiheit einestheils eine Macht zu, während er anderntheils noch an jener Aeußerlichkeit festhalte. Wir seien jedoch auf dem Standpunkt angelangt, wo wir über die wahre Rechtfertigung des Menschen zur Verständigung gekommen. Auch dem orthodoxen Bewußtsein widerstrebe der Opferdienst; und Einer, der dieser Richtung angehöre, und wohl auch die Macht besitze, uns nach Palästina zu bringen, würde, obgleich er diese freien Aeüßerungen schwerlich billigte, dennoch vor einem blutigen Opferdienst zurückschrecken. — Es sei ferner wohl wahr, daß wir durch Beseitigung der Opfergebete mit dem Talmud brechen; aber es sei eben so wahr, daß unser Bewußtsein ein solches wäre, zu welchem die einseitige Anschauung des Talmuds sich nicht erheben konnte. — Allein da die Abschaffung der Mussaphim bei Vielen Aergerniß Hervorbringen werde, so könne er sich nicht für dieselbe erklären, sondern schlage vor, daß

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