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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-31 · Heft 35 (31.8.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 35 (31.8.1845)
Date
1845-08-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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287 Auf die Rabbiner-Versammlungen konnte man freilich von hier aus damals den Blick nicht richten, da es von andrem abgesehen deren noch nicht gab; die Berufung einer Synode war nirgends ausgeschlossen, das Reformbedürfniß nicht nur, sondern, was mehr und der Wahrheit gemäßer, der tatsächlich bereits vorhandene Ne formbestand ward bethätigt und in die bekannten drei Sätze gefaßt, gegen welche die Rab.-Vers. nicht länger etwas einzuwenden haben kann. Den hiesigen Reformfreunden, an ärgeres gewöhnt, kommt es begreiflich auf einen solchen Seitenhieb mehr nicht an, insbesondere uns nicht; Kaue veoiam damus petimusque; aber eine Versammlung, noch dazu eine Rab.-Vers., sollte vorsichtiger in Beurtheilung, genauer in Würdigung der Verhältnisse sein. Rothschild, /euchtwangen. (Cassel, im August.) In Nro. 52 des vorigen Jahrgangs Ihres Blattes wird von dreien Bären des Hrn. von Rothschild berichtet; wohl, Pätz Nro. 4, ist im Anzuge. Seit dem Ableben des Hrn. vr. R o m a n n ist unsre Gemeinde ohne Rabbiner. Nun hat vor einiger Zeit das Haus Rothschild für unsere Regierung ein Anlehn negocirt, bei dem es sich nicht übel befunden haben soll, jedenfalls besser als seine Abnehmer. Seitdem hat es uns seiner Aufmerksamkeit gewürdigt, und will sie durch Zuwendung eines baierifchcn Rabbinats-Canvidaten bethätitigen. Dieser, ein Hr. Feuchtwangen, bewirbt sich um unser erledigtes Rabbinat und ist mit Rothschild'schen Empfehlungs- Schreiben gut versehen. Die hiesige Gemeinde hat sich aber mit Entschiedenheit gegen denselben erklärt, unter anderm weck sie nicht Lust hat, sich vom alten Rothschild einen Rabbinen aufbinden zu lassen. Recht geschähe es uns schon, wenn es uns mit einem solchen erginge, wie nach dem Sprichworte jedem, der lange wählt; allein darum har sich Roth sch lld nicht zu kümmern, der überhaupt besser thäte, von seinem Gelde statt von seiner Frömmigkeit unter die Leute zu bringen. Im übrigen dürfte die Geschichte dieser Sedisvacanz höchst anziehend und belehrend sein. Paierische Zustande. Vom Main. Wie es bei uns ausfieht, mein werther Herr Redacteur, davon haben Sie keinen Begriff. Jeder Aufschwung des Geistes ist gelähmt, Nichts kann aufkommen, was nur im Entferntesten an Reform, an Verbesserung grenzt, weil alles dieses von oben herab verpönt, gemißbilligt wird. Gewiß aus den wohlmeinendsten Absichten, denn unsere Regierung ist eine weise, väterliche, die dem Gemüthe seinen Frieden erhalten, die es nicht durch Skepsis mit sich selbst entzweien möchte; die nicht zugeben möchte, daß unter ihren Bürgern Forderungen und Ansprüche erwachen, welche eine weise, die geschichtlichen Fortschritte liebende, die Zukunft mtt der Vergangenheit vermittelnde Regierung nicht zugeben kann. Zn Beziehung auf die reformatorischen Bestrebungen im Iudenthum ist sie aber offenbar im Irrthum. Hier übersieht sie, daß dieselben nur zum Ziele haben, den Geist der ursprünglichen, uralten Lehre wieder unter ihren Bekennern zu erwecken, und dieNeologie des mittelalterischen Rabbinismus zu entfernen, durch welche der Geist in todte Formen erstarrte, durch welche die innige das ganze Gemüth beherrschende Religiosität untergraben und der Israelit verhindert ward, sich so recht, wie es seine Religion will, in den Staat, wohin ihn Gott geführt, hineinzuleben und mit voller Hingebung seine Wohlfahrt zu fördern. — Daß unsere Regierung die Collectirung für die Kasse der Rabbiner-Versammlungen untersagte, ist Ihnen bekannt, aber wohl nicht, daß dieses hauptsächlich auf die Insinuationen des Würzburger Rabbiners geschehen ist. Ich müßte meine Feder in Wermuth tauchen, wenn ich Ihnen schildern sollte, ° wie es jetzt dort aussieht. Ein Heer Bocherim, wie sie nicht bärtig, schmutziger und feister ehemals in Fürth und Prag hausten, hat sich dort wohlgemächlich eingeniftet, darunter hoffnungsvolle Jünglinge aus Holland, Ungarn, Polen, Griechenland und andern gelobten Ländern. Wer von diesen Jünglingen am unwissendsten ist, d. h. wer am wenigsten oder gar nicht studirt (Sie wissen was dieses Wort bedeutet), der ist bei dem Herrn Rabbiner, der dem romanischen Prinzip so zugethan ist, daß er gar nicht germanisch, ich meine deutsch liest, oder schreibt, (viele meinen boshafter Weise weil er es nicht kann), am angenehmsten. Die jüdischen Familien, welche diese Jünglinge an ihrem Tische essen lassen, üben theilweise eine wahre Selbstverläugnung aus, da selbige sie mit ihren stommen Zumuthungen über alle Maßen plagen. Einer derselben, welcher Hauslehrer in der sehr achtbaren Familie des Herrn v. H. wurde, bestand dort bald mit großer Energie darauf, daß die Zwickscheere wieder eingeführt wurde. — Nun, daß es diesem Jünger nicht an Energie fehle, das hat er sich durch andere zärtlichen Beziehungen im Haufe des Hrn. v. H. bewiesen. — Welch' einer trostlosen Zukunft wir auf diese Weise entgegengehn, brauche ich nicht zu schildern. Möge der, der die Herzen der Könige leitet, sich unser erbarmen, um seines Namens willen. Nachschrift: So eben höre ich, daß der Würzburger Rabbiner die neue Zeitschrift „Der Zionswächter" allen Gemeinden seines Sprengels empfohlen und sie zugleich aufgefordert hat, alle übrigen jüdischen Blätter, die er L'ä'2 nSO nannte, von sich fern zu hatten.

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