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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-31 · Heft 35 (31.8.1845) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 35 (31.8.1845)
Date
1845-08-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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S8« und die durch sie hervorgerufene Aufregung das Project zu solchen Versammlungen, wenn überhaupt gar wieder ausgenommen, doch bloses Project geblieben wäre; (?) jedenfalls fanden darin die unsrer Zeit angehörenden Rabbinen einen Beweggrund mehr, die Trägheit ihrer mittelalterlichen College» abzustreifen und es zu versuchen, selbstthätig in das Leben der Gegenwart einzugreifen; in sofern verdankt das Institut der Rabbiner-Versammlung der hiesigen Reformbewegung, wenn nicht den Keim, doch das Erblühen, und noch anders verhält es sich mit der Berliner Genossenschaft, die ihr bewußt oder unbewußt so ziemlich alles zu verdanken hat. Gewiß, man kann den hiesigen Reformfteunden ein unbescheidnes Bore rängen oder Sichgeltendmachen nicht vorwerfen, (und wie oft ist ihnen nicht umgekehrt ihre Unthätigkeit von Gutgesinnten und Uebclwollenden zum Vorwurfe gemacht worden! allein das Verdienst muß ihnen gelassen werden, daß sie es waren, welche zuerst in der Iudcnhcit eine gründliche religiöse Reform als dringendes Bedürfniß, als unabweisliche Anforderung der Zeit nicht nur aussprachen, sondern zugleich anbahnten. Die feste Begründung einer Rabbiner-Versammlung, das Bestehen einer Genossenschaft für Reform im Indenthum in der Hauptstadt Preußens, die Abordnung der Deputation, deren wohlwollende Aufnahme; welche Fortschritte, welch erfreuliche Zeichen der Zeit! das Erscheinen und der Empfang dieser Deputation wie das Verlesen der zahlreichen Adressen ließen übrigens die Versammlung im Lichte einer constituirenden erscheinen, was die Rabbiner-Versammlung ihrem Wesen nach ist, wenn auch der Autorität nach eine blos berathende. Wer möchte behaupten, daß unsre heutigen religiösen Zustände besser geordnet wären als z. B. die inneren der französischen Monarchie in den Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts? Was ist da nicht alles auszuscheiden, umzugestalten, und neu zu schaffen, welchem freilich eine jährlich einmal abgehaltene Versammlung von kurzer Dauer nicht genügen kann. Hier aber müssen die Reform- Vereine, Genossenschaften re., eingreifen, sie müssen nachhelfen, Lücken ausfüllen, Consequenzen ziehen, Einrichtungen Hervorrufen; aber auch verarbeiten, vorbereiten, Vorgehen; nur auf solche Weise ist, wie die Versammlung in ihrer Erwiederung auf die Berliner Adresse (Nr. 32) aussprach, ein „Wcchselverkehr" möglich, „aus welchem ein heilsamer Erfolg für die Gesammtentwickclung des Iudenthums hervorgehcn" dürfte, nur „ein derartiges Zusammenwirken" könnte, wie es dort weiter heißt, „von wahrhaft segensreichen Folgen sein," solche Bestrebungen lassen „den Boden gewinnen, auf welchem sich die Resultate des Instituts (der Rab.-Bers.) verwirklichen können." Darum ist es nöthig, daß in allen größeren Gemeinden Deutschlands die Männer, welche eine gründliche Reform des Iudenthmns wünschen, und durch sie das Wohl ihrer Glaubensgenossen am besten | zu fördern überzeugt sind, zusammen treten, und sich, zu einem Vereine, zu einer Genossenschaft constituiren, daß sie davon den schon bestehenden ähnlichen Vereinen Nachricht geben,, daß sie geeignete Bewohner ihrer Umgegend zum Beitritte einladen, daß sie sich über das, was Roth thut. berathen, daß sie in ihren Kreisen Mißbräuche abstellen, Halbheiten nicht aufkominen lassen, kurz, daß sie das Iudenthum der Gegenwart in seiner wahren Gestalt, wie es heute lebt, erkennen und erkennen lassen. Dabei schlage jeder Verein den Weg ein, welchen er für den rechten hält, den von der Berliner Genossenschaft betretenen, den der hiesigen Reformfreunde, oder jeden sonst beliebigen, vorausgesetzt daß man das Ziel nicht aus den Augen verliere, welches das gemeinsame sein und bleiben muß, die Reform des Iudenthums. Indem wir hierüber weiter auf das dritte Rundschreiben der hiesigen Reformfreunde (Nro. 27) verweisen , freut es uns berichten zu können, daß zwischen denselben und der Berliner Genossenschaft eine Verständigung, wie dort vorhergesagt war, ohne alle Schwierigkeit seitdem wirklich stattgefunden hat. Die von Berlin an die Rabbiner-Versammlung abgeordneten Herren Dr. Stern und Simion waren deßhalb mit einem Ausschüsse der hiesigen Reformfreunve zusammengetreten, und man einigte sich in dem oben angegebenen Sinne; beide Vereine bezwecken unv verfolgen eine Reform iin Iudenthum, jeder auf seine Weise und nach eigener Auffassung, sie treten in Verbindung, und werden darauf bedacht sein, sich über Mittel und Wege zu einigen, und so weit thunlich, zusammen zu wirken; eine Verschmelzung schien weder möglich noch nöthig. Dies hatte jedoch keinen officiellen Character, es ward vielmehr den beiderseitigen Gen.- Vers. überlassen, die geeigneten Einleitungen im gemeinsamen Interesse zu tteffen. Damit wir jevoch das Sprichwort nicht zu Schanden machen, nämlich unsere Natur nicht ganz verläugnen, erlauben Sie uns zum Schluffe dieses Schreibens einige kritische Andeutungen zum Eingänge der schon angezogenen Erwiederung der Rab.- Vers. auf die Berliner Adresse vom Standpunkte der hiesigen Reformfrennde aus. Dieser Eingang ist ziemlich deutlich gegen sie gerichtet, durch nichts hervorgerufen und durch nichts gerechtfertigt. Der Rab.-Bers. konnte es zuvörderst nicht entgangen sein und durfte es nicht entgehen, daß die Berliner Bewegung in Zweck und Absicht mit der hiesigen identisch und nur im Ausdruck verschieden war. Das religiöse Bedürfniß sodann, welchem wir bei Stern in seinem Schristchen: Die gegenwärtige Bewegung im Iudenthum rc. so oft begegnen, fand sich anders formulirt im hiesigen Programme auf gleiche Weise vor. Und wenn wir einmal sprachlich wollen gelten lassen, daß die Umgestaltung eine Bahn verfolge, ist diese von den Berliner Reformfteunden weniger als von den hiesigen betreten? Gelten Worte oder gilt die That?

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