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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-31 · Heft 35 (31.8.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 35 (31.8.1845)
Date
1845-08-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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S84 Man habe dafür das Bild der Davidschen Zeit genommen, da diese die glückliche im israelitischen Reiche gewesen. Jede Zeit habe aber diese Idee nach ihren Begriffen aufgefaßt. Er wolle auf eine Stelle Ln der Schrift Nezach Israel aufmerksam machen, wo es hieße: 'vom Ni«n rrtwa ’My b, keiner von den heutigen Juden würde nach Jerusalem zurückkehren, wenn er auch könnte; eben so wenig wie dieses im Allgemeinen zu der Zeit des Cyrus geschah. Nur das Religiöse und Sittliche der Idee sei daher im Gebet beizubehalten. Der Talmud verlange auch: ypn by ntena romr£ xbu/> Ben Israel: Die Ideen von N'VD und pnp rwbi seien in der Bibel enthalten, man müsse daher i» ihre Tiefe eindringen, und sich verständigen, wie sie aufzufassen seien. Angedeutet müsse daher die volle Idee im Gebete werden, wenn auch nicht in der Form einer Bitte. Das Bewußtsein Einzelner könne nicht beim Gottesdienste berücksichtigt werden, eben so wenig wie dieses beim christlichen Cultus geschehe. Wagner: Der Glaube an den Messias sei so alt wie das Iudenthum, und werde schon in den mosaischen Schriften in der Stelle pniDitf ns* ‘pnVx 'n u. a. angedeutet; allein der Ausdruck sei überall so allgemein, daß jeder sich diese Idee nach seinem Begriff denken könne. Die Propheten hätten sie schon höher aufgefaßt. Alles dieses bildete den Stoff für die spätere Zeit. Von den Rabbinen habe jeder auch nach seiner Weise sie ausgedrückt. Man müsse daher diese Idee so unbestimmt ausdrücken als möglich, jedoch mit Entfernung alles Politischen und Nationalen. Gildenftein: Der Glaube an einen politischen Messias und an eine Wiederherstellung des israelitischen Reiches sei aus dem religiösen Bewußtsein eines Theils der jüdischen Genossenschaft geschwunden, und in den Gedanken eines Messias-Reiches im geistigen Sinne aufgegangen. Für jenen enthalten daher unsere Gebetftellen Unwahrheiten, die nicht beim Gottesdienste geduldet werden dürfen. Er stimme daher für den Commissions-Antrag und glaube übrigens, daß die Ausdrücke Zion und Jerusalem als religiöse Reminiscenzen beizubehalten seien, ebenso das Wort Dy, da dieses nur die religiöse Gemeinschaft ausdrücke. Cahn: Wenn man die Bibel in ihrem Geiste auffaffe, so werde man die Propheten als Weissager, die Rücksicht auf die Verhältnisse des Volkes genommen, nicht aber als Wahrsager betrachten. Uebrigens sprechen nur einige Propheten von einem politischen Messias, während alle einen geistigen verkünden. In der späteren Zeit habe jedoch die politische Seite die Oberhand gewonnen. Wir, als über diese beschränkte Vorstellung hinaus, haben nur die Verpflichtung, den geistigen Inhalt jener Idee recht lebendig im Gebete werden zu lassen. Gosen: Schon mehreremals seien von frommen Christen Vorschläge gemacht worden, wie den Israeliten wieder zum Besitz des gelobten Landes zu verhelfen sei; es haben aber diese Vorschläge nirgend Anklang bei den Juden gefunden. Offenbar beziehen sich die Stellen in unseren Gebeten, welche von Druck und Erlösung im politischen Sinne handeln, nur auf die Juden in der Türkei und andern Ländern. Es wäre lieblos von der Rabbiner-Versammlung, wenn sie dieser Glaubensbrüder nicht mehr im Gebete wolle gedacht haben. Er könne daher nur in die Weglassung derjenigen Stellen willigen, welche eine Undankbarkeit gegen unser Vaterland ausdrückten; die auf eine politische Erlösung sich beziehen, seien aber mit der Erklärung beizubehalten, daß sie auf die übrigen Israeliten zielen. Weiter dürfe man nicht gehen; wenn nicht die Beschlüsse der Rabbiner-Versammlung das treffen sollte, wogegen der hohe Priester am Versöhnungstage heiße Gebete an den Himmel' richtete: „ unap wro r>rp vbur." Stein: Wolle man ganz consequent verfahren, so müsse man auch die Ausdrücke Dy, u. pNL' omaa vtat u. s. w. scheiden, was doch gewiß Keiner zugebe. Er glaube daher, daß man sich auf das zu beschränken habe, was durchaus unwahr sei. Dazu gehöre aber nicht die Idee eines persönlichen Messias; denn stets sei in der Geschichte das Große durch einzelne Persönlichkeiten hervorgerufen worden. Auch in den Ausdrücken D'hvn', p'8, liege nichts Unwahres, da sie uns an unsere Vergangenheit erinnern; ingleichen in der „Erbauung Zions und Jerusalems" als heilige Bezeichnung der Völker im Gottesreiche zu jener heiligen Stätte, von welcher die reine Lehre ausgegangen. Wegfallen inüssen aber alle Bitten um eine politische Restauration; wogegen in neuen Gebeten und in deutscher Sprache um die gerechtere und humanere Behandlung derjenigen Glaubensbrüder, welche sich einer solchen noch nicht erfreuen, gefleht werden sollte. Im Mittelalter habe man

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