Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-31 · Heft 35 (31.8.1845) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 35 (31.8.1845)
Date
1845-08-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2566751-2566964-2566999--1599-2569392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SSL übrigens für den Commissions-Antrag. Das Iudenthum habe sich aus dem Nationellen zum rein Religiösen herausgebildet. Es sei diese Ansicht schon von den Talmudisten geahnt worden und sie finde jetzt, wo das Recht und die Humanität immer mehr zur Herrschaft kommen, ihre volle Verwirklichung. Es handle sich hier nur um den Ausdruck im Gebete, und seien wir auch keine Propheten, so müssen wir doch die Gebete so ausdrücken, daß sie dem höheren Bewußtsein der Zeitgenossen entsprechen. Die sittliche Idee eines Gottesreiches solle über dem Ganzen schweben, die Berufung Israels, aber nicht seine Auserwählung solle fortan ausgedrückt werden. Jene fordere nicht, daß wir Missionäre werden, sondern daß wir sie indirect und innerlich fördern. Das Religiöse bei der Rückkehr sei in dem ’D min 82N p'LQ ausgedrückt. Die Prophetie sprach vom Hause Davids im Gegensätze zum Hause Israels (den übrigen Stämmen), weil durch jenes der höhere Beruf Israels erfüllt worden. Herzfeld: Wir haben keine Gemeinden, die wir für die eine oder die andere Auffassung gewinnen könnten; daher die messianischen Ausdrücke allgemein gehalten werden müssen, damit die Ansicht der ganzen Gemeinde Israels Raum darin finde. Hingegen sotten durchaus die Ausdrücke vermieden werden, die bestimmte Ideen bezcichneten und eine reservatio mentalis bewirkten. Warum wollte man hier ängstlicher sein, als in anderen Dingen, als;. B. bei dem Hebräischen, welches man doch auch ganz aus dem Gottesdienste entfernen wollte, weil unsere Ueberzeugung es erheische. Man müsse aber auch hier zwischen dem was möglich und was unmöglich sei unterscheiden. ZudemErsteren gehöre z. B. daß das messianische Reich durch eine Persönlichkeit hergestellt werde, daß das israelitische Reich wieder erstehe; für solche Vorstellungen müsse demnach Raum im Gebete gelassen werden. Hingegen müssen Dinge, die nach unserer Ueberzeugung nicht mehr möglich seien, wie z. B. der Opserdienft, durchaus gestrichen werden. Dann dürfen nicht blos leere Phrasen und allgemeine Ausdrücke u. s. w. von rbiw (Erlösung) stehen bleiben, sondern es müsse die Versammlung sich -darüber aussprechen, was sie positiv in die geistige Auffassung des Messias hineinziehe. Auch sei auszusprechen, daß wir schon mit bedeutenden Schritten in das messianische Reich hineingetreten seien. Treuenfets: Es sei nicht gut möglich, eine Gebetsform zu finden, die allgemein befriedige. Mir dem Messiasdogma hänge vieles zusammen. Es handle sich um den persönlichen Messias, rwbi pap u. A. Die Polen würden, sobald günstige Zeichen einträten, Ln ihr Vaterland zurückkehren und für dasselbe kämpfen, obgleich sie deshalb doch den Staaten, in welchen sie jetzt leben, mit aller Treue zugethan wären. Man würde jedes Decennium eine neue Liturgie machen müssen, wenn man sich von dem Bewußtsein der Gegenwart bestimmen ließe. Die Bibel sei die alleinige Norm. Aus ihr haben wir den Messiasglauben. Wir können darum nicht das Eine nehmen und das Andere verwerfen. Das Nationale könne nicht in der Messiaslehre verworfen werden, denn der Jude gehöre durch die Geburt dem Iudenthume an, und nstio komme her von naseor. Sein Antrag gehe daher dahin, daß in den Messiasgebeten das Reinbiblische festgehalten und nur das Kabbalistische daraus geschieden werde. Es ward nun das Frankelsche Schreiben, und das vom Rabbiner Schott, sowie der Entwurf zur Beantwortung des Ersteren, wovon wir bereits in No. 3l unseren Lesern Kenntniß gegeben, zur Verhandlung gebracht und hiermit die Sitzung vom 20. Juli geschlossen. In der Vormittagssitzung vom 21. Juli bat nun zuerst Rabbiner Reiß um das Wort und gab dann folgende Erklärung ab: Nach seiner Ueberzeugung bleibe man nur dann auf dem Boden des positiven Iudenthums, wenn man die traditionelle Interpretation anerkenne; er ehre aber die abweichende Gesinnung der übrigen Mitglieder, und wolle nicht dem Beispiele der Abgegangenen folgen, vielmehr halte er die von der Zeit geforderten Verbesserungen, insofern sie jene Sphäre nicht überschreiten, für dringend nothwendig. Ganz vom talmudischen Standpunkte aus habe er seine zwei Anträge in Beziehung auf den Sabbath und die Fasttage gestellt, und wolle sie auch nur in diesem Sinne verstanden wissen. Hierauf ward ein Schreiben von einem S. L. Hecht in Gitzkow, so wie eine Dankadresse aus Neustadt in Oberschlesien verlesen, und dann die Debatte über die Messiasfrage fortgesetzt. Herrheimer: In der Messiasidee liege blos die Unzufriedenheit mit der Gegenwart, und die Hoffnung auf eine Zukunft, wo die Menschheit frei werden sollte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.